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Probefahrt Opel Mokka GSE: Ein Blitz mit Understatement

Opel bietet mit dem Mokka GSE das schnellste E-Auto im Portfolio. Dabei strahlt der Kleinwagen äußerlich kaum Sportlichkeit aus.
/ Dirk Kunde
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Der Opel Mokka GSE (Bild: Opel)
Der Opel Mokka GSE Bild: Opel

In der automobilen Vergangenheit stand die Marke mit dem Blitz für Sportlichkeit. Beim Opel Manta oder Monza waren Lufteinlässe und Heckspoiler äußere Belege für die Leistungsfähigkeit der Verbrennungsmotoren. Das Sportcoupé Monza GSE kam im Sommer 1983 als Top-Ausstattungslinie der Marke auf den Markt. Damals stand GSE noch für Grand Sport Einspritzung.

Opel verwendet heute beim Mokka wieder diesen Zusatz, doch nun steht er für Grand Sport Electric. Äußere Belege für die Leistung gibt es keine. Dabei bietet das E-Auto mit Frontantrieb 100 PS mehr als der Monza GSE, in heutiger Leistungsangabe 207 statt 132 kW.

Damit ist der Mokka GSE das schnellste E-Auto der Rüsselsheimer. Erst bei 200 km/h wird der Synchronmotor abgeregelt.

Die Vorlage für die Serienversion liefert der Mokka GSE Rally. Es ist das erste elektrische Fahrzeug, das nach den FIA-Regeln der E-Rally-5-Vorgaben konstruiert wurde. Im kommenden Jahr gehen die E-Autos bei einem Markencup an den Start.

Während die Rennsport-Version durch die gelben Beklebungen direkt auffällt, erkennt man die Sportlichkeit der Serienversion nicht auf Anhieb. Allerdings sind beide Varianten technisch weitgehend identisch.

Kein Spoiler

Im Rahmen der Testfahrt bei Madrid haben alle Fahrzeuge eine unauffällige grau-schwarze Lackierung. Den GSE-Schriftzug in Wagenfarbe erkennt man auf den Fronttüren nur bei genauem Hinsehen. Gleiches gilt für den Schriftzug in der Front.

Lediglich die gelben Bremssättel in den Fronträdern deuten auf Sportlichkeit hin. "Wir setzen auf selbstbewusstes Design kombiniert mit Understatement. Wir verzichten bewusst auf Zusätze wie Spoiler oder künstlichen Sound," sagt Cristiano Colaiacomo, Marketingdirektor Opel Deutschland.

Die Straße spüren

Der Mokka GSE ist also nichts für Poser. Die Variante startet mit 47.300 Euro, rund 10.000 Euro über der günstigsten Standardversion des Kleinwagens. Dafür bekommt man einen leistungsfähigeren E-Motor mit 345 Nm Drehmoment. In 5,9 Sekunden ist der Mokka GSE auf 100 km/h.

In dieser Version verbinden drei statt ein Hochvoltkabel die Batterie mit dem Wechselrichter. Somit erreicht man eine höhere Leistungsabgabe der 54-kWh-Lithium-Ionen-Batterie.

Vor allem am Chassis haben die Ingenieure gearbeitet. Bei den Federbuchsen im Fahrwerk setzen sie auf eine härtere Gummimischung. Man spürt Unebenheiten der Fahrbahn stärker und hört mehr Fahrgeräusche. Im Rallyesport sind das wesentliche Informationen für den Fahrer. Der tiefe Schwerpunkt und ein Gewicht von 1.597 kg unterstützen die Agilität des E-Autos.

Große Bremsscheiben

Damit auf nasser oder unbefestigter Fahrbahn keines der angetriebenen Fronträder durchdreht, setzt der Hersteller auf ein mechanisches Sperrdifferenzial. Trotz dieser Technik und den 20 Zoll großen Rädern bleibt der Wendekreis von 10,41 m erhalten.

Die elektrische Servolenkung hat eine kürzere Übersetzung im Vergleich zur Standardversion. Damit bekommt der Fahrer das Gefühl, dass die Lenkung schneller auf seine Lenkrad-Bewegung reagiert.

Mit 380 mm Durchmesser fallen die Bremsscheiben in den Fronträdern deutlich größer aus. Hier greifen die gelben Vierkolbenbremssättel zu, wenn es mal langsamer gehen soll. Zudem wurden die Federungsrate und die Wanksteifigkeit an beiden Achsen erhöht. Somit ist der Mokka GSE kein auf Komfort ausgelegtes Reisegefährt.

Nichts für Familien

Ein Radstand von 2,56 m setzt den beiden Sitzreihen im Innenraum enge Grenzen. Entsprechend taugt das Auto mit Blick auf die geringe Beinfreiheit im hinteren Bereich und dem 360 Liter fassenden Kofferraum nicht als Familienauto. Einen Stauraum in der Front gibt es nicht.

