Projekt Antarktis-Kabel: Erstes Unterseekabel nach Antarktika wird geprüft
Ein Seekabel soll vom Süden Chiles in Punta Arenas/Puerto Williams über etwa 1.600 Kilometer durch die extrem stürmische Drake-Passage zu den Forschungsstationen auf King George Island und der Antarktischen Halbinsel führen. Eine Machbarkeitsstudie(öffnet im neuen Fenster) dazu wurde von den beiden Consultingfirmen Salience und Pioneer für die chilenische Regulierungs- und Aufsichtsbehörde für den Telekommunikationssektor Subtel erstellt.
Das größte Problem an den Anlandungspunkten ist das sogenannte Ice Scour, bei dem Eisberge und Packeis den Meeresboden aufschürfen. Das Kabel soll daher per Horizontalbohrung (Horizontal Directional Drilling) bis in 340 Meter Tiefe geschützt verlegt und doppelt gepanzert werden.
Die Verlegung kann wegen des antarktischen Wetters nur in kurzen Fenstern während des Südsommers im Dezember und Januar, gestaffelt über drei Jahre, erfolgen.
Das Kabel soll integrierte Sensoren für Wassertemperatur, Druck und seismische Beschleunigung erhalten, um direkt als Datennetzwerk für die Tsunami-Frühwarnung und Klimaforschung zu dienen.
Daten im "Koffer voller Festplatten"
Bislang sind die Forschungsstationen in der Antarktis komplett auf teure und bandbreitenarme Satellitenverbindungen angewiesen. Große Datenmengen aus der Klima-, Weltraum- und Meeresforschung müssen oft in einem "Koffer voller Festplatten" per Schiff oder Flugzeug ausgeflogen werden, wie Juan Pablo, einer der Studienleiter erklärte.
Antarktische Forschungseinrichtungen wie Eiskernbohrungen, Klimamodelle, Astronomie, hochauflösende 3D-Scans von Gletschern erzeugen kontinuierlich Terabytes bis Petabytes an Rohdaten. Auch mit Starlink reichen die Funkkapazitäten nicht aus, um dies in Echtzeit an Supercomputer in Europa oder Amerika zu schicken. Ein Glasfaserkabel liefert die tausendfache Kapazität bei fast keinem Ausfallrisiko durch Stürme.
Die Minimalvariante für rund 370 Millionen US-Dollar bindet 3 Stationsgruppen an, die Optimalvariante kostet rund 620 Millionen US-Dollar und würde 9 Landepunkte mit Stationen von Chile, Argentinien, Brasilien, den USA und Großbritannien anbinden. Jede Landestation soll ein eigenes Glasfaserpaar mit einer Kapazität von 15 bis 30 TBit/s erhalten.
Chinesische Firmen sind Teil der Studie
Die Machbarkeitsstudie wurde auch mit Mitteln der von China initiierten MCDF Finance Facility unterstützt. Unter den angefragten Herstellern sind neben westlichen Firmen wie Alcatel Submarine Networks, NEC und Subcom auch die chinesischen Anbieter HMN Technologies (ehemals Huawei Marine Networks) und Fiberhome Telecommunication Technologies. Beide stehen auf der US-Sanktionsliste.
Es ist jedoch nachweislich der US-amerikanische Geheimdienst NSA, der Seekabel abhört, was durch eine Präsentationsfolie aus dem Prism-Programm öffentlich bestätigt wurde, in der es heißt: "Erfassung der Kommunikation auf Glasfaserkabeln und Infrastruktur, wenn Daten vorbeifließen (Fairview, Stormbrew, Blarney, Oakstar)". China dürfte über ähnliche Ausrüstung verfügen.
Um dennoch den Bedenken der USA zu begegnen, empfiehlt die Studie eine strikte Trennung bei dem Seekabel, so dass jede Nation ihre eigene Hardware stellt und ihre Daten selbst verschlüsselt.
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