Guter Code: Zeitdruck und Effizienzansprüche vs. Kreativität und Innovation

Da Knuth E-Mails verweigert und nur schwer über den Postweg erreichbar ist, kann man den 82-Jährigen nicht leicht dazu befragen, wie er die heutigen Entwicklungen einer digitalisierten Welt einordnet, die Entwicklern immer mehr Dienst nach Vorschrift abverlangt und aufgrund von Zeitdruck und ökonomischen Zwängen wenig Raum für solche Kreativität einräumt. Die Antwort gibt er aber praktisch schon 1974 auf Seite 671 seines Buches: "Das eigentliche Problem ist, dass Programmierer viel zu viel Zeit damit verbracht haben, sich an den falschen Stellen und zur falschen Zeit um die Effizienz zu sorgen; vorzeitige Optimierung ist die Wurzel allen Übels (oder zumindest des größten Teils davon) in der Programmierung."

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Heißt also: Zu Beginn des Codens ist es notwendig, sich Freiraum und Zeit zu lassen, damit etwas Neues wie Programmiersprachen oder Frameworks überhaupt erst entstehen können. Zwar ist Programmieren an sich mehr als nur reine Mathematik und kreativ, doch Kunst im eigentlichen Sinn entsteht eben vor allem, wenn der Prozess nicht zweckgerichtet ist. Vielmehr muss er Experimentieren zulassen, durch das man auf Dinge stößt, die überraschen und zu etwas Neuem führen. Trial and Error.

Guter Code hilft auch Kunden mehr als schneller Code

Nicht jedem Programmierer ist etwas daran gelegen, der Nachwelt etwas zu hinterlassen oder sich selbst mit Code ein Denkmal zu setzen. Viele wollen in erster Linie ihre Arbeit fertigstellen - was für einige Auftraggeber auch attraktiver sein dürfte, als mehr Zeit und damit mehr Geld in schönen Code zu investieren.

"Auf der anderen Seite: Was ist schon effektiv?", fragt Boris Cipot. "Wenn ich meine Arbeit möglichst gut mache und mein Code auch von anderen leicht gelesen, verstanden und die Methoden nachvollzogen werden können, wenn ich vielleicht nicht mehr da bin, ist es auch für Auftraggeber am Ende besser. Denn mit kompliziert geschriebenem Code aus verschiedenen Copy-and-Paste-Aktionen ohne Kommentare und mit kryptischen Variablen wird es schwer, diesen Code zu maintainen."

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Das heißt im Umkehrschluss: Mehr Zeit für den perfekten Code anzuberaumen, erscheint zwar vielen als unnötiger Luxus, zahlt sich aber spätestens dann aus, wenn Kollegen den Code übernehmen und weiter an ihm arbeiten müssen. Die Beherrschung des Handwerks ist es also, was Code künstlerisch werden lässt - "Kunst kommt von Können, käme sie von Wollen, hieße sie Wulst", heißt es schließlich. Erst wenn das Können stimmt, kann man folglich nicht nur "schönen" Code schreiben, sondern damit auch so sicher arbeiten, dass man damit experimentieren und Innovationen anstoßen kann.

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 Donald E. Knuth: Programmieren als KunstExperimentelle Informatik und Devart 
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Kleba 02. Aug 2020

Das würde ich so pauschal nicht unterschreiben. Zumindest wenn ich privat an etwas...

jg (Golem.de) 29. Jul 2020

Danke für den Hinweis, ist korrigiert!

DrC 29. Jul 2020

Für mich ist Softwareentwicklung wie ein Gang durch ein Museum, ob eleganter oder...

divStar 28. Jul 2020

Als Softwarearchitekt, der einige Jahre als Softwareentwickler gearbeitet hat (und es...

c0t0d0s0 28. Jul 2020

Man gucke sich bitte all die großen Unternehmen wie Alphabet an: Hier werden Code...



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