Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Prime Video: Amazon zieht Teile der KI-Synchronisation zurück

Mehrere KI-Synchronfassungen verschwinden kurz nach ihrem Start aus Prime Video wieder. Welche Gründe Amazon dafür hat, ist unbekannt.
/ Przemyslaw Szymanski
10 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Logo von Prime Video (Symbolbild) (Bild: PATRICK T. FALLON/AFP via Getty Images)
Logo von Prime Video (Symbolbild) Bild: PATRICK T. FALLON/AFP via Getty Images

Amazon hat einen Großteil seiner KI-generierten Anime-Synchronfassungen von Prime Video wieder entfernt. Wie Gizmodo(öffnet im neuen Fenster) und Ars Technica(öffnet im neuen Fenster) übereinstimmend berichten, hat Amazon mehrere dieser KI-Tonspuren – darunter die englischen Fassungen von Banana Fish und No Game No Life: Zero – bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung Ende November wieder gelöscht.

Lediglich einzelne automatisch erzeugte Sprachfassungen sind noch abrufbar, darunter die englische KI-Synchronisation der Serie Pet sowie eine spanische KI-Sprachfassung von Banana Fish.

Dass der Konzern mehrere Titel zurückzog, lenkt den Blick auf eine Technik, die Amazon bereits im März 2025 angekündigt hatte . Sie sollte helfen, bislang unvertontes Material schneller zu lokalisieren und ohne großen Aufwand für weitere Märkte bereitzustellen, für die sonst keine Synchronisation angefertigt worden wäre.

Doch die Umsetzung offenbarte deutliche Grenzen: Viele Zuschauerinnen und Zuschauer bemängelten monotone Intonation, fehlenden emotionalen Ausdruck und eine oft unpassende Betonung, die Szenen ihrer Wirkung beraubte. Einige Dialoge wirkten zudem so, als seien sie unabhängig vom Rhythmus der Animation generiert worden. Aus ähnlichen Gründen entfernte die Deutsche Telekom bereits im Februar 2025 die sechsteilige polnische TV-Serie Murderesses aus dem Abo von Magenta TV – auch hier kam erstmals eine KI-Synchrontonspur zum Einsatz.

Kritik aus der Branche

Aber auch professionelle Sprecher kritisierten den Einsatz generativer Stimmen. Der US-Synchronsprecher Daman Mills äußerte sich etwa in einem viel beachteten Beitrag auf X(öffnet im neuen Fenster) , in dem er das Vorgehen als "beleidigend" bezeichnete und hervorhob, dass es für ein älteres Werk wie Banana Fish keinen nachvollziehbaren Grund für eine hastige KI-Synchronisation gebe.

Mills, der zuvor für Amazon an den Evangelion-Synchronfassungen mitgearbeitet hatte, zeigte sich zudem irritiert darüber, dass der Konzern offenbar glaubte, Fans und Sprecher bemerkten die Ersetzung menschlicher Stimmen nicht. Er forderte Amazon auf, die Entscheidung rückgängig zu machen und dem Titel die aus seiner Sicht angemessene Behandlung zukommen zu lassen.

Warum Amazon manche KI-Synchronfassungen nun entfernte und andere bestehen ließ, ist allerdings unklar. Ars Technica berichtet, dass das Unternehmen auf Nachfrage keine Stellungnahme abgab.

Gleichzeitig zeigt der Umstand, dass trotz der Zurücknahmen mehrere KI-Fassungen weiterhin verfügbar sind, dass Amazon die automatisierte Lokalisierung offenbar nicht vollständig aufgibt. Vielmehr spricht einiges dafür, dass der Konzern nun genauer auslotet, in welchen Fällen der Einsatz generativer Stimmen für das Publikum tragfähig ist und wo die Qualitätsunterschiede zu stark ins Gewicht fallen.


Relevante Themen