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Project Ara: Google will nicht nur das Smartphone neu erfinden

Google will Project Ara langfristig nicht auf Smartphones beschränken. Das modulare System soll es auch für Autos, Fernseher und andere Geräte geben, erklärt der Project-Ara-Chef und nennt weitere neue Details zu dem modularen Smartphone.
/ Ingo Pakalski
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Das modulare Smartphone Project Ara (Bild: Google)
Das modulare Smartphone Project Ara Bild: Google

Mit Project Ara hat Google deutlich mehr vor, als bisher bekannt gewesen ist. Zurzeit laufen die Arbeiten, ein modulares Smartphone auf den Markt zu bringen, bei dem die einzelnen Module frei gewählt und je nach Anwendungssituation ausgetauscht werden können. Es ist auch möglich, das Smartphone aufzurüsten, also etwa eine bessere Kamera einzubauen, wenn die ursprüngliche nicht mehr gut genug erscheint.

Projekt Ara – Entwicklung des ersten Prototyps
Projekt Ara – Entwicklung des ersten Prototyps (03:23)

Google will erreichen, dass die einzelnen Module in der Zukunft nicht nur in Smartphones, sondern auch in Autos oder Fernseher gesteckt werden können, erklärte Project-Ara-Chef Paul Eremenko auf einer Frage-und-Antwort-Session(öffnet im neuen Fenster) an der Purdue-Universität im US-Bundesstaat Indiana.

Ein solcher Einsatz mag zunächst verwundern, aber den Modulmachern sind im Grunde kaum Grenzen dabei gesetzt, was sie umsetzen können. Nach Eremenkos Idee soll es ein spezielles Identitätsmodul geben, das alle personenrelevanten Daten des Nutzers enthält. Wenn der Anwender das Modul aus einem Smartphone entfernt, soll dieses ein komplett anonymes Gerät werden.

Identitätsmodul als Idee

Das anonymisierte Smartphone kann dann an einen anderen Nutzer weitergegeben werden, und sobald dieser sein eigenes Identitätsmodul einsteckt, kann er es mit seinen personenbezogenen Daten verwenden. In einem nächsten Schritt könnte dieses Identitätsmodul zur individuellen Nutzung in einen entsprechenden Fernseher gesteckt werden. Bis dahin wird es aber wohl noch lange dauern, denn bisher gibt es nicht einmal einen groben Plan für die Markteinführung der Projekt-Ara-Smartphones.

Eigentlich sollten erste Ara-Smartphones Anfang 2015 zu kaufen sein. Aber nun sei für das nächste Jahr lediglich ein Pilotversuch anvisiert, bei dem Google testweise in einem Land das Ara-Smartphone auf den Markt bringt.

Welches Land das sein wird, ist nicht bekannt. Da Google das größte Potenzial für die Ara-Smartphones in Entwicklungs- und Schwellenländern sieht, könnte es dort geschehen. Abhängig von den Erfahrungen in diesem Testland will Google dann entscheiden, ob es auch in anderen Regionen vermarktet werde, erklärte Eremenko.

Endoskeletts nur direkt von Google

Wenn ein erstes Projekt-Ara-Smartphone verfügbar wird, wird es die entsprechenden Endoskelette zunächst nur von Google geben. Google will damit eine Fragmentierung verhindern und erst einmal erkunden, ob überhaupt ein funktionierendes Ökosystem mit den Modulen aufgebaut werden kann. Eremenko erklärte allerdings, dass es denkbar sei, dass Endoskelette langfristig auch von anderen Herstellern wie Samsung, HTC, LG oder Sony verkauft würden.

Google will Entwicklungszeit von Smartphones verkürzen

Ganz anders wird es bei den Modulen aussehen. Google ruft Entwickler mit Project Ara auf, eigene Module zu entwickeln. Diese sollen in einem Play-Store-ähnlichen Shopsystem vermarktet werden, wofür die Entwickler wie auch bei den Android-Apps selbst zuständig sein sollen. Nutzer können die Module bewerten, weitere Details gibt es zu diesem speziellen Store noch nicht. Offenbar scheut Google zunächst den Aufwand, die Module über den stationären Einzelhandel zu verkaufen, was eine wesentlich aufwendigere Logistik bedeuten würde.

Drei Endoskelettgrößen geplant

Insgesamt sind weiterhin Endoskelette in drei verschiedenen Größen geplant: klein, mittelgroß und groß. Das Display des kleinen Modells dürfte im Größenbereich von unter 4 Zoll sein, das mittlere Modell könnte im Bereich von 4,5 Zoll liegen. Nach den jüngsten Äußerungen handelt es sich beim großen Modell um eines mit einem mindestens 5 Zoll großen Display, gezeigt wurde es allerdings nicht.

Je nach Rahmengröße können unterschiedlich viele Module eingesteckt werden. Die Module gibt es in drei Größen: 1x1, 2x1 und 2x2. Zusätzlich dazu gibt es passende Display- und Kameramodule für die Vorderseite. Eremenko betonte, dass ein kostengünstiger Austausch des Displays möglich sein werde. Für die jeweiligen Module soll es einen Zertifizierungsprozess geben, damit die Funktionstüchtigkeit der Module gewährleistet sei.

Google verspricht verkürzte Entwicklungszeiten

Allgemein will Google damit die Entwicklungszeit für neue Smartphones um den Faktor fünf verkürzen, erklärte Eremenko. Für gewöhnlich dauert die Entwicklung eines Smartphones zwischen einem und zwei Jahren, bis es auf den Markt kommt. Das soll mit Projekt Ara deutlich schneller möglich sein. Demnach ist geplant, Pakete mit Endoskelett und mindestens einigen Basismodulen zu verkaufen. Nähere Angaben gibt es dazu aber noch nicht.

Emerenko ging auch auf das Modu-Konzept ein, quasi der Vorläufer des Projekts Ara. Auf das Scheitern von Modu angesprochen, erklärte er, dass er davon ausgehe, dass der richtige Zeitpunkt für ein modulares Smartphone gekommen sei. Demnach glaubt er, dass Modu seiner Zeit voraus war.

Denn die Bauteile würden immer kleiner werden, so dass ein modulares Gerät dennoch vergleichsweise kompakt gebaut werden könne. Er erwarte, dass sich Kunden trotz eines etwas größeren Gerätes dafür entscheiden würden, weil sie auf Austauschbarkeit und Konfigurierbarkeit Wert legten.

Hot-Swap-Funktion für Akkutausch bei laufendem Betrieb

Die Module werden durch kleine Magneten in Position gehalten. In den Modulen selbst sind dafür Elektromagneten eingebaut, deren Kraft im ausgeschalteten Zustand ausreichen soll, dass die Module nicht aus der Halterung fallen. Wird das Smartphone eingeschaltet, verstärkt sich die Magnetkraft – dadurch soll der Zusammenhalt der Bausteine im laufenden Betrieb sichergestellt sein. Die Strom- und Datenübertragung erfolgt über eine Mipi(öffnet im neuen Fenster)-konforme Schnittstelle.

Auch der Akku soll als Modul angeboten werden. Zusätzlich sollen die Rahmen über einen eingebauten Akku verfügen, der die Energieversorgung auch dann gewährleistet, wenn der Hauptakku herausgenommen und gegen einen anderen getauscht wird.


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