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Projekt Nightingale: Google wertet Daten von Millionen US-Patienten aus

Von der Auswertung von Gesundheitsdaten versprechen sich viele Cloudanbieter ein gutes Geschäft. Google hat dazu einen Deal mit dem weltgrößten katholischen Gesundheitsdienst abgeschlossen.

Artikel veröffentlicht am ,
Patientendaten landen in den USA schon häufig bei Google (Symbolbild).
Patientendaten landen in den USA schon häufig bei Google (Symbolbild). (Bild: Tim Reckmann/CC-BY-SA 2.0)

Der Suchmaschinenkonzern Google sammelt die Gesundheitsdaten von Millionen US-Patienten ohne deren Zustimmung. Das berichtet das Wall Street Journal (Paywall) nach der Auswertung interner Dokumente. Demnach hat die Cloud-Sparte von Google einen Vertrag mit dem katholischen Anbieter Ascension abgeschlossen, der in 21 US-Bundesstaaten rund 2.600 Krankenhäuser, Arztpraxen und andere Gesundheitseinrichtungen betreibt. Das Projekt "Nightingale" sei heimlich im vergangenen Jahr gestartet worden, der Datenaustausch habe sich seit dem Sommer 2019 beschleunigt.

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Die ausgetauschten Daten enthielten unter anderem Laborergebnisse, Arztdiagnosen, Krankenhausberichte und eine vollständige Krankheitsgeschichte, einschließlich Patientennamen und Geburtsdaten. Weder Patienten noch Ärzte seien über das Projekt informiert worden. Mindestens 150 Google-Mitarbeiter hätten bereits Zugang zu zahlreichen Daten von zig Millionen Patienten, berichtet die Zeitung unter Berufung auf eine Person, die mit der Thema und den Dokumenten vertraut sei.

In einer gemeinsamen Stellungnahme nach Veröffentlichung des Artikels bestätigten Google und Ascension die Zusammenarbeit. Das Projekt entspreche den Vorgaben des sogenannten Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA) von 1996, der unter anderem den Schutz personenbezogener Gesundheitsdaten sicherstellen soll. Dieses Gesetz erlaubt die Weitergabe von Patientendaten an Geschäftspartner, solange die Daten nur dazu verwendet werden, um die Einrichtung bei ihren Behandlungsfunktionen zu unterstützen. Einigen Mitarbeitern von Ascension sei die Sammlung und Weitergabe der Daten jedoch fragwürdig erschienen sowohl in technischer als auch in ethischer Perspektive, berichtet die Zeitung.

Laut Ascension dient die Zusammenarbeit mit Google drei wesentlichen Zielen. Zum einen soll die Infrastruktur durch den Umstieg auf Google Cloud modernisiert werden. Schwerpunkte seien dabei unter anderem Netzwerk- und Systemkonnektivität, Datenintegration und Datenschutz. Darüber hinaus sollen die Mitarbeiter künftig die Werkzeuge von G Suite nutzen.

Maschinelles Lernen zur Datenanalyse

Google dürfte vor allem am dritten Punkt interessiert sein, der die Erforschung von Verfahren der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens auf Basis der Patientendaten vorsieht. Diese Anwendungen sollen das Potenzial haben, Verbesserungen der klinischen Qualität und Effizienz, Patientensicherheit und der Interessen schutzbedürftiger Bevölkerungsgruppen zu unterstützen. Zudem sollen sie die Zufriedenheit von Verbrauchern und Anbietern stärken.

Nach Angaben des Wall Street Journal haben nicht nur Mitarbeiter von Googles Mutterkonzern Alphabet Zugriff auf die Daten, sondern auch Mitarbeiter von Google Brain, der Forschungsabteilung des Konzerns. Der Chef der Cloud-Sparte, Tariq Shaukat, sagte in dem Statement: " Wir hoffen, die Leistungen im Gesundheitswesens mit Hilfe der Cloud, der Datenanalyse, des maschinellen Lernens und moderner Produktivitätstools zu transformieren und damit die Resultate zu verbessern, die Kosten zu senken und Leben zu retten."

Spahn warnt vor Überwachungskapitalismus

In Deutschland hatte der Bundestag in der vergangenen Woche beschlossen, die Daten von Kassenpatienten in pseudonymisierter Form zentral bei den Krankenkassen zu sammeln und für Forschungszwecke nutzbar zu machen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte die Reform mit den Worten begründet (PDF): "Wir haben das US-amerikanische Modell eines Überwachungskapitalismus, in dem Großkonzerne die Daten sammeln und Profit machen. Jetzt geht es um die Frage, ob wir in der Lage sind und sein wollen, hier in Deutschland, in Europa, mit unserer Vorstellung von Patientensouveränität, mit unserer Vorstellung von Datenschutz und Datensicherheit tatsächlich unser Modell zu entwickeln, um selbst die Dinge zu gestalten." Kritiker sehen in dem beschlossenen Konzept jedoch die Gefahr, dass die Daten nicht ausreichend geschützt werden können.

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Fuchur 13. Nov 2019

... das muss ja ein ganz wichtiges Thema sein. Datenschutz interessiert eben keine Sau...

Micha_T 12. Nov 2019

.....Wenn doch tausende Lobbyisten welt weit dafür arbeiten das Politiker dem zustimmen.

Robert.Mas 12. Nov 2019

Habe ich bereits kluggeschissen ;)

Keridalspidialose 12. Nov 2019

Die deutsche Pharmalobby will natürlich Zugriff auf Deutsche/Europäische Patientendaten...


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