Probefahrt im EQE: Die Taxi-Limousine, die kein Taxi sein darf

Der neue EQE von Mercedes-Benz ist die vollelektrische Version der erfolgreichen E-Klasse. Eine traditionelle Funktion wird der Limousine jedoch vorenthalten.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Der Mercedes-Benz EQE kommt im Sommer 2022 auf den Markt.
Der Mercedes-Benz EQE kommt im Sommer 2022 auf den Markt. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)

Die E-Klasse spielt im Produktfolio von Mercedes-Benz traditionell eine undankbare Rolle. Einerseits bleiben technische Innovationen und besondere Funktionen zunächst der S-Klasse vorbehalten, andererseits muss sie mit hohen Verkaufszahlen dem Konzern viel Umsatz bringen. Das gilt auch für das Elektrozeitalter: Der deutlich günstigere EQE soll die Technik des EQS erschwinglicher machen, ohne stark abzufallen. Das funktioniert an sich gut, doch traditionelle Einsatzzwecke der E-Klasse wie als Taxi lehnt Mercedes ab.

Die wichtigsten Eckdaten zum EQE nannte Mercedes-Benz schon auf der IAA 2021. Im März 2022 folgte die Preisliste. Mit einem Einstiegspreis von 70.000 Euro ist zumindest der EQE 350+ noch förderfähig. Die WLTP-Reichweite liegt bei 654 km.

Mehr Platz als in der E-Klasse

Mit 3,12 m ist der Radstand des EQE nur 9 cm kürzer als beim EQS, wobei das Fahrzeug mit einer Länge von 4,95 m etwa 27 cm kürzer als das Topmodell ist. Allerdings ist der EQS mit 5,22 m ein sehr langes Auto, das sogar das Tesla Model S um 25 cm überragt.

Der kleinere Innenraum beim EQE macht sich daher kaum bemerkbar. "Die Innenraummaße übertreffen sogar die heutige E-Klasse (BR 213) deutlich, z.B. beim Schulterraum vorn (plus 27 mm) oder bei der Innenraumlänge (plus 80 mm)", schreibt Mercedes. Einen auffallenden Unterschied gibt es jedoch im Vergleich zum EQS: Anstelle einer weit öffnenden Heckklappe gibt es eine feststehende Heckscheibe und einen Kofferraumdeckel. Das soll daran liegen, dass Mercedes das Panoramadach weiter nach hinten gezogen hat, um eine größere Kopffreiheit zu ermöglichen.

Kein Frunk, weniger Kofferraumvolumen

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Der Kofferraum wirkt daher deutlich kleiner als bei der Luxuslimousine. Den 610 Litern beim EQS stehen 430 beim EQE gegenüber. Zwar lassen sich die Rücksitze umklappen, doch der Platz zum Einladen sperriger Ladung ist begrenzt. Mit 540 Litern ist die aktuelle E-Klasse in der Mitte zwischen beiden Elektroautos angesiedelt. Das rührt unter anderem daher, dass der EQE wegen des langen Radstands nur einen recht kurzen Überhang hat.

Ebenso wie beim EQS lässt sich auch beim EQE die Fronthaube nicht öffnen. Das dient zur Verringerung des Luftwiderstands. Der Nachteil: Unter der Haube befindet sich selbst bei den Modellen ohne Frontmotor kein zusätzlicher Stauraum (Frunk), der bei Tesla-Modellen mehr als 100 Liter umfasst.

Elektromobilität: Grundlagen und Praxis

E-Klasse wird nicht mehr als Taxi angeboten

Der Möbel- oder Gütertransport ist sicherlich nicht der wichtigste Einsatzzweck des EQE. Die Limousine ist vielmehr dafür konzipiert, ihre Passagiere möglichst komfortabel und sicher von A nach B zu transportieren. Nicht umsonst ist die E-Klasse im Taxigewerbe beliebt. Pläne von Mercedes-Benz, die E-Klasse künftig nicht mehr als Taxi-Version anzubieten, wurden unlängst von der Branche "mit tiefem Entsetzen" zur Kenntnis genommen.

In einem Brief vom 1. März 2022, der Golem.de vorliegt, wollte der Taxi- und Mietwagenverband Deutschland Daimler-Vorstandschef Ola Källenius "dringend zum Umdenken bewegen". Weiter hieß es: "Einen Wegfall der E-Klasse als Taxi insgesamt sehen wir für unsere Gewerbe als katastrophal an und ein solcher Schritt wird zwangsläufig zu einer schweren Störung des Verhältnisses zwischen dem Gewerbe und Mercedes-Benz führen."

Taxibranche zeigt sich technologieoffen

Auf Anfrage von Golem.de bekräftigte das Unternehmen jedoch die Pläne: "Unsere Marktanalysen haben ergeben, dass in der Personenbeförderung künftig insbesondere die Nachfrage nach geräumigen, multifunktionalen Fahrzeugen mit höherem Einstieg und bis zu sieben Sitzplätzen weiter steigen wird. Mit unserer V-Klasse, dem EQV, dem Vito Tourer und dem eVito Tourer bedienen wir dieses Segment bereits erfolgreich." Während Volkswagen seine elektrische Carsharing-Flotte mit ID.3 und ID.4 auch als Werbebotschafter für die Elektromobilität sieht, verzichtet Mercedes bewusst auf diese Möglichkeit im Taxigewerbe.

