Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Project Sunrise mit 51.600 Satelliten: Auch Blue Origin will ein Weltraumrechenzentrum bauen

Der Segen der KI soll auch nach Vorstellung von Amazon-Gründer Jeff Bezos bald vom Himmel kommen. Dafür braucht er aber mindestens ein Wunder.
/ Johannes Hiltscher
2 Kommentare undefined News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Jede Menge Satelliten mit optischer Verbindung: Wie Starclouds Konzept soll wohl auch Project Sunrise aussehen. (Bild: Starcloud)
Jede Menge Satelliten mit optischer Verbindung: Wie Starclouds Konzept soll wohl auch Project Sunrise aussehen. Bild: Starcloud

Nach SpaceX und Starcloud hat auch Jeff Bezos' Raumfahrtunternehmen Blue Origin bei der Federal Communications Commission (FCC) unter dem Namen Project Sunrise den Aufbau eines Weltraumrechenzentrums beantragt ( Antragstext, PDF , via The Register(öffnet im neuen Fenster) ). Mit 51.600 Satelliten ist Blue Origin regelrecht zurückhaltend – der SpaceX-Antrag umfasst eine Million Satelliten. Gemein ist allen Plänen, dass sie vollkommen abstrakt sind, belastbare Konzepte der Satelliten existieren bislang nicht.

Blue Origin will zudem Terawave zur Vernetzung nutzen, dessen Realisierbarkeit Experten bezweifeln . Die Satelliten sollen ein Mesh-Netzwerk bilden, die Übertragung von Nutzdaten soll optisch erfolgen. Lediglich für die Steuerung beantragt Blue Origin die Nutzung von Frequenzen im K- und Ka-Band(öffnet im neuen Fenster) (18,8 – 19,3 und 28,6 – 29,1 GHz für Down- und Uplink). Der Antrag liest sich, als könnten nur Weltraumrechenzentren die Menschheit ins KI-Zeitalter führen.

Auf der Erde, so die Argumentation, ließen sich Rechenzentren nicht entsprechend der "beispiellosen Kapazitätsnachfrage" ausbauen. Weltraumrechenzentren sollen dem Antrag zufolge die irdischen ergänzen und "Leistung, Resilienz und Zugänglichkeit von KI und Clouddiensten" erhöhen. Der Mangel an irdischer Rechenzentrumskapazität sowie deren hohe Kosten, so ist zu lesen, "beschränkt die gesellschaftlichen Vorteile von KI fundamental" .

Permanent Solarstrom, aber ...

Kernargument für Weltraumrechenzentren ist, dass diese in sonnensynchronen Orbits permanent mit Solarenergie betrieben werden können .

Die Solarzellen würden zudem durch das Vermeiden atmosphärischer Verluste eine höhere Effizienz erreichen. Aus Sicht der Betreiber ist zudem attraktiv, dass weder Land gekauft noch Baugenehmigungen eingeholt werden müssen. Auch Beschwerden von Anwohnern sind nicht zu erwarten, wenngleich Astronomen möglicherweise Einwände haben könnten. Aus Sicht der Raumfahrtunternehmen sind Weltraumrechenzentren erstrebenswert, da sie viele Starts mit Schwerlastraketen erfordern. Blue Origin will dafür die New Glenn nutzen.

... unklare Kosten und ignorierte Herausforderungen

Dass Weltraumrechenzentren tatsächlich günstiger sind als irdische, ist allerdings vollkommen unbewiesen. Beispielrechnungen des Start-ups Starcloud legen extrem niedrige Kosten für Satelliten sowie deren Start zugrunde.

Allerdings erreichen mit nennenswerten Mengen leistungsfähiger Hardware bestückte Satelliten schnell unpraktische Ausmaße . Und während die Energieversorgung einfacher wird, wird die Kühlung zu einer großen Herausforderung, die auf der Erde dank Konvektion relativ einfach ist. Im All fehlt dafür die Atmosphäre.

Da Wartung und die Rückführung ausgedienter Hardware extrem aufwendig sind, ist zudem zu erwarten, dass defekte oder ausgediente Satelliten einfach zum Absturz gebracht werden. Genau das hatte das von Bezos gegründete Amazon als einen Einwand gegen SpaceX' Pläne für ein Weltraumrechenzentrum vorgebracht(öffnet im neuen Fenster) .

Anträge bei der FCC haben zudem praktisch keine Aussagekraft – hier geht es rein um die Nutzung von Kommunikationsfrequenzen. Wie unfertig Project Sunrise ist, zeigt auch, dass Blue Origin laut FCC-Antrag bisher keinen Antrag bei der International Telecommunication Union (ITU) gestellt hat. Die ITU entscheidet ebenfalls über die Frequenznutzung mit.


Relevante Themen