Kurze Probefahrt auf dem Firmengelände

Mit seinem kleinen Fahrerdisplay und dem zentralen Bildschirm über der Mittelkonsole erinnert der Sion dabei ein wenig an den VW ID.3 oder ID.4. Auffällig ist natürlich die grüne Moos-Leiste im Armaturenbrett. Dabei ist das Moos "nicht nur zentrales Design-Highlight im Interieur des Fahrzeugs, sondern sorgt auch für ein angenehmes Raumklima", schreibt Sono. Die Luft wird allerdings vorher schon durch einen normalen Partikelfilter geleitet.

Anders als beim Hyundai Ioniq 5 liefert der Sion deutlich detailliertere Angaben zur Stromerzeugung der Solarzellen. So lässt sich im Zentraldisplay abrufen, welches Modul aktuell wie viel Leistung generiert. Bei unserer Testfahrt lieferte beispielsweise das Dach in der Vormittagssonne gut 100 Watt. Fuhr man in den Schatten, sank die Leistung auf null. Auch gibt der Sion an, wie viel der Energie prozentual über die Sonne geladen wurde.

Keine Assistenzsysteme, aber eine App

Mit Assistenzsystemen wie Einparkhilfen oder einem Tempomat können die Testwagen bislang nicht dienen. Doch diese sollen später hinzukommen, weil künftig Notbremssysteme in Autos vorgeschrieben werden. Die dafür erforderliche Sensorik könne dann auch für andere Funktionen verwendet werden.

  • Der Sion vom Münchner Startup Sono Motors soll einen Großteil seines Strombedarfs mit den eigenen Solarzellen decken. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Sono Motors hat das Konzept seit 2012 anhand verschiedener Prototypen entwickelt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zunächst wurden noch konventionelle Solarmodule verwendet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der nächste Prototyp nutzte bereits selbst entwickelte Solarzellen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auch diese Zellen hoben sich optisch noch stark von der Karosserie ab. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Bei den aktuellen Prototypen ist die Integration der Zellen noch weiter fortgeschritten. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Sion soll eine praktische Familienkutsche für fünf Personen sein. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der zweite Ladeboden verfügt ebenfalls über viel Stauraum. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Fahrzeuginnere ist schlicht und ohne viel Schnickschnack. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Lithium-Eisenphosphat-Akku hat eine Kapazität von 54 Kilowattstunden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Antrieb mit 120 kW (162 PS) stammt von Continental. Der Sion wird bei 140 km/h abgeregelt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Sion kann auch zur Stromversorgung genutzt werden. Über eine Typ-2-Buchse (l.) mit bis zu 11 kW oder einen Schuko-Stecker (M.) mit bis zu 3,6 kW. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Damit lässt sich sogar ein ganzes Haus mit Strom versorgen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Armaturenbrett hat zwei Displays. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im 10-Zoll-Display über der Mittelkonsole lässt sich die generierte Leistung der Solarmodule ablesen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf dem Dach befindet sich ein Drittel der Zellen, die jedoch die Hälfte des Stroms erzeugen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Fahrerdisplay wird angegeben, welcher Anteil der Energie von den Solarzellen stammt. Die Angabe im Testfahrzeug entspricht jedoch nicht der Realität. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Schatten sinkt die Solarleistung entsprechend auf null. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Moos soll nicht nur schön aussehen, sondern auch zusätzlich die Luft filtern. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Firmenzentrale befindet sich im Münchner Stadtteil Lerchenau. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Laurin Hahn hat die Firma zusammen mit zwei anderen Partnern gegründet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Im 10-Zoll-Display über der Mittelkonsole lässt sich die generierte Leistung der Solarmodule ablesen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Immerhin ist der Sion schon über eine eigene App vernetzt. Über diese lässt sich nicht nur ein Car-Sharing verwalten. Aus der Ferne lässt sich der Sion ebenfalls vorklimatisieren, damit er im Sommer bei Fahrtantritt nicht zu heiß ist, wenn er in der Mittagshitze Solarstrom lädt.

Fahrzeugintegrierte Photovoltaik im Kommen

Insgesamt zeigt der Sion in vielen Punkten auf, wie nachhaltigere Individualmobilität aussehen könnte. Ob das Versprechen, einen Großteil des eigenen Strombedarfs mit Sonnenenergie zu decken, erfüllt werden kann, muss sich aber in der Praxis zeigen.

Zuletzt hat beispielsweise Volkswagen entschieden, den geplanten ID.Buzz nicht mit einem Solardach auszustatten. Nach Meinung der VW-Techniker liefere es trotz seines relativ großen Formats nicht genügend Strom, berichtete das Portal Edison.media.

Mercedes-Benz hat hingegen in einer Studie einen Sprinter mit Solarzellen ausgestattet, die bis zu 850 Watt liefern können. Damit lässt sich laut Mercedes eine zusätzliche Reichweite von rund 2.500 km im Jahr gewinnen, in sonnenreichen Regionen wie in Südspanien sogar 3.800 km.

Lkw-Testprojekt und Pickups mit Solarzellen

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) wiederum testet ein Jahr lang einen Lkw, dessen Dach mit Solarzellen ausgestattet wurde. "Der direkt am Fahrzeug produzierte Solarstrom kann 5 bis 10 Prozent des LKW-Energiebedarfs decken", schreibt das ISE. Vom 6. bis 8. Dezember 2021 findet die erste internationale Konferenz statt, die sich dem Thema fahrzeugintegrierte Photovoltaik widmet.

In der kommenden Woche will zudem das chinesisch-amerikanische Startup Edison Future auf der LA Auto Show einen Pickup und einen Lieferwagen mit Solarzellen präsentieren.

Nische oder Massenmarkt?

Das heißt: Fahrzeuge wie der Sion könnten durchaus aus ihrem Nischendasein heraustreten, wenn sich der Einsatz von Solarzellen als sinnvolle Energiequelle für Elektroautos herausstellen würde. Laut Börsenprospekt schätzt Sono Motors, dass im Jahr 2030 mehr als die Hälfte der verkauften Elektroautos für eine Nachrüstung mit Solarzellen geeignet sind, davon etwa ein Drittel für eine solare Integration. Zudem geht das Unternehmen davon aus, dass dieser Anteil steigen wird und sich 2040 mehr als zwei Drittel der verkauften Fahrzeuge für die sogenannte Solarintegration eignen.

Vorerst muss das Unternehmen erst einmal beweisen, dass es mit seinem Konzept die Anleger überzeugen und mit dem eingenommenen Geld den Produktionsstart im ersten Halbjahr 2023 bewältigen kann. Falls das gelingt, könnte Sono eine sonnige Zukunft bevorstehen. Vielleicht als Autohersteller, vielleicht aber auch nur als Lieferant für die automobile Solarintegration.

Nachtrag vom 12. November 2021, 20:37 Uhr

Wir haben präzisiert, dass der Antrieb von der früheren Conti-Tochterfirma Vitesco Technologies stammt.

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Antischwurbler 23. Nov 2021

Nein, er hat vollkommen Recht. Photovoltaik-Integration passt denkbar schlecht zu einem...

SpaceReptile 16. Nov 2021

also die räder beim e rad mit einer geschlossenden felge auszustatten und diese ist dann...

Paule 15. Nov 2021

Wahrscheinlich immer noch in Erforschung, da eventuell die Herstellung so viel teurer...

Vögelchen 15. Nov 2021

Ich glaube, hier ist vor allem erst einmal ein Bedarf an Physik-Kenntnissen.



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