• IT-Karriere:
  • Services:

Mein Programm wird mir schon sagen, was ich tun muss

Dennoch wird natürlich versucht, ihre Arbeit von KIs machen zu lassen - so wie die Automatisierung nach und nach eben auch die meisten anderen Lebensbereiche erreicht. Auf langen, monotonen Autofahrten sollen elektronische Piloten das Steuer übernehmen, Maschinen analysieren Blutwerte und erstellen daraus eine vermeintlich verlässliche gesundheitliche Analyse. Das sind solch komplexe Prozesse, dass man doch auch Projektmanager automatisieren kann, oder?

Stellenmarkt
  1. KRATZER AUTOMATION AG, Unterschleißheim
  2. über duerenhoff GmbH, Meckenbeuren

Meine Antwort: Nur, wenn man den Charakter der Person, die diese Tätigkeit ausübt, außer Acht lässt. Doch selbst rein technische Prozesse können Menschen überfordern. Das zeigte sich erst jüngst bei den Boeing-737-Max-Vorfällen, als die Piloten eine Software, die in die Steuerung des Flugzeuges eingriff, nicht mehr kontrollieren konnten - und dadurch bei zwei Flugzeugunglücken viele Menschen ums Leben kamen.

In meinen IT-Projekten stehen zwar keine Menschenleben auf dem Spiel, ich habe jedoch schon oft erlebt, dass Kollegen sich zu sehr auf die Technik verlassen. "Das Programm wird mir schon sagen, wenn das Budget überschritten ist", "Meine Erinnerungen erhalte ich alle per Push-Nachricht" oder "Die Performance-Auswertung wird mir schon sagen, wo wir nachsteuern müssen". Das sind Sätze, die ich häufig höre.

Fast genauso häufig sind dadurch schon Projekte in Schwierigkeiten geraten und es musste von Hand korrigiert werden - wenn das überhaupt noch möglich war. Probleme mit Hilfe von Technik, aber unter Nutzung unseres Verstands und unserer Gefühle zu lösen, ist meiner Meinung nach der richtige Ansatz, und das müssen schon die Führungskräfte vorleben.

Golem Akademie
  1. Einführung in die Programmierung mit Rust
    21.-24. September 2021, online
  2. IT-Sicherheit für Webentwickler
    31. Mai - 1. Juni 2021, online
Weitere IT-Trainings

Das hat auch eine Kienbaum-Studie von Stepstone zum Thema Mitarbeiterführung ergeben. Sie gibt den Rat: "In der Praxis kann Führungskräften so nur empfohlen werden, mehr auf ihre Mitarbeiter zu achten und sich nicht nur auf das Erreichen von Zahlen und Zielen zu konzentrieren. Führungskräfte sollten sich Zeit für ihre Mitarbeiter nehmen und diese emotional unterstützen, um sie aktiv zu entwickeln." Will heißen: Die einfache Frage nach dem aktuellen Wohlbefinden oder den beruflichen Zielen hilft manchmal weitaus mehr als irgendeine Statistik.

Manchmal hilft einfach nachfragen

Führungskräfte, die sich allein auf ihre menschlichen Fähigkeiten verlassen und technischen Fortschritt ablehnen, können ihre Mitarbeiter allerdings genauso emotional verlieren wie jene, die einzig auf die technischen Lösungen der Mitarbeiterführung setzen.

Bei meiner Arbeit habe ich einmal erlebt, wie ein Projektleiter die Einzelprojekte allein über ihre Performance im Auswertungstool bewertete. Dieses Tool war mächtig: Es konnte neben der Zeiterfassung sogar die Qualität der Arbeit messen und Fehlerquellen anzeigen. Trotzdem fehlte der Software die menschliche Komponente, die Problemen über den Zahlenrand hinaus auf den Grund geht. Die Möglichkeit, auch Fragen zu Emotionen zu stellen.

