Prior Labs und Dremio: SAP kauft sich seine KI-Zukunft zusammen
Zwei Übernahmen auf einmal: SAP kauft die KI-Schmiede Prior Labs und Dremio. Prior Labs wurde erst Ende 2024 gegründet. Das Start-up ist auf sogenannte Tabellenmodelle spezialisiert(öffnet im neuen Fenster) – KI-Modelle, die mit strukturierten Geschäftsdaten in Tabellenform arbeiten. Laut SAP liegt Prior Labs in öffentlichen Vergleichen(öffnet im neuen Fenster) dieser Modellkategorie weit vorn, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster).
SAP-Technologiechef Philipp Herzig sagte, Ziel sei es, die eigene KI-Entwicklung deutlich zu beschleunigen. Das Gründerteam von Prior Labs soll dabei eine zentrale Rolle spielen. In den kommenden vier Jahren will SAP mehr als eine Milliarde Euro in diesem Bereich investieren. Der Kaufpreis soll nach Informationen aus Branchenkreisen im mittleren dreistelligen Millionenbereich liegen. Das Start-up hatte zuvor rund neun Millionen Euro Risikokapital erhalten, heißt es beim Handelsblatt.
Lücke zwischen Sprachmodellen und Geschäftsdaten
SAP entwickelt grundsätzlich keine eigene KI-Basistechnologie, sondern integriert Modelle von Anbietern wie OpenAI, Anthropic oder IBM in seine Geschäftsanwendungen. Bei Tabellenmodellen geht der Konzern seit 2023 einen anderen Weg: Die eigene Entwicklungsabteilung hat mit RPT-1 bereits ein Modell entwickelt, das auf strukturierte Datensätze spezialisiert ist. Mit der Prior-Labs-Übernahme soll diese Arbeit nun beschleunigt werden.
Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Große Sprachmodelle tun sich mit numerischen und tabellarischen Daten schwer. Klassisches maschinelles Lernen hingegen muss für jede Aufgabe neu trainiert werden. Tabellenmodelle sollen beides verbinden – Genauigkeit und Flexibilität.
Datenbasis für autonome KI-Agenten
Parallel zur Prior-Labs-Übernahme kauft SAP das US-Unternehmen Dremio, das seit 2015 insgesamt 420 Millionen US-Dollar Risikokapital erhalten hat und 2022 mit zwei Milliarden US-Dollar bewertet worden war. Dremio ist im Bereich Data Lakehouse aktiv.
Ein Data Lakehouse(öffnet im neuen Fenster) ist eine moderne Datenarchitektur, die die kostengünstige, flexible Speicherung eines Data Lakes mit der Datenverwaltung und Struktur eines Data Warehouses auf einer Plattform vereint. Es ermöglicht SQL-Analysen, BI-Berichte und KI/Maschinelles Lernen auf strukturierten und unstrukturierten Daten ohne Datensilos.
Dremio soll in SAPs Plattform Business Data Cloud integriert werden. Schon vor einigen Wochen hatte SAP die Übernahme von Reltio angekündigt, einem Anbieter für Datenmanagement. Alle drei Übernahmen zielen in dieselbe Richtung: SAP arbeitet derzeit an KI-Agenten, die mehrere Arbeitsschritte autonom erledigen sollen. Damit solche Agenten ganze Geschäftsprozesse steuern können, brauchen sie eine einheitliche und verlässliche Datenbasis – genau das sollen Reltio und Dremio liefern.
Der Konzern kauft sich damit in kurzer Zeit ein Fundament zusammen, das er intern offenbar nicht schnell genug aufbauen konnte.
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



