Prognose: CO2 aus der Luft saugen wird nur wenig günstiger werden

Eine Forschungsgruppe hat untersucht, wie sehr die Kosten für DAC-Technologien gesenkt werden können. Die erhoffte Preisspanne wird dabei nicht erreicht.

Artikel veröffentlicht am , Patrick Klapetz
Die CO2-Abscheidungsanlage Orca von Climeworks.
Die CO2-Abscheidungsanlage Orca von Climeworks. (Bild: Climeworks)

Weltweit müssten nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) ab 2050 bis zu 13 Milliarden Tonnen CO2 jährlich aus der Atmosphäre entfernt werden. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, liegt vor allem an der Kostensenkung der direkten Luftabschöpfungstechnologie DAC (Direct Air Capture).

In Island werden von Climeworks etwa 4.000 Tonnen CO2 pro Jahr absaugt. Eine Tonne abzusaugen, kostet jedoch etwa zwischen 1.000 und 1.300 Dollar. Mit zunehmender Skalierung der Technologien wird diese zwar deutlich billiger werden, aber nicht so billig, wie das manche Akteure erwarten.

Eine Forschungsgruppe der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) geht nicht von den gewünschten 100 bis 300 Dollar pro Tonne CO2 aus, sondern von einer Preisspanne zwischen 230 und 540 Dollar.

Die Preisspanne der unterschiedlichen Technologien

Mit einer neuen Methode untersuchte die Forschungsgruppe die Kostenentwicklung von drei Technologien, die bereits heute CO2 aus der Luft filtern. Das Verfahren der Schweizer Firma Climeworks, bei dem ein festes Filtermaterial mit einer großen Oberfläche CO2 bindet, könnte bis zum Jahr 2050 zwischen 280 und 580 Dollar pro Tonne kosten.

Für die Abscheidung von CO2 als wässrige Lösung mit Kaliumhydroxid – ein Verfahren, das etwa die kanadische Firma Carbon Engineering kommerzialisiert hat – nennt das Team eine Spanne von 230 bis 540 Dollar pro Tonne.

Für die Abscheidung mit Kalziumoxid, das aus Kalkstein gewonnen wird, liegen die geschätzten Kosten zwischen 230 und 835 Dollar. Dieses Verfahren wird zum Beispiel von der US-amerikanischen Firma Heirloom Carbon Technologies angeboten.

Preisentwicklung schwer abzuschätzen

Jedoch gibt die Forschungsgruppe zu bedenken, dass es kaum Erfahrungswerte gibt, um die Kostenentwicklung neuer Technologien abzuschätzen. Die DAC-Technologie ist bisher nicht lange genug im Einsatz. Deswegen fehlen genügend bereits erhobene Daten, um eine genaue Prognose abzugeben.

Deswegen hat die ETH-Forschungsgruppe sich auf die Komponenten der verschiedenen DAC-Anlagen und deren Kosten einzeln konzentriert. Diese Komponenten wurden dann von 30 Expertinnen und Experten aus der Industrie daraufhin bewertet, wie komplex ihr technologisches Design ist und wie gut sie standardisierbar sind.

Bei wenig komplexen Komponenten, die sich für die Massenproduktion eignen, können die Kosten stärker fallen. Bei komplexen Teilen hingegen, die für jede Anlage neu angepasst werden müssen, dürften die Kosten nur langsam sinken. Ausgereifte Komponenten wie Kompressoren werden kostentechnisch kaum noch sinken. Zu den geschätzten Kosten für die einzelnen Teile kommen dann noch die Kosten für die Integration aller Komponenten sowie die Energie- und Betriebskosten hinzu.

Zur Studie

Die Studie ist am 1. März 2024 in der Fachzeitschrift Joule erschienen: Considering technology characteristics to project future costs of direct air capture (Berücksichtigung der technologischen Merkmale bei der Prognose der künftigen Kosten der direkten Lufterfassung).

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz
Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss

Ein deutscher General scheint mit der sicheren Nutzung von Cisco Webex überfordert. Für deutsche Politiker ist die Lösung ein Verbot chinesischer 5G-Technologie. Wie bitte?
Ein IMHO von Achim Sawall

Brantner, Notz, Hartmann und Lindholz: Warum Huawei Schuld an Cisco Webex und Taurus haben muss
Artikel
  1. Ukrainekrieg: Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt
    Ukrainekrieg
    Drohnen als Repeater werden von Mutterschiffen ausgesetzt

    Das ukrainische Militär hat einen Weg gefunden, die Reichweite seiner Kamikaze-Drohnen zu verdoppeln.

  2. E-Bikes und E-Scooter: Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien
    E-Bikes und E-Scooter
    Debatte nach tödlichen Akkubränden in Großbritannien

    Elf Menschen sind im vergangenen Jahr in Großbritannien durch brennende Akkus von E-Bikes und E-Scootern gestorben. Nun werden Konsequenzen gefordert.

  3. Frankreich: Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen
    Frankreich
    Russische Onlinekampagne soll Bettwanzenproblem aufbauschen

    Gibt es in Frankreich wirklich eine weit verbreitete Bettwanzenplage? Der Regierung zufolge hat Russland das Problem "künstlich verstärkt".

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MindStar: PowerColor Hellhound RX 7900 XTX 889€, Corsair 64 GB DDR5-6000 179€ • MediaMarkt: Wochenendknaller und Android Weeks • Amazon: Notebooks im Angebot • DENON AVR-X2800H + Home 150 599€ • PS5 Slim mit Laufwerk 449€ • Corsair MM200 Extended 19,99€ • TCL 50" QLED 369€ [Werbung]
    •  /