Probefahrt auf der IAA: ID.4 und ID.5 erhalten aktuelle VW-Technik

Rund drei Jahre nach ihrem ersten Verkaufsstart sollen das Elektro-SUV ID.4 und dessen Coupéversion ID.5 eine deutlich verbesserte Technik erhalten. Das betreffe sowohl den Antrieb als auch das Infotainmentsystem und die Software, teilte der Autohersteller Volkswagen am 5. September 2023 mit. Genaue Preise und ein Bestelldatum stehen allerdings noch nicht fest.
In den ID.4 und ID.5 hält damit die Technik Einzug, die VW auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) für die neue Limousine ID.7 entwickelte . Dazu zählen beispielsweise beleuchtete Touchslider für die Klima- und Lautstärkeregelung. "Weiterentwickelt wurde das Augmented-Reality-Head-up-Display, neu konzipiert ein 480 Watt starkes Soundsystem von Harman Kardon" , schreibt VW.
Etwas kleiner als beim ID.7 ist weiterhin das zentrale Touchdisplay. Zwar ist dies künftig mit einer Bilddiagonale von 12,9 Zoll deutlich größer als bisher, jedoch hat der ID.7 mit 15 Zoll einen noch größeren Bildschirm.
Neues Lenkrad mit anderem Fahrwahlhebel
Übernommen vom ID.7 hat VW zudem das neu gestaltete Multifunktionslenkrad. Der Fahrwahlhebel befindet sich dabei nicht mehr seitlich am Fahrerdisplay, sondern als separater Hebel am Lenkrad. Etwas ungewohnt: Die Lautstärkeregelung ist nun auf dem linken Bedienfeld, mit dem auch die Assistenzsysteme wie der Travel Assist gesteuert werden.
"Alle ID.4 und ID.5 Modelle sind serienmäßig mit einer automatischen Distanzregelung ACC, einer Einparkhilfe für den Front- und Heckbereich, dem Notbremsassistenten Front Assist mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, dem Spurhalteassistenten Lane Assist, einer Abbiegebremsfunktion mit Ausweichunterstützung, der Müdigkeitserkennung und der Verkehrszeichenerkennung ausgestattet" , schreibt VW. Ein System, das freihändiges Fahren auf der Autobahn bis 130 km/h ermöglicht, sollen die Fahrzeuge auch gegen Aufpreis nicht erhalten.
Neuer Hinterradantrieb mit 210 kW
Ebenso wie der ID.7 erhalten die Elektro-SUVs einen neu entwickelten Antrieb. Beim ID.4 betrifft das aber nur die Versionen Pro, Pro 4Motion und GTX, während beim ID.5 alle Varianten den neuen Heckmotor mit 210 kW (286 PS) erhalten. Dabei steige das Drehmoment um 75 Prozent auf 545 Newtonmeter (Nm), während die Leistung nur um 60 kW zunehme.










Die Allradversion Pro 4Motion erhält einen zusätzlichen Frontmotor, wobei die Leistung des Gesamtsystems nur geringfügig auf 220 kW (299 PS) steigt. Bei den GTX-Versionen stehen künftig jedoch 250 kW (340 PS) und damit zusätzliche 30 kW zur Verfügung. "Die GTX-Modelle knacken nun klar die 6,0-Sekunden-Marke. Alle ID.4 und ID.5 ab einer Leistung von 210 kW werden fortan erst bei 180 statt 160 km/h abgeriegelt" , schreibt VW. Beim ID.4-Grundmodell ändert sich hingegen wenig. Der ID.4 Pure ist mit einer Leistung von 125 kW (170 PS) weiterhin maximal 160 km/h schnell.
Neuer Akku mit ein bisschen mehr Reichweite
Der neue ID.4 und der ID.5 müssen sich weiterhin mit einem 77-kWh-Akku begnügen, während es beim ID.7 auch eine Version mit 86 kWh gibt. Zur Reichweite macht VW noch keine verbindlichen Angaben, da die Homologierung noch nicht abgeschlossen ist. Es heißt lediglich, dass sich die Reichweite "nach ersten Prognosen" verbessern werde. Denn auch die Batterie sei neu.
Die maximale Ladeleistung steigt merkwürdigerweise nur bei den Allradmodellen von 135 auf 175 kW. Die Modelle mit reinem Heckantrieb laden weiterhin nur mit 135 kW. Beim Einstiegsmodell mit 52-kWh-Akku steigt die maximale Ladeleistung leicht von 110 auf 115 kWh.
Vorkonditionierung des Ladevorgangs
Für eine höhere Geschwindigkeit beim Laden soll künftig eine Vorkonditionierung der Batterie sorgen. "Besonders im Winter kann sich die Ladezeit um mehrere Minuten durch das Vorkonditionieren der Batterie verkürzen" , schreibt VW. Die Vorkonditionierung kann entweder automatisch über den Routenplaner oder manuell über das Bediensystem gestartet werden. Routen mit bis zu zehn Ladestopps und zehn Zwischenzielen können auf dem Smartphone oder im Webportal geplant und dann in die ID-Modelle übertragen werden.
Auf einer kurzen Probefahrt auf der IAA in München testeten wir mit einem ID.5 GTX unter anderem das neue Spracherkennungssystem Ida. Dieses erkannte unsere Sprachanweisungen recht gut. Zur Visualisierung werden die erkannten Wörter nun deutlich sichtbar in der oberen Zeile des Displays angezeigt. Manche Funktionen, etwa das Ein- und Ausschalten der Massagesitze, beherrscht Ida aber noch nicht.
Verbesserte Sprachassistentin
Die Sprachassistentin kann nun auch zwischen Fahrer und Beifahrer differenzieren und unbestimmte Eingaben umsetzen. "Den Wunsch 'Hallo ID., mir ist kalt!' beantworten beide ID. Modelle damit, die Temperatur in der Zone des Sprechenden um 1 Grad Celsius zu erhöhen" , schreibt VW. Darüber kann das System durch die Einbindung von Wikipedia allgemeine Fragen beantworten. Auch Angaben zum Wetter, zum Flugstatus von Linienmaschinen oder zu Sportereignissen und Börsenkursen seien möglich.
Die Navigation verläuft flüssig und gut aufgelöst. Allerdings erschien uns die Kartendarstellung in Abbiegesituation des Öfteren nicht so präzise wie gewünscht. Das Textfahrzeug verfügte bereits über die Softwareversion ID 4.0. Diese ermöglichte eine Routenplanung mit automatisch eingefügten Ladestopps. Die Ladepausen lassen sich bei längeren Strecken übersichtlich in einer Liste anzeigen, allerdings nicht individuell löschen.

Preis noch offen
Über den Sinn und Zweck der Head-up-Displays mit Augmented Reality lässt sich sicherlich streiten. Wenn aus der Darstellung auf der Karte nicht eindeutig hervorgeht, welche Spur genommen werden muss, bringen die Pfeile vor der Windschutzscheibe vermutlich wenig. Es hat wohl seinen Grund, warum sogar Mercedes-Benz inzwischen auf die Google-Navigation umschwenkt.
Insgesamt geht VW beim Facelift des ID.4 und ID.5 noch ein bisschen weiter als zuletzt beim ID.3. Allerdings ändert sich bei den SUV-Modellen äußerlich nichts. Doch die Änderung beim Antrieb und beim Infotainment merzt einige Unzulänglichkeiten der bisherigen Versionen aus. Die Fahrzeuge werden durch das Update zweifellos attraktiver. Wie sich das auf den Preis auswirken wird, bleibt abzuwarten.



