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Privatsphäre im Netz: Open-Source-Projekte sollen 1984 verhindern

Orwell wird Realität, und viele merken es gar nicht: Zu diesem Schluss kommt eine Studie zur Privatsphäre im Netz. Abhilfe können laut den Experten unter anderem Open-Source-Projekte schaffen.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Förderung von Open-Source-Software soll helfen, die Privatsphäre von EU-Bürgern zu schützen, sagen Experten.
Die Förderung von Open-Source-Software soll helfen, die Privatsphäre von EU-Bürgern zu schützen, sagen Experten. (Bild: Larry Ellis/Express/Getty Images)

EU-Bürger haben noch längst nicht genug Online-Privatsphäre und sind sich gar nicht bewusst, wie ungeschützt sie sich im Internet bewegen: Zu diesem Schluss kommt eine zweiteilige Studie. Die verfügbaren Werkzeuge, um sich sicher im Netz zu bewegen, würden nur unzureichend erklärt oder seien nicht vertrauenswürdig. Die Experten schlagen vor, eine Informationskampagne zum Datenschutz und der IT-Sicherheit zu starten. Zudem sollten Open-Source-Werkzeuge verstärkt gefördert werden. Allerdings müssten sie stärker geprüft werden, unter anderem mit Fördergeldern der EU. Die Studien wurden vom Ausschuss für Technikfolgenabschätzung des EU-Parlaments (Science and Technology Options Assessment, STOA) in Auftrag gegeben.

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Im ersten Teil der Studie, die das spanische Forschungsinstitut Tecnalia erstellt hat, wird anhand von Informationen, die im Zuge der Enthüllungen durch Edward Snowden bekannt wurden, aufgezeigt, dass die Massenüberwachung durch Geheimdienste massiv den Datenschutz verletzt. Es sei zwar notwendig, gezielt gegen Internetkriminalität vorzugehen, allerdings sei die uneingeschränkte Datensammlung ein klarer Verstoß gegen den Schutz der Privatsphäre und das Recht zur freien Meinungsäußerung.

Aus technischer Sicht seien die meisten Eingriffe in die IT- und Telekommunikationssysteme illegal. Die zunehmende automatisierte Verarbeitung der gesammelten Daten durch Softwareanalyse beschwöre zudem ein Bild einer orwellschen Gesellschaft, die Realität zu werden scheint. Die meisten Bürger seien sich dieser Gefahr aber gar nicht bewusst, schreiben die Experten.

Experten fordern auch politische Lösungen

Und auch wenn die Bürger sich dagegen wehren wollen, seien viele der Werkzeuge, die ihnen zur Verfügung stehen, für weniger versierte Anwender kaum nutzbar. Deshalb rät die Studie dazu, eine Aufklärungskampagne zu starten und zusätzlich den Einsatz von Werkzeugen zu fördern, die für Nutzer leicht zu verwenden sind, etwa zur Verschlüsselung. Allerdings seien technische Lösungen kein Allheilmittel, schreiben die Experten. Stattdessen müssten die EU-Gesetzgeber gleichzeitig nach politischen Lösungen suchen, die eine adäquate Balance zwischen den legitimen Bedürfnissen der nationalen Sicherheit und den Bürgerrechten gewährleisten. An dieser Diskussion müssten auch die Bürger selbst beteiligt werden.

Die zweite Studie untersucht die Möglichkeiten, die digitale Privatsphäre zu schützen. Das wichtigste Werkzeug sei dabei die Förderung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Dafür sollen vor allem Open-Source-Lösungen gefördert werden, darunter OpenSSL, Truecrypt beziehungsweise einer seiner Nachfolger, Ciphershed, GPG, Tor oder OwnCloud. Die Studie betrachtet Open-Source-Lösungen allerdings als nicht ganz unkritisch. Sicherheitslücken wie Heartbleed oder Poodle hätten gezeigt, dass auch quelloffene Software nicht fehlerfrei sei und gravierende Mängel aufweisen könne.

Keine europäischen Insellösungen

Die Experten der niederländischen Beratungsfirma Capgemini schlagen deshalb vor, solche Projekte nicht nur verstärkt zu fördern, sondern auch regelmäßige Überprüfungen durchzuführen und entsprechende Zertifizierungen auszustellen. Die EU solle zudem auf offene Protokolle im Internet bestehen. Ein abgeschottetes europäisches Internet lehnen die Experten aber ab.

Da europäische Lösungen als Ersatz für US-Angebote wie Suchmaschinen oder Cloud-Dienste nur sehr schwierig umzusetzen seien, fordern die Experten stattdessen ein rigoroses Regelwerk für den Export persönlicher Daten. Strenge Haftungsauflagen und hohe Geldstrafen sollten die Einhaltung der Regeln untermauern.

Gefahren durch neue Technologien

Aber selbst die vorgeschlagenen Lösungen seien durch neue Technologien gefährdet, die in absehbarer Zeit weite Verbreitung finden würden. Dazu zählen die Experten unter anderem das Internet der Dinge, wodurch die Überwachungsmöglichkeiten drastisch erweitert werden können. Der zunehmende Einsatz von Big-Data-Lösungen in Kombination mit dem Internet der Dinge könne zwar wertvolle Daten für das Wohlbefinden der Nutzer liefern, aber auch zu weiterem Missbrauch führen, sagen die Experten. Sie warnen zudem vor dem nutzbaren Einsatz von Quantencomputern beim Knacken herkömmlicher Verschlüsselung. Auch fordern sie eine politische und gesellschaftliche Debatte zu diesen Problemen. Denn Lösungsmöglichkeiten allein den technologischen und wirtschaftlichen Kräften zu überlassen, wäre für alle unbefriedigend.



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plutoniumsulfat 28. Jan 2015

Dann könnte auch der Wachmann den Chip einer fremden Firma nicht so einfach entfernen...

xyzzy 27. Jan 2015

Das eigentliche (Marketing?)- Argument bei OSS ist nicht etwa die (manchmal sehr...

redwolf 27. Jan 2015

Das hat IMO mehr mit der Wartbarkeit zu tun. Gibt es in einer Komponente ein Problem...

plutoniumsulfat 27. Jan 2015

Sehr gute Unterscheidung, was zum Betrieb nötig ist.

Nadja Neumann 27. Jan 2015

Naja Wenigstens das Ministry of Love (solange du kein Terrorverdächtiger in den USA bist...


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