Projektorkauf: Lumen, ANSI und mehr

Gerade bei Projektoren werden auf Plattformen verschiedener Onlinehändler kuriose Angaben zur Helligkeit beziehungsweise Leuchtstärke gemacht - sofern diese überhaupt angegeben werden. Wir bringen etwas Licht ins Dunkel und beschäftigen uns mit Einheiten rund um das Thema Helligkeit.

Artikel von Mike Wobker veröffentlicht am
Lumen ist nicht gleich Lumen - bei LED-Projektoren werden subjektive Charakteristika hinzugezogen.
Lumen ist nicht gleich Lumen - bei LED-Projektoren werden subjektive Charakteristika hinzugezogen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Auf der Suche nach einem Projektor - umgangssprachlich auch Beamer genannt - stoßen Kaufinteressenten immer wieder auf dieselben Probleme. Auf großen Online-Marktplätzen werden häufig mangelhafte Angaben zum Lichtstrom gemacht - oder sie fehlen gleich komplett. Es ist schwierig, herauszufinden, welches Gerät denn nun für welchen Zweck am besten geeignet ist; die Werbeaussagen sind oft kein Hinweis.

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Geräte ohne erkennbaren Markennamen werden oft mit Aussagen wie "80 Prozent heller als andere Beamer" beworben. Wird eine Helligkeit von 4.500 Lumen versprochen, offenbaren nicht selten Nutzerkommentare, dass das Gerät in der Praxis nur mit einem Beamer vergleichbar ist, dessen Hersteller 2.500 ANSI-Lumen verspricht. Was müssen Kaufinteressenten also wissen?

Häufig wird der umgangssprachliche Begriff der Lichtleistung verwendet, er kann aber je nach Anwendungsgebiet unterschiedliche Bedeutungen haben. Daher sollte auf die tatsächlichen physikalischen Größen Lichtstärke und Lichtstrom mit den Einheiten Candela und Lumen geachtet werden. Die Lichtstärke bezeichnet, vereinfacht ausgedrückt, den von einem Punkt ausgehenden Lichtstrom. Bei Bildschirmen wird diese Angabe häufig verwendet und in Relation zur Fläche als Candela pro Quadratmeter (cd/m²) angegeben. Die US-amerikanische Bezeichnung Nits wird auch immer häufiger verwendet, trifft aber die gleiche Aussage über die Helligkeit eines Monitors oder Fernsehers.

Bei diesen Geräten wird das Bild je nach Paneltechnologie auf einer großen Fläche und Pixel für Pixel erzeugt. Eine Hintergrundbeleuchtung erhellt den Inhalt und der Betrachter blickt auf eine selbstleuchtende Oberfläche. Mit der Lichtstärke lässt sich eine klare Aussage über die zu erwartende Helligkeit treffen. Kontrastwerte sowie Farbdarstellung bewegen sich in einem klar definierbaren Rahmen.

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Da ein Beamer im Gegensatz dazu sein abgegebenes Licht auf eine Projektionsfläche wirft, reicht die Lichtstärke nicht mehr aus, um die Helligkeit zu beschreiben. Der Lichtstrom allein bietet ebenfalls keine Aussage über das zu erwartende Bild, weshalb die Fläche der Leinwand berücksichtigt werden muss.

Um für Hersteller und somit letztendlich die Käufer vergleichbare Hinweise zur erwartenden Helligkeit zu schaffen, hat das American National Standards Institute (ANSI) eine Methode entwickelt, mit der ein Mittelwert der an neun Punkten der Leinwand gemessenen Beleuchtungsstärke in Lux in Verbindung mit der Fläche einen Wert namens ANSI-Lumen ergeben. Da dieser Wert unter einer extremen Einstellung des Projektors und ohne Rücksicht auf die Bildqualität ermittelt wird, ist er in der Praxis nicht zu erreichen.

