Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Project Carol im Hands-on: Razers Brummkissen mit Surround-Sound

CES 2023
Razer zeigt mit Project Carol ein ungewöhnliches Konzept für mehr Immersion bei Filmen und Spielen: Das Kissen hat eingebaute Lautsprecher und vibriert im Takt der Explosionen – manchmal.
/ Tobias Költzsch
Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Razers Nackenkissen mit Lautsprechern und Vibrationen (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Razers Nackenkissen mit Lautsprechern und Vibrationen Bild: Martin Wolf/Golem.de

Razer ist bekannt dafür, auf der CES ungewöhnliche neue Projekte vorzustellen, die noch keine Marktreife erreicht haben. 2022 war es mit Project Sophia das Konzept eines modularen Schreibtisches mit eingebautem PC, 2021 mit Project Brooklyn ein Gaming-Stuhl mit ausfahrbarem OLED-Display.

Zur CES 2023 hat Razer Project Carol präsentiert: ein Nackenkissen, das dank eingebauter Lautsprecher und Vibrationsmotoren eine bessere Immersion bei Computerspielen und Filmen schaffen soll. Golem.de hat das Gerät ausprobiert.

Project Carol dürfte das am einfachsten zu verwendende Projekt Razers in den vergangenen Jahren sein: Das Kissen kann mit Hilfe zweier Gurte einfach an der Kopfstütze eines Schreibtischstuhls montiert werden. Dieser muss nicht von Razer sein, sondern lediglich ein passendes Kopfteil haben. Project Carol benötigt keine speziellen Kabel, die Verbindung zum PC erfolgt drahtlos.

Drahtlose Übertragung mit geringer Latenz

Um eine ausreichend geringe Latenz zu erreichen, verwendet Razer eine 2,4-GHz-WLAN-Verbindung, wie beispielsweise auch bei Zubehör wie Gamepads oder Tastaturen. Dafür wird an den PC ein Dongle angeschlossen. In unserem Test haben wir keine Latenzprobleme bemerken können, die Soundeffekte kamen stets zum richtigen Zeitpunkt.

Für den Klang sind zwei Lautsprecher zuständig, die in den Flügeln des Nackenkissens eingebaut sind. Diese Flügel lassen sich wie die Seitenteile eines Kopfteils im Flugzeug anwinkeln und direkt auf die Ohren des Nutzers ausrichten. Project Carol soll statt einfachem Stereosound jedoch einen virtuellen 7.1-Klang bieten.

Ob es sich wirklich um 7.1-Sound handelt, können wir nach unserem Test nicht wirklich sagen – in jedem Fall handelt es sich um einen simulierten Surround-Sound und nicht nur reinen Stereoklang. Wir haben eine Szene aus einem Fast-and-Furious-Film gesehen, in dem die Autos klanglich hinter unseren Ohren entlanggeflitzt sind. Was Razer in diesem Nahfeldbereich an virtuellem Raumklang erzeugt, ist ziemlich beeindruckend.

Allerdings ist uns aufgefallen, dass der Klang nicht sonderlich basslastig ist. So wie wir Project Carol verstehen, soll das Kissen auch nur eine zusätzliche Immersion bringen und nicht normale Lautsprecher ersetzen. Wir haben den Filmausschnitt gleichzeitig über eine recht gute Anlage mit Subwoofern geschaut – ohne sie wäre der Sound zu dünn gewesen.

Vibrationsmotoren sollen für haptische Effekte sorgen

Zusätzlich zu Lautsprechern hat das Nackenkissen Vibrationsmotoren eingebaut. Sie sollen die Immersion zusätzlich zum Klang verstärken, was in unserem Test aber nur stellenweise gelang. Das Problem, das eigentlich auch ein Vorteil ist, ist Folgendes: Project Carol benötigt keine speziell bearbeiteten Inhalte, die Informationen enthalten, wann Vibrationen erzeugt werden sollen. Stattdessen analysiert das Kissen schlichtweg den Sound und verstärkt laute Geräusche mit Vibrationen.

Das macht das Kissen wesentlich universeller nutzbar, schmälert aber auch die Genauigkeit des Effektes. So hatten wir oft nur ein leichtes Vibrieren bei Motorengeräuschen, während Autounfälle haptisch nicht wiedergegeben wurden. In einer Szene wurden Vibrationen durch die Bässe der Musik erzeugt, nicht aber durch die parallel stattfindenden Explosionen.

Bei Project Carol handelt es sich aber auch noch nicht um ein fertiges Produkt, weswegen Razer die Vibrationen möglicherweise noch präzisieren kann. Wir könnten uns aber vorstellen, dass die Herangehensweise über die Analyse bestimmter tiefer und lauter Frequenzen schlicht ihre Grenzen hat.

Fazit

Mit Project Carol zeigt Razer, dass es – zusammen mit Lenovo – zu den experimentierfreudigen großen Herstellern gehört. Das Nackenkissen kann mit nur wenigen Lautsprechern einen eindrucksvollen Raumklang erzeugen – ein Feld, das Razer auch mit der neuen Soundbar Leviathan V2 Pro erfolgreich erkundet.

Etwas enttäuschend fanden wir die Vibrationen, die meist nicht zum rechten Zeitpunkt kamen. Das hat allerdings nichts mit der Latenz zu tun, sondern mit der Analyse des Audiomaterials. Womöglich ist Razer auch deshalb sparsam mit den Vibrationen, weil sie die Audiosignale beeinträchtigen könnten, sollten sie zu laut sein.

In der jetzigen Form würden wir aber eher auf die Motoren verzichten und stattdessen etwas größere oder vielleicht sogar mehr Lautsprecher einbauen. Zum aktuellen Zeitpunkt ist der Sound von Project Carol der Haptik deutlich überlegen.

Wann und in welcher Form Project Carol als Produkt erscheinen wird, ist unklar. Denkbar ist, dass Razer die Technik irgendwann einmal in seinen eigenen Gaming-Stühlen verbauen wird. Wir können uns aber auch gut ein separat erhältliches Kissen vorstellen, mit dem normale Schreibtischstühle mit Kopfteil nachgerüstet werden können.


Relevante Themen