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Premiere des VW ID.7: Der Elektro-Passat für die Langstrecke

Hohe Reichweite, schnelles Laden und komfortable Innenausstattung: Der vollelektrische ID.7 von VW ist für die Langstrecke konzipiert.
/ Friedhelm Greis
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Der neue ID.7 soll bis zu 700 km weit kommen. (Bild: Friedhelm Greis/Golem.de)
Der neue ID.7 soll bis zu 700 km weit kommen. Bild: Friedhelm Greis/Golem.de

Mit einer Reichweite von bis zu 700 km soll der vollelektrische ID.7 von Volkswagen ein komfortables Reisen auf längeren Strecken ermöglichen. Mit einer Ladeleistung von bis zu 200 Kilowatt (kW) und einer Vorkonditionierung der Batterie will VW zudem die Ladestopps möglich kurz halten. Die auf Aerodynamik getrimmte Limousine solle im Herbst 2023 zunächst in Europa und China auf den Markt kommen, der Start in Nordamerika folge dann 2024, teilte das Unternehmen am 17. April 2023 mit(öffnet im neuen Fenster) .

Der Vorverkaufsstart ist laut VW für den Sommer geplant, der Verkaufspreis soll bei knapp unter 60.000 Euro liegen. Die Schräghecklimousine ist 4,96 m lang, 1,86 m breit und 1,54 m hoch. Ein Radstand von 2,97 m sorgt in beiden Sitzreihen für ausreichend Beinfreiheit. Der Kofferraum bietet 532 Liter Stauraum. Unter der Fronthaube gibt es ebenfalls einen kleinen Stauraum.

Bis zu 200 kW Ladeleistung

Die meisten technischen Details nannte VW in einer Salamitaktik bereits seit Anfang dieses Jahres. Nach einer ersten Präsentation des getarnten Fahrzeugs auf der CES 2023 in Las Vegas folgte Ende März eine Fahrveranstaltung in Südspanien . Mit der Premiere in Berlin sind nun aber erstmals das ungetarnte Äußere sowie der neu konzipierte Innenraum zu sehen.

Im Vergleich zu bisherigen VW-Modellen auf Basis des Modularen Elektro-Baukastens (MEB) weist der ID.7 einige Neuerungen und Verbesserungen auf. Dazu gehört unter anderem ein größerer Akku, der in der Version Pro S mit einer nutzbaren Kapazität von 86 Kilowattstunden (kWh) bereits in Oberklasse-Regionen wie der Business-Limousine EQE von Mercedes-Benz vordringt. Das gilt auch für die Ladeleistung von bis zu 200 kW.

Beim kleineren Akku von 77 kWh in der Version Pro liegt diese wie gehabt bei 170 kW. "Ein neues Thermomanagement sorgt dafür, die Batterie vor dem Ladestopp vorzukonditionieren. Diese Vorkonditionierung startet bei aktiver Zielführung auf dem Weg zu jeder Ladesäule automatisch" , schreibt VW.

Neuer Motor mit 210 kW

Neu im Komponentenregal liegt zudem ein leistungsstärkerer Elektromotor . Der Hinterachsantrieb APP550 soll eine höhere Performance und verbesserte Effizienz ermöglichen und somit Fahrleistung und Reichweite der Elektroautos der ID.-Familie steigern. Mit einer Leistung von 210 kW (286 PS) und einem Drehmoment von 545 Newtonmetern ist der Motor deutlich stärker als die bisherigen Modelle mit 150 kW.

Ebenso wie Mercedes-Benz setzt VW auch beim Design auf eine möglichst gute Aerodynamik. Mit einem cw-Wert von 0,23 kommt der ID.7 zwar noch nicht an die Werte des EQS oder EQE heran, doch eine geschätzte Reichweite von 700 km nach WLTP dürfte in der Praxis für gut 450 Kilometer oder mehr reichen. Damit sind längere Fahrten mit wenigen Ladestopps realisierbar.

Serienmäßiges Head-up-Display

Der Innenraum wartet ebenfalls mit einigen Neuerungen auf. Dazu gehört der große Zentralbildschirm mit einer Diagonale von 15 Zoll (38 cm). Serienmäßig verfügt der ID.7 über ein Head-up-Display mit Augmented Reality. Dieses "projiziert Details wie die Geschwindigkeit in den Nahbereich vor den Fahrer und interaktive Hinweise wie Abbiegepfeile virtuell in die reale Welt weit vor den ID.7" .

Entsprechend geschrumpft ist daher das Fahrerdisplay. Es ist nur noch so hoch wie die benachbarten Lüftungsschlitze und geschätzt 18 cm breit. Dieses sogenannte ID-Display zeigt laut VW "die gesetzlich vorgeschriebenen Standardinfos wie die Geschwindigkeit und Warnmeldungen an" .

