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Zwangsbeglückung mit Autofabrik

Weil das alles ausgeblieben ist, muss nun die Landesregierung in Potsdam versuchen, das Projekt durchzuboxen. Die Bewohner von Grünheide sollen die Zwangsbeglückung durch die Autofabrik akzeptieren. Ein Scheitern wäre eine Blamage für die Politik. Das nährt Zweifel bei den Bürgern, ob das Genehmigungsverfahren ergebnisoffen verläuft. Daher verwies Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am vergangenen Freitag auf einer Bürgerversammlung ausdrücklich auf die unabhängige Prüfung der Antragsunterlagen. "Darüber entscheiden die Genehmigungsbehörden. Tesla muss sicherstellen, dass keine Gefahren für die Umwelt von dem Werk ausgehen."

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Inzwischen hat Tesla angekündigt, den geplanten Wasserverbrauch von 372.000 Litern pro Stunde um mehr als ein Drittel auf 238.000 Liter zu senken. Das solle beispielsweise durch Wiederverwertung von Abwasser und durch andere Kühlsysteme geschehen, sagte ein Vertreter des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) Brandenburg dem RBB. Grundsätzlich begrüßt der BUND sogar die Ansiedlung des Tesla-Werks in Grünheide, "weil auf jeden Fall Elektroautos klimafreundlicher sind als Autos mit Verbrennungsmotor". Dennoch müssten alle Naturschutzauflagen erfüllt werden.

Erntereifer Kiefernforst

Dem zwischen Autobahn, Logistikzentrum und Bahnlinie eingeschlossenen Wald trauern nicht einmal Naturschützer nach. Bürgermeister Arne Christiani wird nicht müde, das Gelände als "erntereifen, minderwertigen Kiefernwald" zu bezeichnen. Schon seit 20 Jahren warte man darauf, die Fläche anders zu nutzen. Ohnehin war sie einmal im Rennen für die Ansiedlung eines BMW-Werkes. Nach Angaben des ARD-Magazins Panorama ist der Boden nicht nur mit Weltkriegsmunition, sondern auch mit Blei und Quecksilber belastet.

Füchse in ollen Bombentrichtern

Ein Spaziergang durch den derzeit nicht gesperrten Teil des Waldes bestätigt diesen Eindruck. Kiefer neben Kiefer, kein Unterholz, gelegentlich ein paar Blaubeersträucher am Boden. Ein Einheimischer in der Tesla-Sprechstunde in Grünheide berichtet, dass das Gelände vor 60 Jahren wieder aufgeforstet wurde. Spaziergänger seien dort kaum anzutreffen. "Da hab ick hier 'nen Fuchs, der in den ollen Bombentrichtern ist, und dann hab ick die Wildschweine, die hier durchziehen, vielleicht noch ein paar Rehe, und dann is Sense", sagt der ältere Mann.

