Prototyp schon im Jahr 2027: Bundeswehr entwickelt deutsche Alternative zu Palantir
Die Bundeswehr sucht derzeit nach einer europäischen KI-Software zur Auswertung von Kampfdaten in Echtzeit und prüft Angebote verschiedener Unternehmen. Wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster), ist geplant, bis zum zweiten Quartal 2027 einen ersten Prototypen vorweisen zu können.
Hintergrund der Beschaffung sind zunehmende Sicherheitsrisiken durch Sabotageakte und Angriffsbedrohungen aus Russland sowie das Bestreben nach digitaler Souveränität. Das US-Unternehmen Palantir und dessen Software Maven Smart System (MSS), die von der NATO genutzt wird, schlossen die Bundeswehr aus Souveränitätsgründen und einer befürchteten Abhängigkeit von den USA aus.
Das IT-Systemhaus der Bundeswehr (BWI) sichtet stattdessen Programme von 30 Unternehmen, von denen die meisten aus Deutschland stammen. Neben nationalen Projekten wird auch eine engere europäische Zusammenarbeit angestrebt.
Europäische KI‑gestützte Gefechtsführungssysteme miteinander verbinden
Deutschland und Frankreich verständigten sich Mitte Juli 2026 im Rahmen ihres Verteidigungs- und Sicherheitsrats darauf, die Entwicklung eines gemeinsamen europäischen souveränen digitalen Rückgrats zu prüfen.
Hierbei sollen datenzentrierte Sicherheitskonzepte und künstliche Intelligenz berücksichtigt werden, um etwa das französische, KI‑gestützte Gefechtsführungssystem Arcadia mit vergleichbaren deutschen Lösungen zu verbinden. Vizeadmiral Thomas Daum geht laut Handelsblatt davon aus, dass eine vollständige europäische Alternative Mitte 2028 in Betrieb genommen werden kann.
Für die Entwicklung stehen in Europa bereits praxiserprobte Systeme und Realdaten zur Verfügung. Die Ukraine betreibt das System Delta, das Sensoren, Drohnenvideos und Geheimdienstdaten in Echtzeit zusammenführt. Über ein bilaterales Abkommen zum Datenaustausch darf Deutschland diese Informationen nutzen, um eigene KI-Werkzeuge zu trainieren.
Bundeswehr und Industrie setzen auf Konsortien
Ergänzend bietet das dänische Unternehmen Systematic mit Sitaware Insight eine bereits am Markt etablierte Software an, die laut Hersteller Ähnliches wie Palantirs System leisten kann. Da softwaregestützte Verteidigungssysteme eine hohe Komplexität aufweisen, setzen Bundeswehr und Industrie verstärkt auf Konsortien.
Für das Projekt Uranos KI, das die taktische Überwachung an der NATO-Ostflanke übernehmen soll, erhielten den Zuschlag bereits die Unternehmenszusammenschlüsse von Airbus mit Quantum Systems sowie Helsing mit ARX Robotics. Wie teuer die künftige Bundeswehr-Software wird, steht bisher nicht fest. Gemäß Vizeadmiral Daum sollen sich die Kosten in einem realistischen Rahmen bewegen.
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.

