Project Telepathy: Ultraschall-Lautsprecher überträgt Flüstern

Flüstern über 30 Meter: Britische Wissenschaftler haben ein System entwickelt, um Schall gerichtet an einen Empfänger zu übertragen, ohne dass andere die Worte hören. Weiterer Vorteil des Project Telepathy: Das System funktioniert nicht nur in der Luft.
Das System, das Wissenschaftler von der Universität in Bristol in Südwestgenland entwickelt haben, nutzt Ultraschall, um Worte direkt ins Ohr einer bestimmten Person zu übertragen. Der Sprecher benötigt dafür vier Elektroden im Gesicht sowie einen Lautsprecher, der auf dem Kopf oder vor der Brust getragen wird.
Elektroden erfassen Muskelbewegungen
Um die Worte zu codieren, nutzt das System Elektromyografie(öffnet im neuen Fenster) (EMG), also die elektrischen Signale der Muskeln. Die Elektroden, die an den Lippen und am Kiefer angebracht sind, erfassen die Signale der Gesichtsmuskeln, wenn der Sprecher spricht.
Ein Algorithmus analysiert die Muskelbewegungen und erkennt die Worte. Dabei ist es egal, ob sie tatsächlich gesprochen oder nur lautlos mit den Lippen geformt wurden. Die Wissenschaftler um Projektleiter Asier Marzo haben den lernfähigen Algorithmus bisher darauf trainiert, zehn verschiedene Wörter zu erkennen, darunter Ja, Nein, Stopp und Zurück. Die Erkennungsrate liege bei über 80 Prozent, schreiben die Forscher in einem Aufsatz(öffnet im neuen Fenster) .
Nur der Angesprochene hört die Worte
Die Daten werden dann an den Ultraschall-Lautsprecher weitergeleitet, der sie ausstrahlt. Der Schall wird dabei in einem schmalen, gerichteten Strahl ausgesandt – der Winkel beträgt etwa sechs Grad. Das bedeutet, nur die angesprochene Person und niemand anders hört die Worte.
Für den Angesprochenen ist das ein eher merkwürdiges Erlebnis: "Es ist ein sehr leises Geräusch, und man weiß nicht, woher es kommt. Es ist, als ob jemand einem ins Ohr flüstert, aber da ist niemand" , sagt Marzo im Gespräch mit dem britischen Wissenschaftsmagazin New Scientist(öffnet im neuen Fenster) .
Ultraschall breitet sich im Wasser aus
Anwendungsmöglichkeiten sieht Marzo beispielsweise beim Militär: Soldaten könnten mit dem System kommunizieren, ohne dass Gegner sie hören können. Eine andere Möglichkeit wäre ein Kommunikationssystem für Taucher: Ultraschall breitet sich im Wasser gut aus und würde sogar eine Kommunikation über größere Distanzen ermöglichen.
Für praktische Anwendungen muss das System noch weiter entwickelt werden: Zum einen muss der Lautsprecher kleiner und handlicher werden. Zum anderen muss der Algorithmus mehr als nur zehn Wörter erkennen.