Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Projekthoster: Sourceforge bündelt Adware in Gimp-Downloads

Gimp-Entwickler berichten, dass Sourceforge einen ihrer Accounts übernommen habe und nun Werbung darüber verteile. Ein Einzelfall ist das nicht. Der Projekthoster sagt, er reaktiviere nur ein verwaistes Projekt.
/ Sebastian Grüner
73 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Auch Gimp sollte nur über dessen offizielle Server bezogen werden. (Bild: Gimp)
Auch Gimp sollte nur über dessen offizielle Server bezogen werden. Bild: Gimp

Der Zugang für die Windows-Builds von Gimp auf Sourceforge ist offenbar von dem Projekthoster selbst übernommen worden, um darüber Gimp-Installer mit Adware zu verteilen, wie die Entwickler(öffnet im neuen Fenster) der freien Software zur Bildmanipulation berichten. Der zuständige Jernej Simončič habe keine Kontrolle mehr über den Account bei dem vor einigen Jahren noch sehr beliebten Hoster.

Simončič vermutet(öffnet im neuen Fenster) , dass dies geschehen sei, weil das Projekt bei Sourceforge nicht mehr aktiv gepflegt worden ist. Das wird auch von dem Unternehmen in einem Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) bestätigt. Demnach sei die Seite seit mehr als 18 Monaten verwaist. Eine Übernahme habe es aber nicht gegeben, das Projekt werde lediglich aktuell gehalten.

Für nicht mehr aktiv gepflegte Projekte erstelle Sourceforge "in einigen Fällen" einen Spiegelserver für Downloads, die an anderer Stelle gehostet werden, nun also auch für die Windows-Versionen vom Gimp. Der angepasste Projektstatus zeige jedoch deutlich, dass die Kontrolle darüber nun bei dem Unternehmen liege.

Adware, ein altbekanntes Problem

Zu dem Vorwurf, dass das Unternehmen Werbung als Adware verteile und damit Geld an einer eigentlich frei verfügbaren Software verdiene, nimmt Sourceforge hingegen nur ausweichend Stellung. So gebe es ein Programm(öffnet im neuen Fenster) bei dem sich Entwickler über "fehlleitende oder verwirrende Werbung" beschweren könnten. Auf Werbung gänzlich zu verzichten, verspricht Sourceforge damit nicht.

Unter anderem wegen dieser Geschäftspraktiken verzichten viele Open-Source-Projekte auf die Verwendung des Dienstes und sind etwa zu Github gewechselt. Der Maintainer des Qt-Ports von LXDE, Jerome Leclanche, nimmt die Situation zudem als Anlass, erneut eine komplette Abkehr von dem Dienst(öffnet im neuen Fenster) für sein Projekt zu fordern.

Dass das Verhalten von Sourceforge bei Gimp kein Einzelfall ist, bestätigt etwa der führende VLC-Entwickler Jean-Baptist Kempf. Sein Team habe den Dienst vor mehr als zwei Jahren verlassen, dort werde das Projekt dennoch von dem Unternehmen aktualisiert. Über das dazugehörige Profil sf-editor1(öffnet im neuen Fenster) werden offenbar auch Downloads für Firefox, Thunderbird, den Apache-HTTP-Server, Openoffice, Wordpress und viele andere gepflegt. Ähnliche Diskussionen gibt es bereits seit fast zwei Jahren .

Insbesondere die VLC-Entwickler beschwerten sich in der Vergangenheit lautstark über derartige Geschäfte, die auch andere Unternehmen als Sourceforge verfolgen. Nutzern wird von den Entwicklern empfohlen, die Software ausschließlich über die offizielle Infrastruktur der jeweiligen Projekte zu beziehen. Das gilt seit einiger Zeit auch für Gimp.


Relevante Themen