Projekt Baseline: Google misst den menschlichen Körper aus
Google hat mit Baseline eines der anspruchsvollsten Projekte seiner Forschungsgeschichte gestartet: Die interne Forschungsabteilung Google X soll eine detaillierte Sammlung medizinischer Daten erstellen, mit deren Hilfe die Krankheitsprävention erleichtert werden soll, wie das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) (WSJ) berichtet.
Aktuelle Testgruppe mit 175 Teilnehmern
Unter der Leitung des Mediziners Dr. Andrew Conrad wird zunächst eine kleinere Gruppe von 175 Teilnehmern vermessen. Dazu werden unter anderem Körperflüssigkeiten wie Urin, Blut und Tränenflüssigkeit untersucht. Dabei werden auch aktuelle Entwicklungen des Google-X-Teams verwendet, wie beispielsweise die den Blutzucker messende Kontaktlinse .
Auch Werte zur Herzfrequenz sollen dauerhaft aufgezeichnet und ausgewertet werden. Die Daten werden nicht von Google direkt gesammelt, sondern von einer beauftragten Klinik. Bevor Google sie erhält, sollen sie komplett anonymisiert werden, wie Conrad betont.
Komplettes Genom soll analysiert werden
Die Datensätze enthalten Aufzeichnungen über das komplette Genom der Testperson, den genetischen Hintergrund der Eltern und Informationen zum Metabolismus – beispielsweise, wie schnell die Testperson Nahrung verdaut, oder wie chemische Reaktionen das genetische Material beeinflussen.
Die anfängliche Testgruppe von 175 Personen soll im Laufe der Zeit stark vergrößert werden. Google will die gewonnenen Daten mit Hilfe seiner Rechenleistung auswerten und Marker finden, die im Idealfall Medizinern helfen, bestimmte Krankheiten oder Risiken deutlich früher als bisher identifizieren zu können.
Als langfristiges Projekt angelegt
Dabei soll Baseline als langfristiges Projekt ohne eine konkrete finale Produktvorstellung angelegt sein. Conrad selbst rechnet damit, dass die Ergebnisse eher langsam erzielt werden. "Wir haben früher immer über Krebs gesprochen, und dass wir ihn in den nächsten paar Jahren heilen werden. Wir haben gelernt, so etwas nicht mehr zu sagen", erklärte ein Kollege Conrads, Dr. Sam Gambhir.
Laut dem WSJ betont Google, die Daten aus den Untersuchungen nicht mit Versicherungen zu teilen. Diese dürften an den Ergebnissen des Projektes starkes Interesse haben, da mit ihnen Risiken deutlich genauer errechnet und Versicherungsnehmer restriktiver beurteilt werden könnten.



