Eine schwierige Linie für das Primove-System
Das alles täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sich die BVG eine schwierige Linie für den Testbetrieb ausgesucht hat. Nur weil die Busse elektrisch fahren, heißt das nicht, dass sie pünktlicher fahren. Schon die ersten Fahrten, die wir auf der Mitte der Strecke beobachtet haben, haben innerhalb eines Umlaufs Verspätungen von 5 bis 10 Minuten angesammelt. Und das wohlgemerkt zur Mittagszeit, ohne Berufsverkehr und Fahrgastandrang sowie bei pünktlicher Abfahrt. Anwohner dieser 20-Minuten-Takt-Buslinie werden also auch weiterhin mit einem unpünktlichen Fahrtablauf rechnen müssen.
Auch das Anzeigesystem Daisy, das erst vor kurzem für mehrere Tage wegen eines Softwareupdates ausfiel, mochte den Wechsel auf die E-Busse nicht. Wer den Anzeigetafeln glaubte, sah offiziell gestrichene Fahrten. Der Bus fuhr natürlich trotzdem. Erst später stabilisierte sich die Echtzeitanzeige.
Für den Testbetrieb ist das aber ideal. Während in Mannheim, wo Bombardier Primove entwickelt, vor allem das kurze Unterwegsladen getestet wird, ist die Berliner Strecke staugeplagt und muss mit Reserven arbeiten. Deswegen sind die Busse auch 130 Kilogramm schwerer als Dieselbusse, da der Akku in Berlin 90 statt 60 kWh Kapazität bietet.
Viel Komfort
Anders als bei bisherigen Testfahrten konnten wir uns dieses Mal ein Praxisszenario anschauen. Und hier überzeugten die Busse. Lauter als das Fahrgeräusch war die Klimaanlage, die allerdings durch Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius am Eröffnungstag zu kämpfen hatte. Auffallend ist die elektrische Bremse mit Energierückgewinnung, die einen ungewohnten Klang im Innenraum erzeugt. Die Nähe zu Bahnsystemen ist unüberhörbar, aber nicht störend.
Die Busse fahren im Betrieb ruckfrei an und bieten im Innenraum ein ungewöhnliches Bild. Normalerweise verbaut Solaris in seinen Bussen hinten stehend einen Motor, der Platz wegnimmt. Auch fehlt unter den letzten Sitzreihen so viel Technik, dass der gesamte Bus niederflurig aufgebaut ist. Die Stolperfallen typischer Eindecker in Berlin fehlen, und es gibt hinten mehr komfortable Sitzplätze. So eignen sich die hinteren Sitzplätze, die in anderen Bustypen in der Regel nur von jüngeren Fahrgästen besucht werden, für ältere oder gehbehinderte Fahrgäste.
Test mit Potenzial für die Verlängerung
Der Betrieb ist zunächst für rund ein Jahr gefördert und vorgesehen. Berlin will zudem bis 2023 das Projekt weiter unterstützen, Details stehen allerdings noch nicht fest. Doch sowohl der Senat als auch die BVG wollen die Busse anschließend weiter betreiben. Zunächst muss sich das System im Verkehr einer Großstadt aber bewähren. Vor allem in Mannheim arbeitet Bombardier schon an der nächsten Primove-Generation: Dort ist ein Vito-Transporter mit einem Primove-System bestückt. In zwei Jahren, also vermutlich 2017, will Bombardier auch diesen Markt versuchen zu erobern. Bisher ist Primove nur in Bussen und einem Straßenbahnsystem im Einsatz. Für Straßenbahnen wurde das System ursprünglich entwickelt.
Mehr Informationen zu dem Primove-System finden sich in unserem fünfseitigen Artikel Eine E-Bus-Fahrt, die ist lustig sowie dem Nachfolgeartikel Effiziente Induktion, Wasserstoff für Akkus und Schwungräder, in dem wir sowohl historische als auch aktuelle Alternativen des ÖPNV betrachten.
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| Primove in der Hauptstadt: Berlin hat wieder eine E-Bus-Linie |
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Hier wird aber einiges durcheinander gebracht. Natürlich gibt es auch bei Strom...
Eine Strassenbahn hat eine andere Kapazität und ist daher nicht für jede Busstrecke...
Moderne Busse sind aber nun mal allesamt Niederflurbusse, um auch das Einsteigen für...
Danke