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Prime Video mit noch mehr Werbung: Verbraucherschützer planen Klage gegen Amazon

Für Verbraucherschützer ist klar: Die geplante Zusatzwerbung in Prime Video ist eine versteckte Preiserhöhung. Der müssten Abonnenten zustimmen.
Aktualisiert am , veröffentlicht am / Ingo Pakalski
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Verbraucherschützer gehen gegen Amazon wegen Zusatzwerbung in Prime Video gerichtlich vor. (Bild: Pixabay / Montage: Golem.de)
Verbraucherschützer gehen gegen Amazon wegen Zusatzwerbung in Prime Video gerichtlich vor. Bild: Pixabay / Montage: Golem.de

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bereitet eine Klage gegen Amazon vor. Es geht darum, dass Amazon ab dem 5. Februar 2024 in Prime Video zusätzliche Werbung schalten wird. Dieses Vorgehen kritisierte die Stiftung Warentest bereits; sie sieht die Einführung der zusätzlichen Werbung in Prime Video als rechtswidrig an . Der vzbv habe Amazon deswegen erst abgemahnt und bereite nun eine Klage vor, berichtete das Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) mit Verweis auf Aussagen der Verbraucherschützer. Der vzbv hat Golem.de alle Angaben im Bericht bestätigt.

Diese kritisieren, dass Abonnenten die zusätzliche Werbung ohne Zustimmung aufgedrückt werde. Amazon informierte Prime-Abonnnenten Anfang Januar 2024 per E-Mail darüber, dass Prime Video ab 5. Februar 2024 Werbung erhalten werde. Dabei fehlte jeder Hinweis dazu, dass Amazon bereits seit fast acht Jahren Werbung in Prime Video zeigt .

Tatsächlich wird also ab dem 5. Februar 2024 noch mehr Werbung als bisher in Prime Video geschaltet. Amazon holte sich keine Zustimmung von Abonnenten, künftig Werbung innerhalb von Filmen und Serienepisoden zeigen zu dürfen.

Werbefrei-Option in Prime Video ist nicht werbefrei

Die Verbraucherschützer sehen darin "eine wesentliche Vertragsänderung" und eine "versteckte Preiserhöhung" , weil für ein vermeintlich werbefreies Angebot künftig ein Aufschlag bezahlt werden müsse. Mittlerweile ist bekannt, dass die von Amazon angebotene Werbefrei-Option nicht werbefrei ist . Auch nach Zahlung der Werbefrei-Option von 2,99 Euro gibt es Werbung in Prime Video, die nicht mehr übersprungen oder vorgespult werden kann.

Sowohl für eine wesentliche Vertragsänderung als auch für die versteckte Preiserhöhung hätte Amazon die Zustimmung der Abonnenten einholen müssen, sagen die Verbraucherschützer. Diese Ansicht teilt auch die Stiftung Warentest, denn die Änderung sei "der Sache nach eine Preiserhöhung" . Eine Preiserhöhung ist nur mit Zustimmung der Kunden zulässig, das entschied der Bundesgerichtshof in etlichen Verfahren.

Verbraucherschützer sind sich einig

Prime-Video-Abonnenten hätten "weiterhin Anspruch auf die werbefreie Option für den bisher vertraglich vereinbarten Betrag" , sagte vzbv-Chefin Ramona Pop und teilte damit die Rechtsauffassung der Stiftung Warentest. Amazon dürfe Abonnenten von Prime Video "nicht einfach vor vollendete Tatsachen stellen" . Sie hält das für eine "Missachtung von Verbraucherrecht" .

Der vzbv hatte eine Amazon-Tochter zunächst abgemahnt, nun soll in den kommenden Wochen eine Klage eingereicht werden. Auf Handelsblatt-Anfrage wollte Amazon die geplante Klage nicht kommentieren. Golem.de bat Amazon um eine Stellungnahme zu dem Bericht und wird berichten, sobald Antwort vorliegt.

Erst kürzlich verloren Netflix und Spotify vor Gericht , nachdem beide Firmen gegen ein Urteil in Berufung gegangen waren. Beide Anbieter wollten mit der Berufung erwirken, dass sie trotz Gerichtsurteil Preise ohne Zustimmung der Abonnenten erhöhen dürfen. Damit scheiterten sie vor Gericht.

Nachtrag vom 6. Februar 2024

Zur geplanten Klage des vzbv sagte ein Amazon-Sprecher Golem.de: "Um weiterhin in fantastische Inhalte zu investieren und diese Investitionen über einen langfristigen Zeitraum hoch zu halten, werden Prime-Video-Titel in Deutschland seit dem 5. Februar 2024 in beschränktem Umfang Werbung enthalten, ähnlich zu den Werbeeinblendungen, die bereits zuvor in anderen Prime-Video-Inhalten wie beispielsweise Live-Sport zu sehen waren."

Weiter heißt es von Amazon: "Wir haben Kunden über dieses Update bei Prime Video transparent, im Voraus und in Übereinstimmung mit geltendem Recht informiert. Wir bieten eine werbefreie Version für Kunden an, die diese Option bevorzugen, und alle Kunden haben das Recht, ihre Mitgliedschaft jederzeit zu beenden. Darüber haben wir in unseren Mitteilungen deutlich informiert."


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