Probefahrt mit EQS: Mercedes schüttelt Tesla ab, aber nicht die Klimakrise

Der neue EQS von Mercedes-Benz widerlegt die Argumente vieler Elektroauto-Gegner. Auch die Komforttüren gefallen uns.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Ganz auf Aerodynamik ist die Front des EQS ausgerichtet.
Ganz auf Aerodynamik ist die Front des EQS ausgerichtet. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Während die elektrische Luxuslimousine EQS mühelos den Oberalppass von Andermatt in Richtung Graubünden hinauf- und wieder hinunter rollt, lässt heftiger Dauerregen den parallel verlaufenden Vorderrhein schon bedrohlich anschwellen. In Zürich tobt ein nächtlicher Hagelsturm. Bei der zweitägigen Probefahrt in der Schweiz stellt sich ein mulmiges Gefühl ein, ob die klimafreundliche Mobilität nicht schon viel zu spät kommt. Dabei ist Mercedes mit dem EQS ein wirklich gutes Elektroauto gelungen.

Der Daimler-Konzern hat sich mit dem EQS viel vorgenommen. Das Mitte April vorgestellte aerodynamischste Serienauto der Welt ermöglicht in Verbindung mit einem großen Akku auch lange Strecken ohne Ladestopps. Eine hohe Ladeleistung von gut 200 Kilowatt (kW) soll die Stopps entsprechend kurz machen. Bringt das nun die Elektromobilität und den Klimaschutz wirklich voran?

EQS ist das neue Topmodell von Mercedes

Mercedes geizt beim EQS nicht mit weiteren Innovationen. Der 141 cm breite "Hyperscreen" mit drei integrierten Bildschirmen soll einen Wow-Effekt bei den Insassen hervorrufen. Die elektrisch öffnenden und schließenden Komforttüren sind ein weiteres Novum. Dazu zählt auch der seitliche Einlass für die Scheibenwischanlage, weil sich aus aerodynamischen Gründen die Motorhaube nicht mehr öffnen lässt.

Das alles bedeutet: Nicht mehr die benzin- oder dieselgetriebene S-Klasse ist das technische Vorzeigemodell des Konzerns, sondern der elektrische EQS. Ein Paradigmenwechsel für den Stuttgarter Hersteller, der seit der Erfindung des Autos durch Carl Benz auf den Verbrennerantrieb setzt. Passend dazu kündigte Firmenchef Ola Källenius am Donnerstag an, von 2025 an nur noch Plattformen neu anzubieten, die vollelektrisch sind. Es solche "Electric Only"-Strategie kann nur aufgehen, wenn die Elektroautos konkurrenzfähig sind und die Mercedes-Kunden bei der Stange gehalten werden.

Aerodynamische Formgebung

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Natürlich verfügt der EQS über die neuesten Funktionen der S-Klasse wie einen Staupiloten der Fahrassistenzstufe 3 oder eine Hinterachslenkung. Letzteres ist durchaus sinnvoll, denn der EQS hat mit 3,21 m einen Radstand wie die Langversion der S-Klasse. Bei einer Fahrzeuglänge von gut 5,21 m lässt sich der Wendekreis damit auf 10,9 m reduzieren - jedoch nur dann, wenn die Variante mit dem größeren Lenkwinkel von 10 Grad nachträglich per Software-Update Over the air (OTA) freigeschaltet wurde. Auch die Möglichkeit für OTA-Updates ist neu.

Rein optisch unterscheidet sich vor allem die Front der beiden Fahrzeugmodelle. Aus aerodynamischen Gründen bilden Motorhaube, Windschutzscheibe und Dach beim EQS fast eine durchgängige Linie. Der Kühlergrill ist komplett geschlossen. Kein Mercedes-Stern stellt sich ungünstig dem Wind entgegen. Die großen Reifen (265/40 R21) mit einem Durchmesser von fast 75 cm sollen zusammen mit speziellen Felgen ebenfalls den Luftwiderstand senken.

Leergewicht von 2,5 Tonnen

Mit einem Leergewicht von knapp 2,5 Tonnen beim EQS 450+ wird sogar die Langversion der S-Klasse um 400 kg übertroffen. Die Zuladung von 465 bis 545 kg ist zwar um bis zu 300 kg niedriger als bei den Verbrennern, allerdings ist das Kofferraumvolumen mit bis zu 1.770 l deutlich größer. Denn beim EQS lassen sich die Rücksitze herunterklappen. Auch das Standardvolumen von 610 l ist 70 l größer als bei der S-Klasse.

