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Mein Programm wird mir schon sagen, was ich tun muss

Dennoch wird natürlich versucht, ihre Arbeit von KIs machen zu lassen - so wie die Automatisierung nach und nach eben auch die meisten anderen Lebensbereiche erreicht. Auf langen, monotonen Autofahrten sollen elektronische Piloten das Steuer übernehmen, Maschinen analysieren Blutwerte und erstellen daraus eine vermeintlich verlässliche gesundheitliche Analyse. Das sind solch komplexe Prozesse, dass man doch auch Projektmanager automatisieren kann, oder?

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Meine Antwort: Nur, wenn man den Charakter der Person, die diese Tätigkeit ausübt, außer Acht lässt. Doch selbst rein technische Prozesse können Menschen überfordern. Das zeigte sich erst jüngst bei den Boeing-737-Max-Vorfällen, als die Piloten eine Software, die in die Steuerung des Flugzeuges eingriff, nicht mehr kontrollieren konnten - und dadurch bei zwei Flugzeugunglücken viele Menschen ums Leben kamen.

In meinen IT-Projekten stehen zwar keine Menschenleben auf dem Spiel, ich habe jedoch schon oft erlebt, dass Kollegen sich zu sehr auf die Technik verlassen. "Das Programm wird mir schon sagen, wenn das Budget überschritten ist", "Meine Erinnerungen erhalte ich alle per Push-Nachricht" oder "Die Performance-Auswertung wird mir schon sagen, wo wir nachsteuern müssen". Das sind Sätze, die ich häufig höre.

Fast genauso häufig sind dadurch schon Projekte in Schwierigkeiten geraten und es musste von Hand korrigiert werden - wenn das überhaupt noch möglich war. Probleme mit Hilfe von Technik, aber unter Nutzung unseres Verstands und unserer Gefühle zu lösen, ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz, und das müssen schon die Führungskräfte vorleben.

Das hat auch eine Kienbaum-Studie von Stepstone zum Thema Mitarbeiterführung ergeben. Sie gibt den Rat: "In der Praxis kann Führungskräften so nur empfohlen werden, mehr auf ihre Mitarbeiter zu achten und sich nicht nur auf das Erreichen von Zahlen und Zielen zu konzentrieren. Führungskräfte sollten sich Zeit für ihre Mitarbeiter nehmen und diese emotional unterstützen, um sie aktiv zu entwickeln." Will heißen: Die einfache Frage nach dem aktuellen Wohlbefinden oder den beruflichen Zielen hilft manchmal weitaus mehr als irgendeine Statistik.

Manchmal hilft einfach nachfragen

Führungskräfte, die sich allein auf ihre menschlichen Fähigkeiten verlassen und technischen Fortschritt ablehnen, können ihre Mitarbeiter allerdings genauso emotional verlieren wie jene, die einzig auf die technischen Lösungen der Mitarbeiterführung setzen.

Bei meiner Arbeit habe ich einmal erlebt, wie ein Projektleiter die Einzelprojekte allein über ihre Performance im Auswertungstool bewertete. Dieses Tool war mächtig: Es konnte neben der Zeiterfassung sogar die Qualität der Arbeit messen und Fehlerquellen anzeigen. Trotzdem fehlte der Software die menschliche Komponente, die Problemen über den Zahlenrand hinaus auf den Grund geht. Die Möglichkeit, auch Fragen zu Emotionen zu stellen.

Denn einige Projekte performten nur deshalb nicht gut, weil es interne Probleme zwischen Mitarbeitern gab, die in der Auswertung natürlich nicht sichtbar waren. Der Druck, der durch eine schlechte Auswertung erzeugt wurde, verschärfte dieses Problem, da sich alle gegenseitig dafür verantwortlich machten. Wäre der Projektleiter nur einmal ins persönliche Gespräch gegangen, wären womöglich Gründe und Lösungen gefunden worden, die letztlich auch für eine bessere Performance gesorgt hätten.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen stehe ich einer vollständigen Automatisierung von Projektmanagement kritisch gegenüber. Ich mag es, wenn Prozesse automatisiert sind und wir trotzdem noch als Menschen agieren können. Anders als viele andere habe ich keine Angst davor, dass die Technik mich überflüssig machen könnte und ich dadurch quasi meine Daseinsberechtigung verliere. Denn eigentlich ist es ja erstrebenswert, sich als Projektmanager überflüssig zu machen. Wenn die Prozesse so flüssig laufen, dass keine Korrektur nötig ist, dann ist das Idealziel erreicht. Meinetwegen auch durch einen Automatisierungsprozess.

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 Keine Maschine kann bislang gutes Projektmanagement nachahmen
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tirili 29. Jun 2019

Projektmanager vs Scrum-Master ist doch ein bisschen so, wie Alexander der Große versus...

Kleba 16. Jun 2019

This. Ich bin zwar kein PM, sondern Software Entwickler/Architekt, aber ich habe schon...

gadthrawn 13. Jun 2019

Naja, sagen wir es so: den letzten Artikel des Autors den ich gelesen habe, habe ich...

MFGSparka 13. Jun 2019

Der Artikel hinkt vorne und hinten. Ich stimme zu, dass Kommunikation und...

Trollversteher 13. Jun 2019

Also ich habe danach gearbeitet, mit Grob- und Detailspezifikation sowohl fürs gesamte...


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