Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Kernfusion kommt, aber langsam

Wird der Stellarator von Proxima Fusion also die Energiewende antreiben und Deutschland unabhängig von importierter Energie machen, egal, ob von Gas, Öl oder Uran? Eher nein. Zu ungewiss ist der Erfolg, zu hoch sind die Hürden und zu lang wird es noch dauern, bis schließlich fünf oder sogar zehn solcher Fusionskraftwerke zu bezahlbaren Preisen Strom produzieren könnten.

Das heißt aber nicht, dass sie nicht einen Beitrag leisten könnten. Energie wird immer ein knappes Gut sein. Aktuell treibt künstliche Intelligenz den Strombedarf nach oben, in 20 Jahren wird es vielleicht das nächste große Ding sein.

Hätte man dann eine weitere Technologie, die neben Solarzellen, Windkraftanlagen oder Geothermie Strom liefert, ohne immer mehr Ressourcen zu verbrennen – umso besser. Dass Kernfusion zur dominanten Energiequelle wird, bleibt aber unwahrscheinlich, denn günstiger als erneuerbare Energie wird sie kaum werden.

Die zumindest schwach strahlenden Altlasten, die begrenzte Verfügbarkeit der nötigen Ressourcen zum Bau und die Endlichkeit der Deuteriumvorkommen auf der Erde sind Probleme, die sich technisch nicht aus der Welt schaffen lassen.

Industrie kann profitieren

Eine Chance ist die Technik allemal. Jetzt einige Milliarden zu investieren, zumal diese auch der Grundlagenforschung am Max-Planck-Institut zugutekommen werden, um später auf einen technologischen Vorsprung aufbauen zu können, ist eine Chance.

Es ist die Chance, einen neuen Wirtschaftszweig aufzubauen, in dem auch spezialisierte Mittelstandsunternehmen mitmischen könnten, sofern die Technik die Serienreife erreicht.

Das kann krachend scheitern, wie es die Unternehmen Westinghouse und General Electric bei der Kernspaltung erlebten. Bis 1970 verkauften sie ihre Reaktoren unter Herstellungskosten, in der Hoffnung, dass der Markt immer weiter expandieren würde. – Er expandierte nicht, sondern stagniert seit mittlerweile 40 Jahren.

Aber was wäre, wenn der Kernfusion doch der Durchbruch gelänge? Proxima Fusion wäre dann natürlich gern dabei, im besten Fall nicht nur als Wegbereiter, sondern auch als Teil eines ganzen Industriezweigs. Das ist nicht sehr wahrscheinlich – aber durchaus möglich.


Relevante Themen