Das große Platzangebot im Innenraum bei einer Fahrzeughöhe von 1,51 m wird auch dadurch erreicht, dass Mercedes die Batteriezellen in einer Ebene anordnet und nicht noch eine zweite Etage wie beim Audi E-Tron einzieht. Etwas erhöht zwischen Akku und Hinterachse befindet sich der Elektromotor samt Steuerungselektronik. Der von Valeo/Siemens produzierte Antrieb liefert beim 450+ eine Leistung von 245 kW, die den EQS in 6,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt. Der EQS 580 4Matic schafft dies mit einem zusätzlichen Frontmotor und einer Gesamtleistung von 385 kW in 4,3 Sekunden. Beide Versionen werden bei 210 km/h abgeregelt.

  • Der vollelektrische EQS ist das neue Vorzeigemodell von Mercedes-Benz und soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mit einer Reichweite von bis zu 780 km nach WLTP macht der EQS dem Tesla Model S Konkurrenz.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf der Heckklappe befindet sich ein kleiner Spoiler.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Kühlergrill ist komplett geschlossen, um den Luftwiderstand zu senken.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der EQS zeichnet sich durch eine besonders aerodynamische Karosserie aus.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die großen Reifen und besondere Felgen sollen ebenfalls den Luftwiderstand reduzieren.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Gegen Aufpreis ist der 141 cm breite Hyperscreen erhältlich.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Deckglass zieht sich über die komplette Breite des Innenraums.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Drei verschiedene Bildschirme verschmelzen zur einer optischen Einheit.   (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Dem Beifahrer steht das gleiche Menü wie dem Fahrer auf dem Zentraldisplay zur Verfügung.
  • Auch für die Fahrgäste auf dem Rücksitz gibt es auf Wunsch eigene Monitore.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Kofferraum ist mit 610 Litern recht groß.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mit umgeklappten Rücksitzen vergrößert sich das Volumen auf 1.770 Liter.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Da sich die Motorhaube nicht ohne Weiteres öffnen lässt, gibt es eine besondere Einfüllöffnung für die Scheibenwaschanlage.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mit rund 200 Kilowatt lässt sich der EQS per Gleichstrom aufladen.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Grafik zeigt, wie weit man mit einer einzigen Ladung nach WLTP von Zürich aus kommen könnte.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Akku ist mit einer Kapazität von rund 108 Kilowattstunden ziemlich groß.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Zellen bezieht Mercedes vom chinesischen Hersteller CATL.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Antriebseinheit stammt von Valeo/Siemens. Der hintere Motor liefert 245 Kilowatt.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Serienmäßig gibt es eine Luftfederung mit kontinuierlicher Verstelldämpfung.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Routenplanung zeigt auch die erforderlichen Ladestopps an.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Ladestationen entlang der Route lassen sich nach Ladeleistung filtern.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Darstellung des Energieverbrauchs.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Reichweite lässt sich durch die gezielte Deaktivierung von Funktionen weiter erhöhen.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Bei einem Ladezustand von 69 Prozent lud der EQS immerhin noch mit 123 Kilowatt.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Verbrauch auf der Testfahrt war an beiden Tagen sehr niedrig.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Je nach Fahrstil gibt der EQS eine Mindest- und eine Maximalreichweite an.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein Novum sind die elektrischen Komforttüren, die sich automatisch bei der Annäherung des Fahrers öffnen können.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Türen lassen sich über das Display einzeln öffnen und schließen.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Drei verschiedene Geräusche für den Innenraum stehen zur Verfügung.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Der vollelektrische EQS ist das neue Vorzeigemodell von Mercedes-Benz und soll noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Letzteres zeigt: Mercedes will den von Tesla-Chef Elon Musk forcierten Wettbewerb um die größte Beschleunigung und hohe Geschwindigkeiten nicht mitmachen.

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Kein Wettlauf um größere Beschleunigung 
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tribal-sunrise 01. Aug 2021 / Themenstart

Na ja, also den Diesel der bei 200km/h 1000km schafft will ich sehen

hansblafoo 28. Jul 2021 / Themenstart

Der Wikipedia-Artikel zu Siegfried Marcus ist recht interessant und widmet sich dem auch...

GeStörti 27. Jul 2021 / Themenstart

Kann mein nicht- Tesla auch. Allerdings drücke ich lieber kurz auf die Taste, bzw. drehe...

GeStörti 27. Jul 2021 / Themenstart

Wenn zu solch einer Veranstaltung geladen wird, dann möchte man die Leute für etwas...

xSureface 27. Jul 2021 / Themenstart

Teslas gibts bereits mit 1,6mio km auf dem Tacho. Und ja, ich vermute, dass die Akkus...

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