  • Die Business-Limousine EQE ist das zweite Mercedes-Benz-Modell auf der vollelektrischen EVA-Plattform. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Vergleich zum Top-Modell EQS ist vor allem das Heck kürzer und anders gestaltet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ebenso wie beim EQS lässt sich beim EQE die Fronthaube nicht öffnen. Es gibt daher eine zusätzliche Öffnung zum Nachfüllen der Scheibenwaschanlage. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Neben dem EQE 350+ mit Heckantrieb sind drei Allradversionen geplant, davon zwei von der Tuning-Firma AMG. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der EQE hat keine große Heckklappe wie der EQS, sondern nur einen Kofferraumdeckel. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ohne umgeklappte Rücksitze beträgt das Gepäckvolumen 430 Liter, das Volumen bei umgeklappten Rücksitzen gibt Mercedes nicht an. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Unter der Kofferraumabdeckung befindet sich weiterer Stauraum. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Per Gleichstrom lässt sich der EQE mit bis zu 170 Kilowatt laden, mit Wechselstrom mit bis zu 11 kW. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Innenraum unterscheidet sich kaum vom größeren EQS. (Foto: Mercedes-Benz)
  • In der Basisversion verfügt der EQE über ein schwebendes Zentraldisplay, das nahtlos aus der Mittelkonsole hervorgeht. (Foto: Mercedes-Benz)
  • Beim EQE 500 4Matic gibt es den sogenannten Hyperscreen, der drei Monitore hinter einem gemeinsamen Deckglas miteinander verbindet. (Foto: Mercedes-Benz)
  • Bei einem Radstand von 3,09 Metern gibt es reichlich Platz für die Passagiere im Fond. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Bei Komfort und Verarbeitung muss man im Vergleich zur S-Klasse ebenfalls wenig Abstriche machen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das gilt auch für die Assistenzsysteme wie den Abstandsregeltempomat mit Lenkassistenz, die sich mit den Lenkradtasten gut bedienen lassen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Infotainmentsystem lässt sich entweder über Lenkradtasten oder per Stimme und Touchdisplay bedienen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Unter dem Display befindet sich noch eine Tastenleiste für die Fahrmodi Eco, Normal und Sport. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • In der Mittelkonsole befinden sich zwei USB-C-Anschlüsse und zwei Becherhalter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Gut gelöst ist bei Mercedes-Benz die Suche und Einbindung von Ladestationen auf der Route. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Etwas verwirrend ist bisweilen die Darstellung der Navigation durch das Zero-Layer-Konzept.  (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Verbrauch und Rekuperation lassen sich im System visualisieren. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Zero-Layer-Konzept soll alle wichtigen Funktionen auf einer Ebene darstellen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ein vergleichbares Verkehrszeichen hat das System als 60 km/h Tempolimit erkannt. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Verbrauch auf der Testfahrt war mit fast 23 kWh pro 100 km höher als erwartet. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Die Business-Limousine EQE ist das zweite Mercedes-Benz-Modell auf der vollelektrischen EVA-Plattform. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Würde denn der EQE ebenso wie die E-Klasse als "Brot-und-Butter-Taxi" taugen? Der Taxi- und Mietwagenverband hätte damit an sich kein Problem. "Bei einem entsprechenden Raum- und Platzangebot, einer qualitativ hochwertigen Verarbeitung sowie einem attraktiven Preisangebot spielt es für die Taxibranche keine Rolle, ob es sich bei dem Antrieb des Fahrzeugs um einen Verbrennungsmotor, vor allem Diesel, einen Wasserstoffmotor oder ein vollelektrisches Modell handelt", sagte Bundesgeschäftsführer Patrick Meinhardt auf Anfrage von Golem.de.

Nach Ansicht Meinhards wäre es "ein fataler Fehler, nicht zu erkennen, dass die Taxibranche auch weiterhin hochwertige Limousinen oder auch Kombis für die Beförderung von Geschäftsreisenden mit entsprechendem Platzangebot gerade im Fond sowie auch Fahrzeuge mit höherem Einstieg gerade für ältere Fahrgäste und auch Körperbehinderte im Bereich der Krankenfahrten braucht".

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Verbrauch nicht besser als beim EQS 
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sampleman 26. Apr 2022 / Themenstart

Merkwürdig, der ganze Artikel über dieses eine Auto wird getragen vom Genöle, dass der...

tralalala 21. Apr 2022 / Themenstart

Man sieht immer das Auto öfter, das man selbst fährt :-) Das Problem sind aber vor allem...

tralalala 21. Apr 2022 / Themenstart

Funktioniert sehr "zufällig"? :-) Ich habe selbst eine Verkehrszeichenerkennung im...

Chevarez 17. Apr 2022 / Themenstart

Ein digitaler Zwilling hat halt aber genau die Funktion, dass das übereinstimmt. Wenn...

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