Der Hersteller gibt die Reichweite mit 336 km (WLTP) an. Das gilt allerdings nur für die optionale Bereifung mit Goodyear Eagle F1. Als Standardreifen wird der Mokka GSE mit Michelin Pilot Sport EV ausgeliefert, der eine Effizienzklasse niedriger eingestuft ist und eine WLTP-Reichweite von 324 km bietet.

Realistische Reichweite von 260 km

Wie bei der Standardversion wird der Mokka GSE bis zu 100 kW am Schnelllader geladen. Mit 27 Minuten gibt Opel leider nur die Ladezeit von 20 bis 80 Prozent der Batterie an. Nach einer Proberunde über regennasse Landstraßen nördlich von Madrid, die mit vielen Kurven die Berge hinaufführen, liegt der Verbrauch bei 23,2 kWh auf 100 km.

Eine spätere Runde durch die spanische Hauptstadt zeigt einen Verbrauch von 19,2 kWh. Die Mitte liegt bei 21 kWh, was bei 54 kWh in der Batterie eine realistische Reichweite von rund 260 km bedeutet.

Große Seitenwangen

Zielgruppe für den Mokka GSE sind Menschen am Beginn ihrer beruflichen Karriere, die in urbanen Umfeldern leben und denen ein Auftritt mit Understatement zusagt.

Sportlicher und auffälliger geht es im Innenraum des Kompakt-SUV zu. Die mit Alcantara bezogenen Sitze fallen durch ausgeprägte Seitenwangen an Sitzfläche und Rückenlehne auf.

Leider setzt Opel hier auf one size fits all. Große Menschen empfinden die Seitenelemente zunächst als beengend. Hier ist etwas Eingewöhnung notwendig.

Die seitlichen Erhöhungen sorgen bei schnellen Kurvenfahrten für mehr Halt im Sitz. Rückenlehne und Sitzfläche lassen sich manuell in Neigung, Höhe und Abstand zum oben und unten abgeflachten Lenkrad verstellen. Auf eine Lordosenstütze verzichtet Opel. Wer Rückenprobleme hat, wird die harte Federung im Mokka GSE sowieso nicht zu schätzen wissen.

G-Kräfte messen

Der 10-Zoll-Bildschirm liefert Angaben zur aktuellen Batteriespannung und Temperatur. Auch die G-Kräfte lassen sich während der Fahrt anzeigen, genauso die schnellsten Beschleunigungen aus dem Stand auf 60 beziehungsweise 100 km/h.

Bei den Fahrmodi besteht die bekannte Auswahl aus Eco (140 kW bis 150 km/h), Normal (170 kW bis 180 km/h) und Sport für die volle Leistung (207 kW bis 200 km/h). Im Sportmodus ist die Rekuperation deaktiviert. Zur Auswahl steht An oder Aus auch nur über den B-Knopf. Feiner lässt sich die Energierückgewinnung nicht einstellen.

Wer sportlich unterwegs ist, sollte die Augen auf der Straße lassen. Leider fehlt ein Head-up-Display im Angebot. Für Navigationsangaben muss man nach rechts auf den Bildschirm schauen. Wer von E-Autos gewohnt ist, dass es im Innenraum ausgesprochen ruhig ist, muss sich im Mokka GSE umgewöhnen.

Ab 100 km/h auf regennasser Fahrbahn hört man deutlich, was in den Radkästen passiert: Die härteren Federbuchsen übertragen mehr Geräusche.

Gut ausgestattet

Für eine entspannte Fahrt bietet der Mokka GSE die üblichen Assistenten für Abstand- und Spurhaltung. Ein Parkpilot unterstützt beim Einparken und ein 180 Grad-Kamerabild zeigt Hindernisse in direkter Umgebung. Mit 4,15 m Meter Länge und einer Breite von 1,79 m ist der Mokka GSE auch auf enge Straßen beziehungsweise in Parklücken eine gute Wahl.

Der Wagen ist 1,51 m hoch, wobei das Fahrwerk in der GSE-Variante um 10 mm abgesenkt ist. Beim Kaufpreis von 47.300 Euro sind fast alle Ausstattungsoptionen enthalten.

Als weitere Extras bietet Opel nur noch eine schwarze Motorhaube (350 Euro) sowie einen kamerabasierten Müdigkeitswarner (100 Euro). Das Leasing beginnt bei 349 Euro pro Monat für 48 Monate und 10.000 km Jahreslaufleistung. Der Mokka GSE ist bereits bestellbar und steht ab Dezember 2025 bei Opel-Händlern für Probefahrten.

Offenlegung: Die Kosten für die Reise nach Madrid hat Opel übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.


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