Press Reset: Geschichten aus der Gaming-Gruft

Der US-Journalist Jason Schreier beschäftigt sich in Press Reset mit Crunch und Geld in der Spielebranche. Golem.de hat das Buch gelesen.

Eine Rezension von veröffentlicht am
Press Reset von Jason Schreier (E-Book)
Press Reset von Jason Schreier (E-Book) (Bild: Peter Steinlechner/Golem.de)

Das muss frustrierend gewesen sein! Während die Entwickler von Battlefield Hardline um das Jahr 2014 herum mehr oder weniger weniger ständig im Crunch-Modus (Überstunden) gearbeitet haben, haben sich die Chefs von Electronic Arts trotz millionenschwerer Gehälter täglich um 17 Uhr in den Feierabend verabschiedet - gut sichtbar nur ein paar Türen weiter.

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Auf Dauer, so beschreibt es Jason Schreier in seinem gerade erschienen Buch Press Reset, habe das auch leistungswillige Workaholics zermürbt.

In einem der eindrücklichsten Kapitel schildert Schreier anhand eines Entwicklers von EA, wie sich angesichts durchgearbeiteter Nächte immer mehr Zweifel breitmachen und die Trauer wächst, wenig von der Familie und dem Kind mitzubekommen.

Irgendwann wechselt der Entwickler die Branche, um in einer Architekturfirma mit mehr Freizeit zu arbeiten. Ende gut? Nicht ganz: Der Ex-Electronic-Arts-Angestellte fühlt sich immer noch als Teil der Spielebranche. Etwas später findet er tatsächlich einen neuen Job bei einer vergleichsweise kleinen Firma für Indiegames - mit offenbar fairen Arbeitsbedingungen.

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Der Konflikt zwischen Konzernen und kleinen Studios, zwischen millionenschweren Managern und den mal mehr, mal weniger gut bezahlten eigentlichen Spielemachern ist der rote Faden, der sich durch fast alle Kapitel in Press Reset zieht.

Zahlen nennt Schreier selten. An einer Stelle erwähnt er, dass zwei der 40-Wochenstunden-EA-Manager damals jeweils rund 9,5 Millionen US-Dollar erhalten haben. Gleichzeitig habe ein 100-köpfiges Entwicklerteam im Jahr rund 19 Millionen US-Dollar gekostet.

So nah dran an den Entwicklern wie im genannten Beispiel ist Press Reset selten. Über weite Strecken liest sich das Buch eher wie das Manager Magazin - und eigentlich nie wie ein Gaming-Gegenstück zum Günter-Wallraff-Klassiker Ganz Unten.

Stattdessen geht es um Konzerne wie Disney und Electronic Arts, um Verträge und Deals, um Manager und Meetings sowie um gescheiterte und - manchmal - erfolgreiche Projekte.

Press Reset: Ruin and Recovery in the Video Game Industry

Es ist zu spüren, dass Schreier hauptberuflich als Journalist für das Wirtschaftsmagazin Bloomberg arbeitet. Selbst wer sich für die Branche interessiert, dürfte das ständige Gerangel und Geld, Macht und Einfluss in der Spieleindustrie irgendwann ein bisschen langweilig finden.

Von Warren Spector bis Bioshock

Es gibt aber noch eine weitere Ebene in Press Reset: Schreier beschreibt auch den Werdegang einiger berühmter Entwickler und einen Teil der Entstehungsgeschichte von Serien. So dreht sich das erste Kapitel fast vollständig um den Stardesigner Warren Spector (Ultima Underworld, Deus Ex).

Noch mehr Raum nimmt die Spieleserie Bioshock ein. Schreier stellt insbesondere die Konflikte zwischen dem offenbar nicht ganz einfachen Entwicklungschef Ken Levine und dem Team vor. Er schildert die Art und Weise, wie unterschiedliche Studios für spätere Serienteile zuständig waren.

Und so sehr es dabei immer um Geld geht: Der Autor von Press Reset lässt wenig Zweifel daran, dass die Entwickler sich als Kreative sehen, die primär spannende und vielschichtige Games machen wollen - und denen das Business ziemlich unwichtig ist.

Um ganz aktuelle Spiele geht es selten, auch ein Grand Theft Auto wird nur gelegentlich am Rande genannt - offenbar hat Schreier niemanden bei Rockstar Games gefunden, der Interna ausplaudern wollte. Auch jüngere Skandale bei Riot Games, Ubisoft und Blizzard spielen keine Rolle.

Press Reset ist bislang nur auf Englisch erhältlich. Das Buch ist spannend und verständlich geschrieben. Wer ab und zu der US-Fachpresse folgt, dürfte kaum Probleme bei der Lektüre haben.

Press Reset von Jason Schreier. 300 Seiten, Grand Central Publishing. E-Book rund 10 Euro, Taschenbuch rund 13 Euro.

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freebyte 27. Mai 2021

"Ich bin bei 'AAA-Entwickler'" oä. ist dann ein Prestige, wenn Du in den ersten 3...

ElMario 26. Mai 2021

aus der Gruuuft oh habe ich diese Serie geliebt :D

AntonZietz 26. Mai 2021

Ich habe das Buch auch gelesen und finde den Fokus auf das Projektmanagement sehr...



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