Predator Badlands: Aus dem Alien-Jäger wird ein Familienmensch

Predator, High-Tech-Jäger aus dem All. Geduldig späht er seine Beute aus, analysiert ihr Verhalten im Schutze einer Tarnvorrichtung und mithilfe seiner Maske, die zugleich Fernglas, Wärmesicht und Richtmikrofon mit taktischem Head-Up-Display ist.
Als Zuschauer 1987 erstmals einen Predator im Kino sehen, sahen sie ihn erst mal gar nicht. Gut 50 Minuten lang bot sich ein typischer Actionfilm dieser Zeit, voller damals populärer Klischees. Arnold Schwarzenegger kämpft als muskelbepackter Soldat gegen Rebellen im mittelamerikanischen Dschungel, soll mit seinen Kollegen Geiseln befreien.
Ein Geniestreich, der sich nicht wiederholen lässt
Dass dieser Film zum Kult wurde, lag an der ungewöhnlichen Wendung: Mitten im Gefecht taucht plötzlich ein Alien auf – der klassische Actionheld muss sich einem unbekannten Wesen mit High-Tech-Ausrüstung stellen. Ein Geniestreich, den folgende Serienteile natürlich nicht mehr so effektiv kopieren konnten.
Obwohl Teil 2(öffnet im neuen Fenster) und das Prequel Prey sich noch am ehesten an diesem Konzept orientieren und es recht ordentlich in andere Settings verlegt haben: So erinnerungswürdig wie beim Original gelang das nie mehr. Weitere Ableger, die ganz andere Szenarien(öffnet im neuen Fenster) aufbauen wollten, waren damit nie erfolgreich genug(öffnet im neuen Fenster) oder haben im Falle von Alien vs. Predator(öffnet im neuen Fenster) eher als B-Movie ihre Fans.
Dass Predator 1 zum Kultfilm wurde, lag nicht nur an Arnie oder dem interessant gestalteten Außerirdischen. Regisseur John McTiernan (Stirb Langsam) verband das nervenzerfetzende Gefühl, von einem unbekannten Monster beobachtet und gejagt zu werden, mit der körperbetonten, förmlich nach Blut und Schweiß riechenden Ästhetik und harten Gangart dieser Ära des Actionkinos. Diese Mischung aus Teil 1, so gekonnt umgesetzt, begeistert uns immer noch.

Predator: Badlands hingegen ist, konsequenterweise, genauso ein Actionfilm seiner Zeit – leider der heutigen. In trostlos blassen Bildern sehen wir einem banal vermenschlichten Alien dabei zu, wie es zwischen CGI-Monstern und CGI-Bäumen hin- und herhüpft. Und am Ende dreht sich fürs Alien im Mittelpunkt alles irgendwie nur ums Thema Familie.
Entsättigt öder Todesplanet
Mehr noch als die Handlung hat uns die Optik von Predator: Badlands viel Freude geraubt. Selbst im allerersten Film von 1987 ist Grün im dichten Wald noch echtes Grün, nicht bloß eine Ansammlung blasser Brauntöne. Den Schauplatz Genna (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Stadtteil Iserlohns im Sauerland(öffnet im neuen Fenster) ) lässt der entsättigt kontrastarme Look völlig öde aussehen. Dabei hatten die Autoren für dessen Gestaltung einige spannende Ideen und die Effekte sind auch keinesfalls schlecht.
Der Planet und Schauplatz von Predator: Badlands ist so etwas wie eine bösartige Version von Avatars Pandora . Viel Natur, aber alles ist gefährlich. Gras schneidet messerscharf ins Fleisch und splittert wie Glas. Bäume entpuppen sich als aggressive Monster mit Tentakeln. Schade nur, dass es keinen Spaß macht, sich diese Welt so fad wie durch eine Sonnenbrille mit trüben Gläsern anzugucken, obwohl das hier nicht mal ein 3D-Film ist.

