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Projektmanagement: An der falschen Stelle automatisiert

Kommunikationstools und künstliche Intelligenz sollen dabei helfen, dass IT-Projekte besser und schneller fertig werden. Demnächst sollen sie sogar Posten wie den des Projektmanagers überflüssig machen. Doch das wird voraussichtlich nicht passieren.

Ein Erfahrungsbericht von Marvin Engel veröffentlicht am
Maschinen können mittlerweile Vieles, persönliche Gespräche können sie aber bislang nicht ersetzen.
Maschinen können mittlerweile Vieles, persönliche Gespräche können sie aber bislang nicht ersetzen. (Bild: rawpixel.com/pexels.com/Montage: Golem.de)

Softwareprojekte werden in der heutigen Zeit gerne dezentral durchgeführt. Das bedeutet: Entwickler, Projektmanager und andere Verantwortliche sitzen an verschiedenen Orten und arbeiten gemeinsam an demselben Ziel. Ich bin selbstständiger Projektmanager und Berater und habe mittlerweile einige Tools kennengelernt, die angeblich die Arbeit erleichtern sollen, etwa indem sie bestimmte Arbeitsprozesse automatisieren. Und zwar zum Teil so weit, dass der Job des Projektmanagers überflüssig werden soll.

Der Vizepräsident der Research-Abteilung beim Marktforschungsinstitut Gartner, Daniel Stang, beziffert den Anteil der Aufgaben, die in Zukunft automatisiert werden könnten, auf 80 Prozent. Datensammlung, Analyse und Auswertung von Daten - vor allem solche Aufgaben könnten bald Programme übernehmen. Dystopischer formulierte es Tesla-Chef Elon Musk: Er warnte im vergangenen Jahr in einem Interview, künstliche Intelligenz werde die Menschheit unterwerfen. Das glaube ich jedoch nicht. Im Gegenteil: Das, was wir als Menschlichkeit bezeichnen, ist heute wichtiger denn je.

Über das Kommunizieren kommunizieren

Gerade im technischen Bereich gehen Entwicklungen rasant voran, und oft ist es schwierig, Schritt zu halten. Ich war gerade auf einer Spanienreise und konnte für weniger als fünf Euro einen Onlinezugang im Flugzeug kaufen. Noch Tage später erhielt ich ungläubige Nachrichten von (gleichaltrigen!) Menschen, die nicht fassen konnten, dass ich aus 10.000 Metern Höhe einen Videoanruf mit ihnen starten wollte.

An Bord auch nur mit dem Handy zu telefonieren, ist noch gar nicht so lange üblich. Als sich diese Möglichkeit langsam durchsetzte, wussten selbst die Flugbegleiter manchmal nicht, dass ihre Airline bereits eine Internetverbindung zur Verfügung stellte, die zum Telefonieren genutzt werden konnte - und erklärten dem überraschten Passagier, dass Mobilfunkgespräche an Bord verboten seien.

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Auch das Projektmanagement muss mit der Zeit gehen. Wir können und sollen immer bessere Programme und künstliche Intelligenz bedienen und verwenden. Etwa Maschinen und Software, die selbstständig lernen und sich weiterentwickeln. Alexa und Google Assistant sind dabei nur die bekanntesten Beispiele, denn ob es die Verkehrsführung, die Wettervorhersage oder der Anbau von Lebensmitteln sind: Überall im Alltag finden wir intelligente Programme.

So auch bei IT-Projektmanagern. Das Tool Wrike sucht etwa automatisch beim Projektstart die Dokumente zusammen, die für das Projekt gebraucht werden könnten. Google hat eine eigene Plattform mit Apps und Open-Source-Tools entwickelt, ebenso wie Facebook. Die Vielzahl der potenziell arbeitserleichternden Tools zwingt die Beteiligten dazu, sich erst einmal für eines oder mehrere zu entscheiden. Und das kann sich hinziehen.

