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Produktionsstillstand: Russland soll hinter Angriff auf Jaguar Land Rover stecken

Nach dem Cyberangriff auf Jaguar Land Rover gibt es den begründeten Verdacht, dass Russland dahintersteckt.
/ Andreas Donath
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Land Rover Defender (Bild: Jaguar Land Rover)
Land Rover Defender Bild: Jaguar Land Rover

Ermittler, die den Cyberangriff auf Jaguar Land Rover untersuchen, prüfen, ob Russland eine Rolle bei dem Vorfall gespielt hat, der den Betrieb des Automobilherstellers wochenlang weltweit lahmlegte, so der britische Telegraph(öffnet im neuen Fenster) .

Die Möglichkeit einer russischen Staatsbeteiligung hat sich als aktive Ermittlungslinie herauskristallisiert, wie mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichten. Eine abschließende Feststellung gibt es wie immer nicht.

Der am 31. August entdeckte Angriff zwang JLR, die Produktion in Werken in Großbritannien, Brasilien, der Slowakei und Indien einzustellen. Die Fertigung blieb über einen Monat lang ausgesetzt und betraf etwa 200.000 Beschäftigte im gesamten Zulieferernetzwerk des Unternehmens.

Gefahr für Hunderttausende Arbeitsplätze

Die Störung veranlasste die britische Regierung, eine Kreditbürgschaft in Höhe von 1,5 Milliarden Pfund zu genehmigen, um das Unternehmen und seine Zulieferer zu stützen. Regierungsvertreter äußerten damals Bedenken über mögliche Kaskadeneffekte auf kleinere Firmen, die von JLR-Aufträgen abhängig sind, so dass zahlreiche Firmenpleiten erwartet wurden. Auch in Deutschland sind Arbeitsplätze in Gefahr . Zulieferer entließen bereits Menschen.

Fakten weisen auf staatliche Akteure hin

Umfang und Art des Angriffs haben die Aufmerksamkeit von Sicherheitsexperten auf sich gezogen. Alle 800 Computersysteme von JLR wurden kompromittiert, so Regierungskreise, die über die Situation informiert wurden, gegenüber dem Telegraph.

Russland wurde als Quelle verschiedener Cyberbedrohungen identifiziert, die auf britische Infrastruktur und Unternehmen abzielen. Geheimdienste hatten zuvor vor Moskaus Bemühungen gewarnt, den britischen Betrieb durch digitale Mittel zu stören.

Experten weisen darauf hin, dass sich der Angriff von typischen Ransomware-Vorfällen unterscheidet, bei denen normalerweise kriminelle Gruppen Lösegeldforderungen stellen. Das Fehlen solcher Forderungen wirft Fragen über die Ziele der Angreifer auf – wer kein Geld will und gar nichts fordert, hat sein Ziel schon mit der Großstörung erreicht.

James Cartlidge, Oppositionssprecher für Verteidigungspolitik, äußerte sich zu den Folgen, sollte sich eine russische Beteiligung bestätigen. Er merkte an, dass ein solcher Angriff zu einem Muster provokanter Aktionen gegen Nato-Mitglieder passen würde.

Das National Cyber Security Centre, das unter dem GCHQ(öffnet im neuen Fenster) operiert, leitet die laufenden Ermittlungen mit Unterstützung der National Crime Agency. Dabei wurden Teams gegründet, um den Schaden zu bewerten und an der Wiederherstellung der Systeme zu arbeiten.

Produktion nach verlängertem Stillstand wieder angelaufen

Der Betrieb der Range-Rover-Produktionslinien in Solihull wurde letzte Woche wieder aufgenommen – die erste Wiederaufnahme der Fertigung seit dem Angriff. Das Unternehmen kündigte an, alle Werke wieder auf volle Produktionskapazität zu bringen.

Britische Unternehmen waren in den vergangenen Monaten mehrfach von Cybervorfällen betroffen. Marks and Spencer, Co-op und Harrods meldeten Angriffe im selben Zeitraum.

Großbritannien hält angesichts des andauernden Konflikts mit Russland an seiner Unterstützung für die Ukraine fest.


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