Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Proba-3: Langsame Sonnenwinde sind schneller als erwartet

Die Proba-3-Mission zeigt, dass der langsame Sonnenwind in der Korona viel schneller ist als gedacht. Das zeigen Daten einer künstlichen Finsternis.
/ Patrick Klapetz
1 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Proba-3 verfolgt den Sonnenwind. (Bild: ESA/Proba-3/ASPIICS & ESA/Proba-2/SWAP (ROB), A. Debrabandere (ROB)
Proba-3 verfolgt den Sonnenwind. Bild: ESA/Proba-3/ASPIICS & ESA/Proba-2/SWAP (ROB), A. Debrabandere (ROB

Sonnenwinde können auf der Erde nicht nur Polarlichter auslösen, sondern auch Satellitenausfälle verursachen oder den Flugverkehr beeinträchtigen. Im Weltraum platzierte Sonnenobservatorien dienen als Frühwarnsysteme.

Doch auch die Grundlagenforschung ist wichtig, wie sich bei einer simulierten Sonnenfinsternis während der Proba-3-Mission gezeigt hat: Es stellte sich heraus, dass die langsamen Sonnenwinde, die in der Korona – der heißen, äußeren Atmosphäre der Sonne – entstehen, viel schneller sind als von der Fachwelt bisher angenommen(öffnet im neuen Fenster).

Das Satellitenduo der europäischen Weltraumorganisation Esa simulierte die Sonnenfinsternis während eines Formationsflugs, bei dem einer der Satelliten die Sonne so verdeckte, dass nur noch die Korona zu sehen war. Nur so lassen sich die Aktivitäten auf der Sonnenoberfläche genau beobachten, da die Korona ansonsten überstrahlt wird.

480 km/s statt 100 km/s

"In der inneren Korona, einem sehr schwer zu beobachtenden Bereich, sahen wir langsame Sonnenwindböen, die sich drei- bis viermal schneller bewegten als erwartet", teilte der Sonnenphysiker Andrei Zhukov (Königliches Observatorium von Belgien) in einer Presseerklärung(öffnet im neuen Fenster) mit.

Bisher wurden Geschwindigkeiten von 100 bis 150 km/s angenommen, die sich erst weiter außen auf 300 km/s und mehr erhöhen. Die jetzt gemessenen Geschwindigkeiten traten bereits in geringem Abstand zum Sonnenrand ab etwa 1,1 Sonnenradien auf. Direkt über der Oberfläche erreichten sie bis zu 480 km/s.

Der langsame Sonnenwind entsteht wahrscheinlich, wenn die Magnetfeldlinien der Sonne aufbrechen und sich neu verbinden. Er tritt im Gegensatz zum gleichmäßigen Strom des schnellen koronalen Windes, der mit Geschwindigkeiten von etwa 400 bis 800 km/s das Weltall durchquert, in böigen Clustern aus der Sonne aus, die auf Abbildungen der Korona als helle Strahlen sichtbar sind.

Okkultoren: die Korona sichtbar machen

Um die Korona sichtbar zu machen, werden spezielle Instrumente namens Okkultoren verwendet. Bei bodengestützten Teleskopen besteht das Problem, dass die Okkultoren auch den Bereich der Korona abdecken müssen, der der Sonnenoberfläche am nächsten liegt. Dadurch wird verhindert, dass das extrem helle Licht der Sonne die empfindlichen Messgeräte blendet oder überstrahlt. Jedoch entsteht der Sonnenwind genau in dieser Region.

Bis vor Kurzem waren natürliche totale Sonnenfinsternisse die einzige Möglichkeit, diesen Bereich zu beobachten. Sie treten jedoch im Durchschnitt weniger als einmal pro Jahr irgendwo auf der Erde auf und dauern nur wenige Minuten.

Die im Dezember 2024 gestarteten Proba-3-Sonden fliegen ihre Formationsflüge mit einem Abstand von 150 Metern und führten seit dem Start bereits 57 Sonnenbedeckungen durch. Dabei nahmen sie 250 Stunden hochauflösendes Videomaterial der kaum erforschten Region auf, in der sich der Sonnenwind bildet. Die Messungen zeigen, dass der langsame Sonnenwind ungleichmäßig von der Sonnenoberfläche austritt und dabei kleinräumige Störungen des Magnetfelds erzeugt.

Zur Studie

Die Studie wurde am 9. März 2026 in The Astrophysical Journal Letters veröffentlicht: Ubiquitous Small-scale Dynamics in the Slow Solar Wind Formation Region Observed by Proba-3/ASPIICS(öffnet im neuen Fenster) (Von Proba-3/ASPIICS beobachtete allgegenwärtige Dynamik im Bereich der Entstehung des langsamen Sonnenwinds).


Relevante Themen