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Project Meridian: Science-Fiction oder Wunschzettel von Trump-Freunden?

Unternehmen dürfen dem Pentagon die Zukunft des Krieges erklären. Bauen die USA bald Protonentorpedos? Oder bereichern sich doch nur Trump-Freunde?
/ Johannes Hiltscher
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Unter Leitung unter anderem von Elon Musk soll über die Zukunft des Krieges gebrainstormt werden. (Bild: Finn Gomez / Getty Images)
Unter Leitung unter anderem von Elon Musk soll über die Zukunft des Krieges gebrainstormt werden. Bild: Finn Gomez / Getty Images

Eines vorweg: Der militärisch-industrielle Komplex in den USA wird seit Langem kritisiert. Zu eng sei die Partnerschaft zwischen Militär und Rüstungsunternehmen. Personalverflechtungen, Lobbyismus, Kostenineffizienz – die Liste der Kritikpunkte ist lang.

Mit Project Meridian hebt Verteidigungsminister Pete Hegseth die Kungelei jedoch auf ein neues Level. Unternehmen aus der Privatwirtschaft dürfen für das Pentagon brainstormen, wie die Zukunft des Krieges aussieht.

Das Ergebnis wird wohl entweder ein Remix der besten Science-Fiction-Ideen zur Kriegsführung oder ein Wunschzettel, wofür Elon Musk, Palmer Luckey und die noch unbenannten Mitglieder Geld haben möchten. Dass Raketen Teil der Ergebnisse sein werden, deutete Hegseth bei seiner Rede zur Lage der Streitkräfte(öffnet im neuen Fenster) bereits an.

Entwickelt werden sollen Konzepte für Kriegsschauplätze von "unter der Erde bis hinter dem Mond". Laser sind bestimmt auch dabei, für Roboter und Trumps neue Superintelligenz ist bereits das neue Kommando für autonomen Krieg zuständig. Wettet jemand auf Antimateriebomben oder Protonentorpedos?

Die Leitung übernehmen laut Hegseth die "klügsten Köpfe" des Landes – treue Trump-Unterstützer wäre meiner Meinung nach die passendere Beschreibung. Projektleiter ist Emil Michael(öffnet im neuen Fenster), der ehemalige Senior Vice President von Uber ist mittlerweile CTO des Verteidigungsministeriums. Ihm zur Seite steht neben Musk und Luckey noch der republikanische Parteisoldat Newt Gingrich.

Das Projekt ist auf Science-Fiction ausgelegt

Luckey ist dabei der Einzige, der im Kontext der Kriegsführung über sein Start-up Anduril zumindest ein wenig Erfahrung hat. Musk hingegen überzeugt als bestbezahlter Science-Fiction-Autor der Welt immer wieder mit großen Geschichten. Und genau die scheint Hegseth zu wollen: Project Meridian soll "ohne kreative Beschränkungen" die Zukunft des Krieges erkunden.

Tiefgreifende Analysen sind schon allein deshalb nicht zu erwarten, weil für das Projekt nur 120 Tage vorgesehen sind. Zumindest kann Musk hier aber weniger Schaden anrichten als seinerzeit bei Doge. Teuer könnte es für die US-Amerikaner wohl trotzdem werden. Dass die Mitglieder Project Meridian nutzen, um ihren Unternehmen neue Aufträge zu sichern, halte ich für ziemlich wahrscheinlich.

Die US-Amerikaner können froh sein, wenn die Ergebnisse von Project Meridian nicht mit der Physik in Konflikt stehen. Dass im Anschluss Gelder für die Suche nach Einhörnern abgestellt werden, ist nicht auszuschließen. Und dabei wetterte Hegseth in der gleichen Rede gegen überteuerte Rüstungsprojekte. Zumindest wären die aber als Ergebnis von Project Meridian von den klügsten Köpfen der USA ersonnen. Was kann da schiefgehen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Nichts ist falsch daran, sich kreative Gedanken über die Zukunft zu machen. Im Gegenteil. Im Kontext der Trump-Regierung und angesichts der Leitung verströmt Project Meridian aber einmal mehr den üblen Geruch des Nepotismus. Zumindest will Hegseth die Ergebnisse teilweise veröffentlichen – wir dürfen also gespannt sein, ob Musk & Co. einen Wunschzettel oder Science-Fiction schreiben.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)


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