Dafür bietet er eine Basis für die Vergleichbarkeit verschiedener Geräte, die zudem unabhängig von den eingesetzten Techniken wie DLP, LCD oder LED funktioniert. Während das ANSI die entsprechende Norm bereits im Jahr 2003 zurückgezogen hat, ist deren Definition nun in den praktisch identischen Texten der International Electrotechnical Commission (IEC) und der DIN EN 61947-1 zu finden. Der Begriff ANSI-Lumen wird weiterhin von vielen Herstellern verwendet.

  • An neun Messpunkten wird die Helligkeit auf der Leinwand gemessen. (Bild: Golem.de)
  • Für die Messung der Farbhelligkeit werden drei verschiedene Farbbilder genutzt.  (Bild: Golem.de)
  • Sie erfassen die Primärfarben Rot, Grün und Blau. (Bild: Golem.de)
  • Eine Messung der Farbhelligkeit sollte zusammen mit der Weißhelligkeit verwendet werden, um Projektoren zu berurteilen. (Bild: Golem.de)
An neun Messpunkten wird die Helligkeit auf der Leinwand gemessen. (Bild: Golem.de)

Anbieter moderner Projektoren mit LED-Technik greifen gerne auf die vergleichsweise neue Angabe der LED-Lumen zurück. Deren Zahl ist immer höher als die der ANSI-Lumen, bietet aber keine Aussage über das zu erwartende Bild auf der Leinwand, weil die subjektiv wahrgenommene Helligkeit eine Rolle spielt.

Der Projektorhersteller Viewsonic beschreibt beispielsweise sein Messverfahren so: "Die Bestimmung der typischen LED-Lichtspezifikation für einen bestimmten LED-Projektor erfordert zunächst die Auswahl eines lampenbasierten Referenzprojektors mit einem RGBRGB-Farbrad. Die einzelnen R-, G-, B-Parameter des LED-Projektors werden dann so lange angepasst, bis die wahrgenommene Helligkeit am ehesten der des Referenzlampenprojektors entspricht. Anschließend wird eine weitere ANSI-Lumen-Messung des eingestellten LED-Projektors durchgeführt und das Verhältnis dieser beiden Messungen mit der ANSI-Lumen-Messung des Referenzlampenprojektors multipliziert, um den äquivalenten Wert LED-Lumen zu bestimmen."

Beim Test des Viewsonic-LED-Projektors X10-4K konnten wir allerdings feststellen, dass die subjektive Helligkeitswahrnehmung tatsächlich deutlich über der zu erwartenden Leistung lag. Diese war mit nur 1.000 ANSI-Lumen angegeben - wohingegen die vom Hersteller genannten 2.400 LED-Lumen eher unserem Bildeindruck entsprachen.

cd/m2 (Nits)ANSI-Lumen
5001713
10003246
15005139
20006582
Ungefähre Umrechnung Candela pro Quadratmeter in Ansi-Lumen

Mit welcher Beleuchtungsstärke an der Leinwand gerechnet werden kann, ist somit nicht ohne Weiteres ersichtlich. Kaufinteressenten, die sich das Ausprobieren und Zurücksenden günstiger Geräte ohne vergleichbare Angaben ersparen oder die nicht nur in einem abgedunkeltem Zimmer Filme auf eine Leinwand werfen möchten, sollten daher lieber auf No-Name-Produkte verzichten. Wer mehr über Messmethoden und Berechnungsgrundlagen erfahren möchte, findet hier Informationen zur Fotometrie und hier zum Messverfahren.

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mwo (Golem.de) 05. Aug 2019

Hallo, vielen Dank für den Hinweis, wir haben noch einmal nachgefragt - und folgende...

FlashBFE 19. Jul 2019

Nein. Von der Überschrift ausgehend hätte ich jetzt einen Hintergrundartikel erwartet...

Achranon 18. Jul 2019

Und nein 3D ist solange noch nicht tot wie noch neue Filme als 3D Version kommen, um dem...

Rax 18. Jul 2019

werden ohne Farbkalibrierung gemessen. Die Lampen haben klassischerweise einen starken...



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