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Proxima Fusion: Deutsches Kernfusionskraftwerk kommt in Jahrzehnten

RWE, der Freistaat Bayern und die Max-Planck-Gesellschaft sollen bei der Errichtung helfen. Ein Ort für den Fusionsreaktor ist schon gefunden.
/ Mario Petzold
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Das AKW Gundremmingen wird derzeit zurückgebaut. Am 25. Oktober 2025 wurden die Kühltürme gesprengt. (Bild: AFP via Getty Images/Karl-Josef Hildenbrand)
Das AKW Gundremmingen wird derzeit zurückgebaut. Am 25. Oktober 2025 wurden die Kühltürme gesprengt. Bild: AFP via Getty Images/Karl-Josef Hildenbrand

Wie das Start-up Proxima Fusion(öffnet im neuen Fenster) mitteilt, werden die Pläne für die Errichtung des ersten kommerziellen Stellarator-Fusionskraftwerks konkreter. Um das Projekt zu realisieren, wurde eine gemeinsame Absichtserklärung mit dem Freistaat Bayern, dem Energiekonzern RWE und dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik unterzeichnet.

Zunächst soll in Garching bei München der Reaktor gebaut werden, somit am bayrischen Standort des Max-Planck-Instituts, an dessen Zweigstelle in Greifswald bereits ein Stellarator betrieben wird. Dieser Magnetfusionsreaktor namens Alpha soll Demonstrations- und Forschungszwecken dienen.

Vager Zeitplan für das kommerzielle Kraftwerk

Das endgültige Fusionskraftwerk, das Stellaris heißen soll, wird später am Standort des AKWs Gundremmingen(öffnet im neuen Fenster) errichtet. Das hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits im Januar 2026 verkündet.

Dieser Umstand verrät bereits einiges über die Zeitpläne. Noch steht das 2017 abgeschaltete Kernkraftwerk im Weg, denn lediglich die Kühltürme wurden bisher gesprengt. Verläuft alles nach Plan, ist frühestens gegen Ende des nächsten Jahrzehnts mit einem kompletten Rückbau zu rechnen.

Dass solche angedachten Rückbaupläne sich auch um Jahrzehnte verzögern können, zeigt das Beispiel des KKWs Rheinsberg . Zum 1990 stillgelegten Kraftwerk findet sich derzeit kein konkreter Termin, wann ein Rückbau abgeschlossen sein könnte.

Kosten im Milliardenbereich

Die Pressemitteilung gewährt auch einen Ausblick auf die geplanten Kosten, von denen Proxima Fusion 20 Prozent über Investoren einsammeln möchte. Bayern soll 400 Millionen Euro beisteuern. Allerdings werden allein für den Bau des Vorläufermodells Alpha etwa 2 Milliarden Euro angesetzt.

Deutlich teurer dürfte anschließend der Bau des tatsächlichen Reaktors werden, der dann bereits mit dem Stromnetz verbunden werden soll. Wobei noch längst nicht sicher ist, dass sich die Technik für die Stromproduktion im kommerziellen Sinn einsetzen lässt. Das soll erst der Reaktor Alpha zeigen.

Blick auf Wendelstein 7-X

Dass Bayern und Deutschland ein Fusionskraftwerk bekommen, ist damit also keineswegs sicher. Sicher dürfte aber sein, dass es nicht vor 2050 oder 2060 so weit sein wird. Und auch dann handelt es sich noch um einen Prototyp, der seine Nutzbarkeit unter Beweis stellen muss.

Zum Vergleich: Die Errichtung von Wendelstein 7-X(öffnet im neuen Fenster) dauerte knapp 20 Jahre und es handelt sich lediglich um eine Experimentieranlage, um die grundlegende Funktionsweise eines Stellarators zu verstehen. Bei Iter wird es insgesamt wohl 30 Jahre dauern, bis der Bau abgeschlossen ist, während die Technik dahinter, der Tokamak, bereits wesentlich besser erforscht ist als der Stellarator, der in Gundremmingen zum Einsatz kommen soll.


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