Im Zentrum der Geschichte steht von Beginn an ein Yautja, so nennen sich die Predators selbst, der von seinem Vater als Schwächling verachtet wird. Er entkommt seiner eigenen Hinrichtung, ist nun jedoch auf dem Planeten Genna gestrandet.
Nicht unpraktisch für ihn – da dort das als unbesiegbar geltende Wesen Kalisk leben soll. Würde er dessen Kopf als Trophäe heimbringen, dürfte er den Respekt seines Clans gewinnen, endlich als mutiger Yautja akzeptiert werden.
Sieht aus wie ein Predator, denkt und fühlt wie ein Mensch
Diese Jäger-Kultur mit striktem Ehrenkodex wurde in vorherigen Predator-Filmen fest verankert, daran stören wir uns nicht. Doch wird das Monster hier als tragischer Held mit viel zu menschlichen Zügen gezeichnet. Er hört auf den Namen Dek und redet beinahe ganz normal, auch wenn er seine eigene Sprache spricht, die nach Vorbild der Avatar-Filme von einem Linguisten entwickelt wurde(öffnet im neuen Fenster) . Im Film übersetzt sie uns eine beschädigte Androidin ohne Beine (Elle Fanning), die Dek als Gefährtin mit sich herumschleppt und die ihn verstehen kann. Wir lesen ihre Übersetzung der Yautja-Sprache als Untertitel, während sie selbst in der jeweiligen Synchronsprache des Films mit ihm redet.
Was uns stört, ist, wie diese Version eines Predators sich verhält. Er denkt und kommuniziert wie eine normale Person, mit allzu irdischen Emotionen. Regisseur Dan Trachtenberg ( 10 Cloverfield Lane(öffnet im neuen Fenster) , Prey) tat zwar gut daran, einen echten Schauspieler (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) im Kostüm das Alien spielen zu lassen und nur wenig Computereffekte für das Gesicht des maskenlosen Jung-Predators in Ausbildung einzusetzen.
Doch hätten seine Autoren und er selbst bemerken müssen, dass ihr Drehbuch uns solch ein Wesen, früher mal archaisch monsterhafte Alien-Jäger, jetzt nur noch wie einen etwas komisch aussehenden Menschen, der in Menschenkategorien denkt, präsentiert, der sich im Endeffekt nichts sehnlicher wünscht, als Teil einer glücklichen Familie zu sein, in der sich alle lieb haben.









Kinder, hier lernt ihr was fürs Leben
Passend dazu kämpft der Yautja nur gegen Flora, Fauna, seine eigene Art und eine Armee aus Androiden. Nicht aber gegen Menschen. Dabei werden zwar hin und wieder Körperteile abgetrennt, der Gewaltgrad bewegt sich insgesamt allerdings ohne rotes Blut auf Cartoon-Niveau. Gäbe es nicht noch diesen einen Rest an Brutalität, hätte Badlands als Sci-Fi-Abenteuer für die ganze Familie durchgehen können.
Besonders der Charaktere wegen. Dek freundet sich nicht nur mit der hilfsbedürftigen Androidin Thia an, die immerzu besonnen vor sich hin plaudert, sondern macht außerdem Bekanntschaft mit einem knuffigen, affenähnlichen Tierwesen und einem quirligen Riesenwurm, die im Verlauf der Handlung mit ihm ein ungewöhnliches Team bilden.
Die Botschaft dahinter wird mehrmals klar formuliert – ein Alpha-Tier kümmert sich um sein Rudel. Besonders, wenn sie alleingelassene Außenseiter sind. Das macht wahre Stärke aus. Kinder, hier lernt ihr was fürs Leben.
Andere Kritiker(öffnet im neuen Fenster) mögen darin eine mutige Weiterentwicklung abseits vom bisherigen Predator-Konzept erkannt haben. Ein tolles Beispiel dafür, wie man mit Herz und Liebe aus festgefahrenen Strukturen seiner angeborenen Kultur ausbrechen kann.
Was ja nicht falsch gedacht ist. Aber passt das in dieses Filmuniversum so gut? Sind dies hier geeignete Wesen, um so eine Geschichte stimmig zu erzählen? Das hängt sicherlich davon ab, wie sehr Zuschauer bereit dazu sind, sich vom klassischen Bild des Predators aus alten Filmen zu trennen.
Vermenschlicht und verweichlicht
Wir finden trotzdem, all das ist bloß die generische Message vieler heutiger Blockbusterfilme, die Predator hier aufgezwungen wurde. Originell oder spannend ist daran nichts.
Die Reihe hat sich nur mutlos gängigen Disney-Marken angeglichen, könnte mit anderem Alien auch unverändert eine Geschichte aus Star Wars oder Avatar sein. Den Predator als einst stolzen Trophäenjäger haben die Macher hier fahrlässig verweichlichen lassen. Er ist jetzt Familienmensch und Ziehvater eines Porg(öffnet im neuen Fenster) -ähnlichen Kuscheltiers. Gemeinsam schlagen sie sich durch ein austauschbar gestaltetes Fantasy-Abenteuer, dessen Skript wie für ein durchschnittliches Videospiel geschrieben wirkt.
Spätestens mit dem zweiten Film von 1990 hätte gerne Schluss sein dürfen. Die starke Grundidee war mit dem Auftritt eines weiteren Aliens dieser Spezies im Großstadtdschungel von Los Angeles ausgereizt.









Alles danach fühlt sich für uns so an, als würden wir durch ein Fan-Fiction-Forum wühlen, dessen Autoren immerzu versuchen, die populäre Figur von früher mit anderen Geschichten und Filmen zu durchmischen, die gerade angesagt sind oder die sie persönlich besonders toll finden.
Mal gelingt das schlechter, wie hier. Mal besser, wie in dem Animationsfilm Killer of Killers , der ebenfalls unter Leitung von Dan Trachtenberg entstanden ist. Gerne sollte er lieber dieses Projekt fortsetzen, statt weiterer Abenteuer mit Dek, seiner Roboterfreundin und ihren Tiergefährten auf dem tristen Planeten Genna.
Predator: Badlands ist am 6. November 2025 in den Kinos gestartet.



