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Prime-Video-App im Test: Trotz Verbesserungen bleibt das Hauptproblem bestehen

Amazons werbefinanziertes Prime Video markiert wieder Aboinhalte - und geht einen Schritt weiter. Trotzdem bleibt es das unübersichtlichste Streamingabo.
/ Ingo Pakalski
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Neue Prime-Video-App im Test (Bild: Jaque Silva / SOPA Images via Reuters Connect)
Neue Prime-Video-App im Test Bild: Jaque Silva / SOPA Images via Reuters Connect

Seit dem Start von Prime Video vor zehn Jahren nervt es mit dem gleichen Problem: Wer ein Prime-Abo abschließt, kann aus einem Katalog mit Hunderten Spielfilmen und Serien wählen und sich diese - seit Anfang des Jahres - mit Werbeunterbrechungen ansehen.

Aber anders als bei Disney+, Netflix oder Paramount+ zeigt das Amazon-Abo zusätzlich Zigtausende Filme und Serien, die es nicht im Abo gibt.

Die lassen sich nur anschauen, wenn extra bezahlt wird. Auch in der aktuellen Version von Prime Video ist das weiterhin so und sorgt für den gleichen Frust wie bisher, wenngleich der etwas milder ist.

Sinnvolle Markierungen in der Übersicht

Denn mit der aktuellen Version von Prime Video macht Amazon eine Verschlechterung rückgängig, die vor zwei Jahren eingeführt wurde : Seinerzeit waren die Prime-Markierungen in der Oberfläche entfernt, so dass es mühsamer war, die Aboinhalte zu erkennen.

Den Fehler hat das Unternehmen korrigiert und geht erfreulicherweise einen Schritt weiter: Auch die Inhalte anderer Abos werden mit einer solchen Markierung versehen. Im Rahmen von Prime Video lassen sich Channels wie Paramount+, MGM oder BBC hinzubuchen.

Es geht bei den Channels zum einen um alternative Vertriebswege für ansonsten eigenständige Abos, wie bei Paramount+. Zum anderen gibt es Channels, die in Deutschland ausschließlich bei Amazon verfügbar sind, etwa bei MGM oder BBC.

Voraussetzung für die Buchung eines Channels ist ein aktives Prime-Abo. Wer keins besitzt, muss die Kosten dafür zu den Channel-Gebühren addieren. Abonnenten müssen also mindestens für zwei Streamingabos zahlen, auch wenn ihnen ein Abo genügt.

Zurück zur Oberfläche von Prime Video: Die neuen Markierungen zeigen beim Blättern in der Übersicht, bei welchem Channel ein Film oder eine Serie angeschaut werden kann.

Hier versagen die Markierungen

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass etwa ältere Titel bei mehreren Streamingabos verfügbar sind. Und dabei ergibt sich ein Problem, für das Amazon weiterhin keine Lösung hat: In unserem Test fanden wir nicht einen einzigen Titel, der dann in der Übersicht auf die beiden verfügbaren Abos hingewiesen hätte. Wir müssen dann erst den Eintrag öffnen und zum Teil an sehr versteckten Stellen rausfinden, dass der Titel an mehreren Stellen verfügbar ist.

Standardmäßig spielt die Prime-Video-App auf Smart-TV und Streaminggeräten ein Video ab, sobald der Cursor einen Moment auf dem Eintrag ruht. Das lässt sich in den Einstellungen abschalten.

Freevee-Inhalte überfluten Prime Video

Wer keine Filme oder Serien mit Werbeunterbrechungen sehen möchte, wird sich besonders darüber ärgern, dass der gesamte Freevee-Katalog überall auf die Prime-Video-Oberfläche verteilt wird. Auch wenn die Freevee-Inhalte - im Unterschied zu vorher - auf den ersten Blick zu erkennen sind, fehlt uns eine Option, diese Inhalte komplett aus der Prime-Video-App ausblenden zu können.

Hier besteht das gleiche Problem wie bei Kauf- und Leihtiteln, die ebenfalls an vielen Stellen in der Prime-Video-Oberfläche auftauchen. Obwohl die Bezeichnung der App vorgibt, dass sie für den Konsum der Inhalte von Amazons Streamingabo gedacht ist, deckt sie eher Funktionen ab, die nicht alle haben wollen.

Vor einigen Jahren gab es in der Prime-Video-App mal einen Schalter, um nur die Aboinhalte von Prime Video anzeigen zu lassen. Bisher konnte sich Amazon allerdings nicht dazu durchringen, dieses für die Kundschaft ausgesprochen praktische Komfortmerkmal wieder anzubieten.

Doch, doch, Prime Video ist jetzt ein werbefinanziertes Abo

Nach Kräften verschleiert Amazon weiterhin, dass es sich bei Prime Video in der Standardausführung seit Monaten um ein werbefinanziertes Abo handelt. Während bei allen Titeln von Freevee ein Hinweis zu den Werbeschaltungen eingeblendet wird, gibt es bei den Inhalten des Prime-Abos keinen Werbehinweis.

Die Funktion X-Ray ist weiterhin Bestandteil von Prime Video und auch in Freevee-Inhalten zu finden. Die Funktion zeigt an, welche Schauspieler in einer Szene zu sehen sind. Bei Bedarf gibt es weiterführende Informationen zu den Personen in dem Film oder in der Serie. Das ist ungemein praktisch, wir hätten es gern auch für die Streamingabos Disney+, Netflix oder Paramount+.