Denn einige Projekte performten nur deshalb nicht gut, weil es interne Probleme zwischen Mitarbeitern gab, die in der Auswertung natürlich nicht sichtbar waren. Der Druck, der durch eine schlechte Auswertung erzeugt wurde, verschärfte dieses Problem, da sich alle gegenseitig dafür verantwortlich machten. Wäre der Projektleiter nur einmal ins persönliche Gespräch gegangen, wären womöglich Gründe und Lösungen gefunden worden, die letztlich auch für eine bessere Performance gesorgt hätten.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Erfahrungen stehe ich einer vollständigen Automatisierung von Projektmanagement kritisch gegenüber. Ich mag es, wenn Prozesse automatisiert sind und wir trotzdem noch als Menschen agieren können. Anders als viele andere habe ich keine Angst davor, dass die Technik mich überflüssig machen könnte und ich dadurch quasi meine Daseinsberechtigung verliere. Denn eigentlich ist es ja erstrebenswert, sich als Projektmanager überflüssig zu machen. Wenn die Prozesse so flüssig laufen, dass keine Korrektur nötig ist, dann ist das Idealziel erreicht. Meinetwegen auch durch einen Automatisierungsprozess.

Individuelle Unterstützung zu Themen rund um Job & Karriere gibt Shifoo, der Service von Golem.de - in 1:1-Videosessions für IT-Profis von IT-erfahrenen Coaches und Beratern.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
 Keine Maschine kann bislang gutes Projektmanagement nachahmen
  1.  
  2. 1
  3. 2
  4. 3


Anzeige
Hardware-Angebote

tirili 29. Jun 2019

Projektmanager vs Scrum-Master ist doch ein bisschen so, wie Alexander der Große versus...

Kleba 16. Jun 2019

This. Ich bin zwar kein PM, sondern Software Entwickler/Architekt, aber ich habe schon...

gadthrawn 13. Jun 2019

Naja, sagen wir es so: den letzten Artikel des Autors den ich gelesen habe, habe ich...

MFGSparka 13. Jun 2019

Der Artikel hinkt vorne und hinten. Ich stimme zu, dass Kommunikation und...

Trollversteher 13. Jun 2019

Also ich habe danach gearbeitet, mit Grob- und Detailspezifikation sowohl fürs gesamte...


Folgen Sie uns
       


Zoom Escaper ausprobiert

Der Zoom Escaper ist eine Möglichkeit, sich aus Videokonferenzen zu schummeln. Wir haben ihn ausprobiert.

Zoom Escaper ausprobiert Video aufrufen
Programm für IT-Jobeinstieg: Hoffen auf den Klebeeffekt
Programm für IT-Jobeinstieg
Hoffen auf den Klebeeffekt

Aktuell ist der Jobeinstieg für junge Ingenieure und Informatiker schwer. Um ihnen zu helfen, hat das Land Baden-Württemberg eine interessante Idee: Es macht sich selbst zur Zeitarbeitsfirma.
Ein Bericht von Peter Ilg

  1. Arbeitszeit Das Sechs-Stunden-Experiment bei Sipgate
  2. Neuorientierung im IT-Job Endlich mal machen!
  3. IT-Unternehmen Die richtige Software für ein Projekt finden

Weclapp-CTO Ertan Özdil: Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!
Weclapp-CTO Ertan Özdil
"Wir dürfen nicht in Schönheit und Perfektion untergehen!"

Der CTO von Weclapp träumt von smarter Software, die menschliches Eingreifen in der nächsten ERP-Generation reduziert. Deutschen Perfektionismus hält Ertan Özdil aber für gefährlich.
Ein Interview von Maja Hoock


    Fiat 500 als E-Auto im Test: Kleinstwagen mit großem Potenzial
    Fiat 500 als E-Auto im Test
    Kleinstwagen mit großem Potenzial

    Fiat hat einen neuen 500er entwickelt. Der Kleine fährt elektrisch - und zwar richtig gut.
    Ein Test von Peter Ilg

    1. Vierradlenkung Elektrischer GMC Hummer SUV fährt im Krabbengang seitwärts
    2. MG Cyberster MG B Roadster mit Lasergürtel und Union Jack
    3. Elektroauto E-Auto-Prämie übersteigt in 2021 schon Vorjahressumme

      •  /