Privatsphäre: US-Militär testet Überwachung per Stratosphären-Ballon

Mit Ballons gegen Drogenhändler: Das US-Militär testet mit Radar ausgestattete Ballons, um damit Drogenlieferanten aufzuspüren. Bei Tests im Mittleren Westen wurden dabei massenhaft Daten über US-Bürger gesammelt. Bürgerrechtler sind empört.

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Höhenballons der Nasa (Symbolbild) können unbemannt und lange im Einsatz sein.
Höhenballons der Nasa (Symbolbild) können unbemannt und lange im Einsatz sein. (Bild: Nasa)

Die einen nutzen Stratosphären-Ballons, um Internet in die entlegensten Gegenden der Welt zu bringen, die anderen, um Fahrzeuge zu überwachen: Das US-Militär testet Ballons, die mit Überwachungstechnik ausgerüstet sind, in mehreren US-Bundesstaaten im Mittleren Westen.

Die Ballons schweben in etwa 20 Kilometer Höhe. Ausgestattet sind sie mit Sensoren und einem Kommunikationssystem. Zu der Sensorik gehört ein leistungsfähiges Radar, das gleichzeitig viele Fahrzeuge überwachen kann, bei Tag und Nacht ebenso wie bei jedem Wetter. Die Ballons sollen als dauerhaftes Überwachungssystem gegen Drogenhändler sowie gegen Bedrohungen der nationalen Sicherheit der USA eingesetzt werden, heißt es in einem Dokument, das das US-Luft- und Raumfahrtunternehmen Sierra Nevada Corporation (SNC) bei der Regulierungsbehörde Federal Communications Commission (FCC) eingereicht hat.

Bis zu 25 dieser Ballons seien im US-Bundesstaat South Dakota gestartet. Sie seien dann rund 400 Kilometer weit über Minnesota, Iowa, Wisconsin und Missouri bis nach Illinois gedriftet, wo sie gelandet seien. Die FCC habe die Tests für den Zeitraum von Mitte Juli bis September genehmigt, schreibt The Guardian. Die britische Tageszeitung hat als Erstes darüber berichtet. Im vergangenen Jahr hat es demnach bereits ähnliche Testflüge gegeben.

Das United States Southern Command jagt Drogenkuriere

Auftraggeber der Tests ist das U.S. Southern Command (Southcom) des US-Militärs, das die militärischen Operationen aller Truppengattungen in Süd- und Mittelamerika sowie in der Karibik steuert. Dazu gehören Sicherheits- und Spionagemissionen ebenso wie Katastropheneinsätze. Eine der wichtigsten Aufgaben des Southcom: Drogenlieferungen in die USA abzufangen.

Bisher setzt das Southcom Flugzeuge ein, um Drogenlieferanten aufzuspüren. Die benötigen allerdings eine Besatzung und haben eine begrenzte Einsatzdauer. Die Ballons hingegen sind unbemannt und können über einen langen Zeitraum in der Luft sein. Sie navigieren - ähnlich wie die Ballons von Loon -, indem sie auf- und absteigen. In den verschiedenen Luftschichten wehen die Winde in unterschiedliche Richtungen.

US-Bürgerrechtler sind empört über die Tests und sehen darin eine Bedrohung der Privatsphäre. "Wir sind nicht der Ansicht, dass amerikanische Städte großflächig überwacht werden sollten, wobei jedes Fahrzeug überallhin verfolgt werden kann, wo es hinfährt", kritisierte Jay Stanley von der Organisation American Civil Liberties Union (ACLU). "Selbst in den Tests sammeln sie eine Menge Daten über Amerikaner: Wer fährt zum Gewerkschaftshaus, zur Kirche, zur Moschee, zur Alzheimer-Klinik." Solche Tests sollten nicht erlaubt werden, fordert er.

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Köln 05. Aug 2019

Nichts in 20km Höhe ist ein leichtes Ziel.

Daem 05. Aug 2019

Whataboutism vom Feinsten. Nein, mit Ballons spionieren bisher nur die USA.

Liwj 04. Aug 2019

Einfach selbst kochen statt auf Fertigprodukte zurückzugreifen reicht doch schon.

DreiChinesenMit... 04. Aug 2019

Schon eine Weile her, da hatte ich einen Vortrag von US Militär gesehen. Es ist war kein...



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