PRECOBS: Berlin will mit Software Einbrüche vorhersagen

Die Berliner Landesregierung erwägt den Einsatz des sogenannten PRECOBS (Pre Crime Observation Systems). Damit sollen sich Einbruchsziele voraussagen lassen. Die von dem deutschen Institut für musterbasierte Prognosetechnik (IfmPt) entwickelte Predictive-Policing-Software wurde bereits in Zürich, München und Nürnberg getestet – mit Erfolg, so die Verantwortlichen. Kritiker befürchten, die bislang anonymisierte Datenerhebung könne später durch personenbezogene Daten ergänzt werden.
"Auch falls diese Software für den Einsatz in Berlin nicht geeignet sein sollte, wird die Berliner Polizei intensiv daran arbeiten, die Möglichkeiten computergestützter Prognoseerstellung zu erweitern" , sagte der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) der Berliner Zeitung(öffnet im neuen Fenster) . Notfalls solle eine eigene Software entwickelt werden.
Frei zugängliche Daten werden verwendet
Die Software stützt sich auf eine Datenbank, in der nicht nur Informationen über frühere Einbrüche, sondern auch Informationen aus "frei zugänglichen Datenquellen" , darunter "bauliche Gegebenheiten in Stadtbezirken, Verkehrsinfrastrukturen, Wetterdaten" zu finden sind. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage(öffnet im neuen Fenster) an das Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen hervor. Dort soll PRECOBS bereits Anfang 2015 in Duisburg und Köln getestet werden.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagte, mit geografischen Fallanalysen könnten Kriminalitätsschwerpunkte gefunden werden. "Ab Oktober 2014 testen wir im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für ein halbes Jahr in München und Nürnberg, ob dieses Prognoseinstrument unsere tägliche Lagearbeit bei der bayerischen Polizei sinnvoll ergänzen kann." Zum ersten Mal zum Einsatz kam das Analysesystem vor rund einem Jahr bei der Stadtpolizei Zürich. "Die ersten Ergebnisse in Zürich sind vielversprechend" , erklärte Herrmann. "86 Prozent der Prognosen waren zutreffend. Gleichzeitig gingen die Einbruchsfälle stadtweit in einem halben Jahr um knapp 40 Prozent zurück."
Kritiker befürchten massive Datensammlung
Für Aufsehen hatte zuvor ein Fachvortrag von Dieter Schürmann über Predictive Policing gesorgt. Schürmann ist Landeskriminaldirektor beim Ministerium für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen. Im Behördenspiegel erzählte er von einem geplanten Pilotprojekt der nordrhein-westfälischen Polizei: "Stellen wir in einem Ort das gleichzeitige Aufkommen ausländischer Transportfahrzeuge und die Verwendung ebenso ausländischer Telefonkarten fest, und das in regionalen Bereichen, die sich für mobile Einbruchstäter aufgrund ihrer Lage, etwa in Grenznähe oder Nähe der Autobahn, besonders eignen, sollte man aufmerksam werden" , erklärte Schürmann.
Ein Sprecher des Ministeriums ließ auf Anfrage von Golem.de offen, ob das Blatt Schürmann korrekt zitierte.
Der Bürgerrechtsaktivist Matthias Monroy befürchtet eine Ausweitung der Datensammlung(öffnet im neuen Fenster) , die bislang in Deutschland nur anonymisiert erfolgt. Denn es gebe in Großbritannien bereits Versuche, die Rückfälligkeit von Gangmitgliedern mit der gleichen Software zu prognostizieren. Auch in den USA werden beim Einsatz IT-gestützter Predictive-Policing-Software inzwischen Personendaten eingesetzt.



