Project Darwin: Dröge Dystopie
Mit seinen beiden Iron-Sky(öffnet im neuen Fenster) -Filmen hat Autor und Regisseur Timo Vuorensola gezeigt, dass er ein Gespür für Geschichten hat, die aus den üblichen Konventionen ausbrechen. Der eine zeigte Nazis auf dem Mond, der andere Hitler auf einem Dinosaurier. Und Project Darwin? Hat einen Harry-Potter-Schurken als Helden, der zu einer Art Iron Man wird. Man kann nicht sagen, dass Vuorensola mit dem Film, der am 28. November auf DVD und Blu-ray erscheint, Neuland betreten würde.
Der Film beginnt damit, dass Bomben fliegen. Keiner weiß, wer damit begonnen hat oder wieso, aber es ist nun mal, wie es ist – und das gar nicht so schlecht, wie der Sprecher aus dem Off erklärt. Zumindest für all jene, die in den großen Städten nicht gestorben sind.
Die anderen haben nach diesem Krieg die Welt neu aufgebaut und nach der Verstrahlung pränatale Veränderungen durchgeführt. Der Großteil der Bevölkerung besteht darum aus den Genetics, die besser hören, sehen oder laufen können oder anderweitig privilegiert sind.
Der kleinere Teil der Bevölkerung lässt sich nicht genetisch verbessern. Sie werden zynisch die Specials genannt. Oder auch: Freaks.
Einer davon ist Leon, der im Rollstuhl sitzt und sich mit dem Teenagermädchen Mira, für das er nach dem Tod seiner Eltern sorgt, durchschlägt. Die Geschichte nimmt eine Wendung, als sie herausfinden, dass eine Killerbande namens Anti-Genetics eigentlich aus Genetics besteht, die ihre Morde offenkundig den Specials in die Schuhe schieben wollen. Dagegen wollen sie vorgehen, ein selbst gebauter Kampfanzug kommt da gerade recht.
Schwaches Worldbuilding
Die Zukunft von Project Darwin mutet an wie aus dem Baukasten größerer und besserer Filme. Vuorensola lässt Esprit vermissen, er wiederholt nur, was er andernorts gesehen hat.
Ein bisschen Gattaca hier, ein bisschen Endzeit dort, eine Prise Iron Man und fertig ist das Sci-Fi-Gebräu, das nicht so recht schmecken will.
Das kleine Budget ist nicht das Problem
Man sieht dem Film nicht unbedingt an, dass das Budget weniger als fünf Millionen US-Dollar betrug. Vuorensola ist firm darin, aus wenig viel herauszuholen.
Für das Skript gilt das aber nicht. Die Geschichte ist nicht nur vorhersehbar und völlig lahm, auch Dialoge sind unglaublich holprig und erreichen fast Fremdschämniveau. Kudos an Hauptdarsteller Tom Felton, dass er das alles so ernsthaft herüberbringen konnte.
Der ehemalige Harry-Potter-Darsteller, der damals den bösen Draco Malfoy spielte, ist hier einer der Guten, in seiner Rolle wirkt er aber etwas verloren. Als ob er sich wünschte, wie sein Kollege Daniel Radcliffe in besseren Filmen mitzuwirken, aber zu dieser Art B-Produktionen verdammt sei.
Eine Schurkenbesetzung
Wer der Drahtzieher hinter allem und damit der Antagonist ist, wird von Anfang an signalisiert. Wie? Indem die Figur mit einem Schauspieler besetzt wird, der in seinen mehr als 100 Film- und Fernsehproduktionen so gut wie nie eine positive Figur gespielt hat.
Es gibt eben Schauspieler, die auf Schurkenrollen festgelegt sind. Besetzt man sie, nimmt man sich das Überraschungsmoment in diesem an Überraschungen ohnehin armen Film. Eine neutrale oder gegen die Erwartungen gehende Besetzung hätte helfen können.
Ein dilettantischer Film
Aber das natürlich auch nur bedingt, denn dem Film fehlt es an vielem. Neben der lahmen Geschichte und den schmerzhaften Dialogen sind es die hektischen Schnitte. Sie sollen wohl die Defizite bei der Inszenierung überdecken, Project Darwin mutet insgesamt dilettantisch an.
Das überrascht einerseits, denn Vuorensolas Iron-Sky-Filme sind zwar im Kern Trash, aber auch sehr unterhaltsam. Andererseits war es auch schon bei dem Horrorfilm Jeepers Creepers: Reborn so, dass alles, was Vuorensola zuvor an Potenzial gezeigt hatte, hier schon nicht mehr vorhanden war.
Bei Project Darwin ist das nicht anders, zumal die Superheldengeschichte auch in Sachen Action nicht überzeugen kann. Schlimmer noch: Project Darwin wirkt wie ein Superheldenfilm der 90er, als das Genre in erster Linie für filmischen Schrott stand.
- Anzeige Hier geht es zu Hogwarts Legacy bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



