Probefahrt mit Drive Pilot: Mercedes steuert in die Zukunft

Die neue S-Klasse von Mercedes-Benz soll erstmals dem Fahrer die Verantwortung im Stau abnehmen. Auf einer Teststrecke lässt sich das autonome Fahren bereits ausprobieren.

Ein Hands-on von veröffentlicht am
Der Drive Pilot soll mit Hilfe dieser Taste erstmals hochautomatisiertes Fahren ermöglichen.
Der Drive Pilot soll mit Hilfe dieser Taste erstmals hochautomatisiertes Fahren ermöglichen. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Mit dem autonomen Fahren ist es ein bisschen wie mit dem Hauptstadtflughafen in Berlin. Die revolutionäre Technik ist schon so oft angekündigt worden, dass eigentlich niemand mehr so richtig mit deren Start rechnet. Doch ebenso wie der Flughafen BER tatsächlich in dieser Woche eröffnet, hat Mercedes-Benz inzwischen die selbstfahrende S-Klasse angekündigt und nun vorgestellt. Für Golem.de ließ Daimler erstmals einen Fahrer außerhalb des Konzerns den Drive Pilot testen.

Das selbstständige Anhalten und Anfahren sowie Lenken im Stau ist bei vielen Autos schon Standard. Und funktioniert ziemlich zuverlässig. Der entscheidende Unterschied bei der neuen S-Klasse: Der Fahrer darf sich vom Fahrgeschehen abwenden und kann dem Fahrzeug die Fahraufgabe überlassen. Der Sprung vom teilautomatisierten (Stufe 2) zum hochautomatisierten Fahren (Stufe 3) mag dem Fahrer nicht groß erscheinen. Doch für die Entwickler von Mercedes-Benz ist er ein Riesenschritt gewesen.

Sehr unauffällig integriert

Bei der ersten Probefahrt mit dem neuen System auf dem Daimler-Testgelände im südschwäbischen Immendingen erstaunt zunächst, wie unauffällig die Funktion integriert ist. Zwei Tasten rechts und links im Lenkrad leuchten kaum wahrnehmbar weiß auf, wenn der Staupilot in der Fahrsituation zur Verfügung steht. Wird das selbstfahrende System aktiviert, leuchten zwei über den Tasten liegende kleine LED-Felder sowie ein schmaler Streifen über der Lenkradsäule türkis. Das war es. Das Lenkrad bleibt unverändert in der Position, auch wenn es nun autonom vom Fahrzeug bewegt wird.

Auf den ersten Blick ist der Staupilot nicht mehr als ein Abstandsregeltempomat mit Lenkassistent. Bis zur Geschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde übernimmt das Fahrzeug auf bestimmten Strecken das Steuer. Das soll zunächst nur auf den Autobahnen in Deutschland der Fall sein. Doch Mercedes-Benz betreibt einen enormen Aufwand, um in jeder denkbaren Situation eine sichere Fahrt zu gewährleisten.

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Erkennbar ist das unter anderem an einem kleinen Knubbel oberhalb der Heckscheibe. Dort haben die Entwickler spezielle Antennen für eine hochgenaue Satelliten-Positionierung eingebaut. Diese nutzt sowohl GPS- als auch Galileo-Signale und verwendet Korrekturdaten, die beispielsweise atmosphärische Störungen berücksichtigen. In Verbindung mit hochgenauen Karten des Kartendienstes Here, an dem Daimler beteiligt ist, soll das Fahrzeug immer genau wissen, auf welcher Spur es sich befindet und wie die kommende Strecke verläuft.

Darüber hinaus verlässt sich die S-Klasse nicht nur auf Kameras und Radare, sondern setzt serienmäßig einen Lidar ein. Dieser befindet sich im Kühlergrill unterhalb eines Fernbereichsradars. Der rückwärtige Verkehr wird nicht nur mit Multimode-Radaren überwacht, sondern auch mit einer Kamera am oberen Rand der Heckscheibe. Diese soll in Verbindung mit einem Mikrophon beispielsweise herannahende Einsatzwagen mit Blaulicht und Martinshorn erkennen. In solchen Situationen wird der Fahrer aufgefordert, wieder das Steuer zu übernehmen.

  • Mit zwei Knöpfen rechts und links am Lenkrad lässt sich der Drive Pilot starten.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Auf dem Fahrerdisplay ist das vorausfahrende Fahrzeug mit einem A markiert. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Über der Taste leuchtet ein kleines Feld türkis. Auch über dem Lenkrad ist eine türkisfarbene Anzeige. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Mercedes-Benz setzt auf einen Laserscanner als zusätzliches Sensorprinzip. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der sogenannte Lidar kann auch im Dunklen entfernte Objekte erkennen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Schräg über dem Lidar befindet sich ein Fernbereichsradar. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zwei neuartige Sensoren hinter den Vorderrädern registrieren starke Nässe auf der Fahrbahn. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Eine Kamera in der Heckscheibe und Mikrofone sollen Blaulicht und Sondersignale von Einsatz­fahrzeugen erkennen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Unter dem Knubbel über der Heckscheibe verbirgt sich ein hochgenaues Positionierungssystem. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Positionierung ist deutlich genauer als bei üblichen GPS-Systemen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Fahrer wird mit Infrarotkameras überwacht, die sich im oberen Teil des Displays befinden. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Head-up-Display enthält inzwischen viele Informationen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Freihanderkennung ist beim Staupilot künftig nicht mehr erforderlich. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Assistenzsysteme lassen sich im Fahrerdisplay visualisieren. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Zentraldisplay nutzt Augmented Reality zur besseren Navigation. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Mit zwei Knöpfen rechts und links am Lenkrad lässt sich der Drive Pilot starten. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
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Letzteres ist auch der Fall, wenn die Witterungsbedingungen das System überfordern könnten. So gibt es eine Übernahmeaufforderung bei sehr starkem Regen oder überschwemmter Fahrbahn. Dazu verfügt das Fahrzeug über neuartige Sensoren hinter den Vorderreifen, die die Wasserspritzer akustisch registrieren. Aber selbst wenn das Fahrzeug merkt, dass es mit einer Situation überfordert ist, hat der Fahrer immer noch zehn Sekunden Zeit, um die Verkehrssituation zu erfassen und das Steuer zu übernehmen.

Der Unterschied zu bisherigen Assistenzsystemen zeigt sich in einigen speziellen Situationen.

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Drive Pilot lässt einfädeln 
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katze_sonne 11. Nov 2020

Naaajaaa. Vernetztes Fahren und GPS ist schon ne andere Sache. Außerdem funktioniert...

katze_sonne 11. Nov 2020

Stimmt, ist schließlich genau dasselbe. Ein Infotainment-System, das man täglich nutzt...

alphasucht 30. Okt 2020

Alter Falter! Was man in diesem alles für B******t lesen muss. Hier leben anscheinend...

JackIsBlackV8 30. Okt 2020

Bei Audi gibt es sowas schon. Funktioniert allerdings nur in Städten, deren Ampeln...

JackIsBlackV8 30. Okt 2020

Bei Toyota zahlst du das auch mit. Hat halt den Nachteil, dass man solche Features nicht...



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