Ich habe das in einem meiner Projekte erlebt. Die Überlegung war, eine Software oder Plattform für den täglichen Austausch zu finden. Was einfach klingt, war der Ausgangspunkt einer langen Diskussion. Erst einmal hieß es: Nur chatten sei zu umständlich, Skype eigne sich auch nicht, da müsse man ja aktiv anrufen. Tägliche Videokonferenzen kämen auch nicht in Frage, das nehme die Teilnehmer zu sehr in die Pflicht.

Ein eigener Teamspeak-Server war die Idee der 90er-Generation am Tisch. Dafür würde ein Voice-Server mit Client auf jedem Computer oder Smartphone benötigt. Die Jüngeren wollten hingegen direkt über Discord kommunizieren, der Voice-Server steht dabei bereits in der Cloud des Anbieters, App und Browser-Unterstützung sind vorhanden. Einer der älteren Chefs verstand bei all den Fachgesprächen kaum etwas. Er fragte sich: "Wir treffen uns also im virtuellen Büro, selbst wenn wir nur über den Flur rufen müssen?" Wir verloren uns in Diskussionen über die möglichen Features in diversen Programmen. Ein Mitarbeiter plädierte sogar für den Lunch-Train, eine App für Slack, bei der sich Kolleginnen und Kollegen für die gemeinsame Mittagspause finden lassen.

Müssen wir wirklich alle möglichen Tools kennen?

In solchen Runden will jeder mit seinem Detailwissen zu neuen Software-Hypes glänzen - vielleicht auch aus Sorge, nicht ernst genommen zu werden, wenn er nichts beizutragen hat. Jedoch glaube ich, dass wir durch solche Diskussionen die Ziele aus den Augen verlieren und an einen Punkt kommen, an dem sich selbst technisch versierte Menschen überfordern. Müssen wir wirklich alle Tools kennen und jedes Feature bewerten können? Wie lange sollte ein Selektionsprozess dauern? Was ist wichtig? Wer das alles durchdiskutiert, stellt die Kommunikationsart in den Fokus, das Ziel - eine gute Kommunikation - gerät indes aus dem Blick.

Entscheidend ist für mich nicht die Software, sondern es sind die Menschen, die sie verwenden. Wir machen uns über Plastik in den Weltmeeren und nachhaltiges Wirtschaften Gedanken, angebotene Software verwenden wir hingegen inflationär: Freeware, Testversionen, Open Source, günstige Starter-Editionen. Natürlich zerstören wir keine Wälder, wenn wir zwei oder drei Programme mehr installieren als nötig. Wir schaden aber definitiv der Produktivität und dem persönlichen Wohlbefinden, wenn wir ständig Trends nachlaufen - und trotzdem nie wirklich auf dem neuesten Stand sein können.

Als Projektmanager sehe ich es deshalb als meine Aufgabe, für das Team eine Lösung zu finden, die eine gute Kommunikation ermöglicht und dazu führt, dass die Arbeit so schnell wie möglich - auf welchem Kanal auch immer - erledigt wird. Viel wichtiger als die Frage "Wie verständigen wir uns?" ist für mich daher die Frage: "Wie verstehen wir uns?"

Keine Maschine kann bislang gutes Projektmanagement nachahmen 
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tirili 29. Jun 2019

Projektmanager vs Scrum-Master ist doch ein bisschen so, wie Alexander der Große versus...

Kleba 16. Jun 2019

This. Ich bin zwar kein PM, sondern Software Entwickler/Architekt, aber ich habe schon...

gadthrawn 13. Jun 2019

Naja, sagen wir es so: den letzten Artikel des Autors den ich gelesen habe, habe ich...

MFGSparka 13. Jun 2019

Der Artikel hinkt vorne und hinten. Ich stimme zu, dass Kommunikation und...

Trollversteher 13. Jun 2019

Also ich habe danach gearbeitet, mit Grob- und Detailspezifikation sowohl fürs gesamte...


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