  • In dem Wald bei Grünheide will Tesla seine Gigafactory 4 bauen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Ende Januar 2020 musste das Gelände zunächst von Weltkriegsmunition geräumt werden. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Der Wald gilt als erntereifer Kiefernforst. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Bäume sind etwa 60 Jahre alt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein Bahnstrecke führt durch das Tesla-Gelände zu einem Güterverkehrszentrum. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Nur ein Teil des Waldes soll zunächst gerodet werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Fabrik soll auf der Karte links unten zwischen Autobahn, Bahnstrecke und Güterverkehrszentrum entstehen. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Viele Bürger Grünheides wollen nicht, dass hier ein so großes Rad gedreht werden soll. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Am Rathaus hängt rechts am Eingang eine Bekanntmachung zu den Tesla-Plänen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Tesla hat eigens ein Bürgerbüro bis Anfang Februar 2020 eingerichtet. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Noch ist es tagsüber sehr ruhig in dem Ort. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Wasseridylle an einem Fließ zwischen Peetzsee und Werlsee (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Die größte Attraktion des Ortes dürfte bald die Gigafactory werden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Nur wenige Bürger nutzten die Gelegenheit zu mehr Informationen in dem Bürgerbüro. (Foto: Martin Wolf/Golem.de)
  • Dort gab es vor allem Hinweise zu den Umweltmaßnahmen wegen des Fabrikbaus. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Erste Pläne zeigen, wo neue Bäume als Ausgleichsmaßnahmen für die Rodung gepflanzt werden sollen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Der Wald gilt als erntereifer Kiefernforst. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Zur Bürgersprechstunde ist allerdings kein Vertreter von Tesla erschienen. Stattdessen versuchten Vertreter des Beratungsunternehmens Arcadis die zahlreichen Fragen zu beantworten. Arcadis hat auch die artenschutzrechtliche Bewertung in der fast 250-seitigen Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt (PDF). Die Bürger wollten dabei unter anderem wissen, ob die möglicherweise im Wald vorhandenen Fledermäuse tatsächlich während ihres Winterschlafes umgesiedelt werden könnten. "Das wird gemacht, das wird tatsächlich gemacht", versicherte die Arcadis-Frau, "und weil das alles so schnell gehen soll, wird da ganz besonders drauf geguckt."

Trotz allem erscheint es widersprüchlich, für eine angeblich klimafreundliche Antriebstechnik bis zu 150 Hektar Wald abzuholzen, was einem Holzeinschlag von etwa 50.000 Kubikmetern entspricht. Da im Jahr 2018 deutschlandweit 65 Millionen Kubikmeter Wald geschlagen wurden, fällt diese Rodung jedoch nicht besonders ins Gewicht. Von den fast 30 Millionen verkauften Weihnachtsbäumen ganz abgesehen. Zudem hat sich Tesla verpflichtet, die dreifache Fläche mit ökologisch wertvollerem Mischwald aufzuforsten.

Was haben trockene Sommer mit Elektroautos zu tun?

Der Widerstand gegen die Fabrik ist daher teils irrational, teils dem Vorgehen von Politik und Tesla geschuldet. Die Landesregierung steht nun unter Druck, die unter Ausschluss jeglicher Öffentlichkeit gemachten Vorgaben umzusetzen. Tesla wiederum will kein halbes Jahr mit den Rodungen warten, sondern sofort mit den Bauarbeiten beginnen. Denn Musk will den technischen Vorsprung beim Elektroautobau gegenüber den deutschen Herstellern natürlich möglichst gut ausnutzen.

Den Bürgern von Grünheide bleibt dabei kaum anderes übrig, als die Entscheidungen von Genehmigungsbehörden und Politik abzuwarten. Helfen könnte dabei der Verdacht, dass es einen Zusammenhang zwischen den zuletzt sehr trockenen Sommern und der Notwendigkeit geben könnte, den CO2-Ausstoß des Verkehrs langfristig zu senken. Oder vielleicht findet die Frau aus dem Edeka, die jeden Tag über eine Stunde nach Berlin pendelt, einen guten Job bei Tesla. Dann könnte sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und ihren idyllischen Heimatort abends noch länger genießen.

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das-emu 02. Feb 2020

Erntereife/Hiebreife Waldbestände gibt es sehr wohl. Ohne jetzt nen Aufsatz über Waldbau...

tomatentee 01. Feb 2020

Es gibt GFZ und GRZ und die Geschosszahl muss eingehalten werden, thats it. LOL...

norbertgriese 31. Jan 2020

Man wartet noch auf das Wertgutachtwn. Bis Ende März könnten noch Einsprüche gemacht...

thinksimple 31. Jan 2020

Alleine 1 grosse Presse hat nen Anschlusswert von knapp 500kW. Da sind ein paar...

thinksimple 31. Jan 2020

Tja. Prestigeprojekt. Da muss genehmigt werden. Sonst schreit jeder das man Tesla...


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