Endlich beleuchtete Touchslider

VW reagiert zudem auf die Kritik am Design des Infotainments. So ist das Display beim ID.7 in zwei permanent sichtbare Touchleisten und den Homescreen gegliedert. Unter dem Infotainmentdisplay befinden sich laut VW beleuchtete Touchslider, mit denen die Klimatisierung und die Lautstärke geregelt werden.

Die oberste Leiste des Displays verfüge links über einen neuen Direktzugriff, über den der Nutzer jederzeit mit nur einem Klick das Hauptmenü mit einer Übersicht aller Apps aufrufen könne.

Daneben angeordnet ist demnach ein Button für das neue Car Control Center, das den direkten Zugriff auf die wichtigsten Fahrzeugfunktionen bietet. Neben dem Car Control Center gebe es weitere Direktzugriffe, die frei mit den verfügbaren Apps belegbar seien.

Neue Funktionen gibt es zudem bei den Assistenzsystemen.

Parkassistent mit Memory-Funktion

So bietet VW gegen Aufpreis einen Parkassistenten mit Memory-Funktion an. "Der ID.7 zeichnet dabei kontinuierlich die letzten 50 gefahrenen Meter und damit auch die Einparksituation auf. Ist der ID.7 zum Stehen gekommen, kann das Parkmanöver gespeichert werden" , heißt es. Diese Fahrt kann der ID.7 dann beim nächsten Mal selbstständig übernehmen. Der Fahrer kann währenddessen im Auto sitzen oder von außen per Smartphone das Fahrzeug kontrollieren. Das selbstständige Ausparken ist über eine Distanz von bis zu 25 Metern möglich.

Der sogenannte Travel Assist soll künftig auch einen assistierten Spurwechsel ermöglichen. Zur Erkennung der Fahrspuren sollen dabei nicht mehr sichtbare Begrenzungslinien erforderlich sein, sondern Bordsteine ausreichen. Ein weiteres Novum sei die Fusion der Fahrzeugdaten mit sogenannten Schwarmdaten anderer Autos. "Der ID.7 registriert Geschwindigkeitslimits per Kamera und Navigationsdaten und integriert sie in die assistierte Längsführung des Travel Assist, um selbstständig Limits einzuhalten" , heißt es. Ebenfalls könne das System voraus liegende Parameter wie Kurven, Kreisverkehre und Kreuzungen erfassen und vorausschauend in die Regelung einbeziehen.

Komfortablere Sitze mit Massagefunktion

Für ein entspannteres Fahren auf längeren Strecken soll eine neue Generation der vorderen Sitze beitragen. "Neben vielen individuellen Einstellungen können Fahrer und Beifahrer für das Sitzklima einen Automatikmodus aktivieren" , schreibt VW. Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren in den Sitzen könnten dabei den Kühl- oder Heizbedarf erkennen und die Klimatisierung entsprechend regeln.

Gegen Aufpreis verfügen die Sitze zudem über eine Massagefunktion. Diese sind demnach mit zehn Luftpolstern, sogenannten Blistern, in der Rückenlehne ausgestattet, die eine pneumatische Druckpunktmassage ermöglichten.

Neu ist ebenfalls die Lüftung. Volkswagen nennt sie Smart Air Vents. Die Lüftungsklappen werden elektrisch in horizontaler und vertikaler Richtung bewegt. Sie wedeln sozusagen kühle beziehungsweise warme Luft an die gewünschte Stelle im Fahrzeug. Schon während der Annäherung ans Fahrzeug kann diese Funktion aktiv sein, so dass man in ein angenehm klimatisiertes Auto steigt.

Smartes Glas im Panoramadach

Smart soll auch das Glas des Panoramadachs sein. "Das transparente Dach kann über eine in das Glas integrierte PDLC-Schicht (Polymer Dispersed Liquid Crystal) von einem auf den anderen Augenblick blickdicht respektive wieder durchsichtig geschaltet werden" , schreibt VW. Zusätzlich zu dem schaltbaren Blendschutz reflektieren demnach Beschichtungen im Glas die Infrarotstrahlung des Sonnenlichts, die an sonnenreichen Tagen den Innenraum aufheizen würde. Umgekehrt reflektieren die Beschichtungen die Wärmestrahlung im Innern, "was insbesondere im Winter ein hohes Komforterlebnis für die Passagiere schafft" .

Mit dem ID.7 kratzt VW gut vernehmbar an der elektrischen Oberklasse wie dem EQE oder dem BMW i4. Die coupéhafte Form wird Volkswagen noch um eine Kombivariante ergänzen. Der Passat-Kombi war in früheren Zeiten eine beliebte Familienkutsche. Dieses Erbe könnte der ID.7 mit der nun präsentierten Ausstattung durchaus antreten.


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