Passable Suche kämpft mit Prime-Video-Problemen

Die Suchfunktionen der Prime-Video-App sind gut, aber nicht perfekt. Wir finden es eine unschöne Entscheidung, dass Amazon auf allen Plattformen das gleiche Tastenlayout verwendet und nie die Bildschirmtastatur der verwendeten Geräte nutzt. Das bedeutet im Zweifel eine Umgewöhnung.

Meist funktionieren die automatischen Vervollständigungen gut, die auf das Suchen von Filmen und Serien optimiert sind. Wir müssen bei der Suche nach langen Filmtiteln häufig nur ein paar Buchstaben eingeben und können dann zu einem der Vorschläge navigieren, um passende Ergebnisse zu sehen.

In den meisten Fällen tauchen die entsprechenden Treffer ganz oben in den Suchergebnissen auf. Doch das gelingt nicht immer: Wir haben mit dem Begriff Das Appartement nach dem gleichnamigen Film gesucht, den es aktuell bei Prime Video und Freevee gibt.

Erst an zweiter Stelle des Ergebnisses wird der Film angezeigt - als Eintrag für den Kauf oder das Ausleihen des Films bei Amazon. An achter Stelle ist ein Eintrag zu finden, über den wir den Film bei Prime Video oder Freevee anschauen können.

Schwächen der neuen Markierungen

An sich gut gelöst: Auch in den Suchergebnissen sind die oben genannten Markierungen für Prime Video, Freevee und für entsprechende Channels vorhanden. Allerdings wird hier auch bei der Suche immer nur eine Quelle prominent angezeigt; eine zweite Quelle ist in den Ergebnissen nie zu sehen.

Wenn es einen Titel bei Freevee und Prime Video gibt, wird in unseren Recherchen mal die Verfügbar von Freevee ausgeblendet, mal fehlt die für Prime Video. Ein Muster war nicht zu erkennen.

Wenn die Suchergebnisse nerven

Miserabel sind die Resultate bei der Suche nach Filmreihen wie Mission Impossible oder James Bond. Die Titel werden nicht in chronologischer Reihenfolge gelistet, sondern wild durcheinander. Bei Mission Impossible war es besonders unübersichtlich: Einige Filme tauchten als Suchergebnis mit unterschiedlichen Bildchen mehrfach auf.

Ein paar Treffer gab es für die Mission-Impossible-Filme im Channel von Paramount+, andere Treffer waren für Kauf und Leihen bei Amazon reserviert. Hier müsste Amazon optimieren, um solche unnötigen Doppelungen zu vermeiden.

Inhalte in Prime Video lassen sich neuerdings bewerten. Es gib die zwei Möglichkeiten, einen Film oder eine Serie mit Daumen hoch oder Daumen runter zu bewerten. Weitere Abstufungen sind nicht vorgesehen.

Aus unserer Sicht müsste ein vernünftiges Bewertungssystem differenzierter sein, um keine verfälschten Ergebnisse zu erhalten - zumal Amazon auf Basis solcher Bewertungen Empfehlungen geben will, die den Geschmack des Abonnenten optimal abdecken soll.

Prime-Video-App im Test - Verfügbarkeit und Fazit

Amazons werbefinanziertes Streamingabo Prime Video(öffnet im neuen Fenster) kostet monatlich 8,99 Euro. Seit Anfang des Jahres gibt es in diesem Abo die bestmögliche Ton- und Bildqualität nicht mehr . Wer den gleichen Funktionsumfang wie vor der Umstellung von Prime Video auf ein werbefinanziertes Abo wünscht, muss eine kostenpflichtige Zusatzoption in Höhe von 2,99 Euro pro Monat hinzubuchen.

Die werbefreie Version von Prime Video kostet damit monatlich 11,98 Euro. Auch mehr als ein halbes Jahr nach der Umstellung auf ein werbefinanziertes Abo von Prime Video gibt es weiterhin keine Möglichkeit, Prime Video direkt im Paket mit der Zusatzoption buchen zu können.

Wer Prime Video langfristig nutzen möchte, kann es zum Jahrespreis von 89,90 Euro buchen, erhält dann aber Werbung in Filmen und Serien. Es gibt kein werbefreies Jahresabo.

Wer die Werbung nicht sehen will, muss die Zusatzoption mit monatlicher Laufzeit mitbuchen. Die werbefreie Variante mit maximal möglicher Bild- und Tonqualität kostet pro Jahr 125,78 Euro. Das ist ein Preisaufschlag von 35,88 Euro auf das normale Prime-Jahresabo.

Weiterhin gibt es Prime Video nicht als Nur-Streaming-Abo. Im Preis sind neben der Versandkostenflatrate des Onlinekaufhauses immer weitere Amazon-Dienstleistungen enthalten.

Fazit

Amazon hat Prime Video etwas übersichtlicher gemacht: An den meisten Stellen ist sofort erkennbar, über welche Dienste Filme und Serien angeschaut werden können und ob dafür bezahlt werden muss. Das System versagt, sobald ein Titel bei mehreren Diensten verfügbar ist.

Trotz der Verbesserungen bleibt Prime Video das unübersichtlichste Streamingabo am Markt, weil munter Aboinhalte mit Kauf- und Leihtiteln vermischt werden. Weiterhin nerven die vielen Freevee-Inhalte, die überall auftauchen und die wir gerne ganz ausblenden würden.

Ingo Pakalski testet für Golem.de seit rund zehn Jahren Streamingdienste und legt großen Wert darauf, dass sich diese möglichst gut bedienen lassen. Auch vernünftige Suchfunktionen und ein guter Überblick über den Katalog von Filmen und Serien ist dabei wichtig.


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