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Prime Video: Will Amazon Abokunden an Werbung gewöhnen?

Prime-Kunden sehen seit einiger Zeit in Amazons Videodienst Zwangs-Werbeclips. Anscheinend will Amazon seine Kunden Stück für Stück an Werbung gewöhnen. Jedenfalls hält sich Amazon mit der Menge der ausgelieferten Werbeclips bewusst zurück - derzeit zumindest.
/ Ingo Pakalski
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Amazon liefert Werbeclips an Prime-Video-Kunden. (Bild: Spencer Platt/Getty Images)
Amazon liefert Werbeclips an Prime-Video-Kunden. Bild: Spencer Platt/Getty Images

In der Zukunft könnte die jetzige Epoche rückblickend als goldenes Zeitalter der Video-Streaming-Abos gesehen werden: Für den preislichen Gegenwert einer Angebots-DVD kann der Streaming-Kunde einen Monat lang so viele Filme und Serien schauen, wie er möchte. Zwischen den beiden Platzhirschen Amazon und Netflix ist ein harter Wettbewerb entbrannt.

Beide Anbieter möchten ihren Kunden möglichst viele exklusive Inhalte anbieten, um sich so vom jeweiligen Konkurrenten abzuheben. Daher produzieren beide Firmen derzeit sehr viele Serien und Filme auf eigene Kosten. Das muss finanziert werden und Netflix hat aus diesem Grund bereits vor einiger Zeit die Gebühren für den Dienst in Deutschland erhöht.

Inhalt des Werbeclips variiert abhängig vom Wiedergabegerät

Während Netflix-Kunden bislang keine Werbeclips innerhalb des Dienstes gesehen haben, hat Amazon im Sommer 2015 damit begonnen, solche Clips in den Videodienst zu schalten. Wer Amazons Videodienst auf einem der Fire-TV-Geräte anschaut, erhält in den Werbeclips ausschließlich Hinweise auf Filme und Serien, ergeben die Beobachtungen von Golem.de. Auf einem Amazon-Konto ohne zugewiesenes Fire-TV-Gerät erhielten wir hingegen auch Werbung für den Kauf von Geräten auf der Amazon-Homepage. Amazon bewirbt die Fire-TV-Geräte, damit der Kunde den Videodienst künftig darauf ansehen kann.

Wir wollten uns von Amazon die Hintergründe und die Zielrichtung der Werbeclips erklären lassen, aber Fragen dazu wollte das Unternehmen nicht beantworten. Amazon erklärte Golem.de, dass die Clips ausschließlich an Prime-Abonnenten ausgeliefert würden. Wer also bei Amazons Videodienst ein digitales Video ausleiht oder kauft, sieht die Clips nicht.

Nach unserer Beobachtung weisen die Werbeclips vor allem auf Serien hin, bei denen Amazon als Produzent auftritt und die im Prime-Abo enthalten sind. Amazon sieht darin keine Werbung, sondern versteht die Trailer als Programmhinweise.

Werbeclips können den Streaming-Genuss unterbrechen

Amazon beteuert, es gebe generell keine Unterbrecher-Clips. Nach unserer Beobachtung werden die Clips zwar nur vor einem Spielfilm oder einer Folge einer Fernsehserie gebracht. Allerdings wird die Werbung eben auch mitten in Serien gesendet - direkt zwischen zwei Episoden. Damit unterscheidet es sich nur in der Länge von Unterbrecherwerbung im normalen Fernsehprogramm und widerspricht Amazons Zusicherung.

Amazon schweigt zur Cliphäufigkeit

Zur Häufigkeit der Werbeclip-Auslieferungen pro Kunde machte Amazon Golem.de nur eine sehr vage Andeutung: Die Menge der Werbeclips sei sehr limitiert, weil Amazon das Streaming-Erlebnis nicht stören wolle. Dazu passt aber nicht, dass der Abokunde lästigerweise die Werbeclips immer bis zum Ende laufen lassen muss. Erst dann startet die betreffende Serienfolge oder der ausgewählte Film. Es ist nicht möglich, den Werbeclip vorzuspulen oder zu überspringen - einen Grund dafür wollte Amazon auf Nachfrage nicht nennen.

Nach unseren Beobachtungen geht Amazon derzeit behutsam mit der Auslieferung der Werbeclips vor. Mehr als ein Werbeclip pro Tag ist die Ausnahme, selbst wenn der Dienst mehrere Stunden in Anspruch genommen wird. Je nach Medienkonsum ist es auch möglich, dass der Kunde nur alle paar Tage einen Werbeclip zu Gesicht bekommt. Im Vergleich zu Werbeschaltungen im klassischen Fernsehen ist das also sehr wenig.

Außerdem gibt es derzeit keine Werbeschaltungen für Nicht-Amazon-Produkte. Wie es mit den Werbeschaltungen bei Prime Video weitergeht, lässt sich noch nicht sagen. Aber es erscheint nicht abwegig, dass Amazon die Werbeschaltungen intensivieren wird. Zum Vergleich: Abonnenten des Pay-TV-Angebots von Sky erhalten trotz Bezahlung ebenfalls keinen komplett werbefreien Dienst. Auch hier gibt es zwischen den einzelnen Sendungen Werbeclips.

Derzeit ist Amazons Hauptkonkurrent Netflix frei von Werbeclips, allerdings kostet der Dienst mindestens doppelt so viel wie das Amazon-Angebot, das noch weitere Dienstleistungen enthält, die es so für Netflix-Kunden nicht gibt.

Ein Blick in die Zukunft

Möglicherweise ist es bald gang und gäbe, dass bei Video-Streaming-Abos Werbung geschaltet wird, damit der Kunde den Dienst zu einem vergleichsweise günstigen Monatspreis nutzen kann. Wenn es so weit ist, können Kunden dann nicht mehr ausweichen und zu einem anderen Anbieter wechseln.

Speziell bei Amazon sind enge Verknüpfungen zwischen den jeweiligen Bereichen denkbar. Vielleicht ist es in einigen Jahren ganz normal, dass Amazon-Kunden passend zu dem in einem Spielfilm zu sehenden Produkt Werbung erhalten, um das betreffende Produkt noch beim Filmschauen bei Amazon zu bestellen.


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