Powerstream-Wechselrichter: Mein Balkonkraftwerk, mein Strom
Balkonkraftwerke erfreuen sich nicht erst seit der erfolgreichen Petition zu Vereinfachungen für Balkonsolaranlagen großer Beliebtheit in Deutschland. Viele Menschen nutzen die Möglichkeit dieser kleinen Solaranlagen, um ihre Stromkosten zu reduzieren.
Ein grundsätzliches Problem ist dabei jedoch, den erzeugten Strom auch tatsächlich selbst zu verbrauchen. Der Solarertrag ist in der Regel über die Mittagszeit am größten, da die Sonne am höchsten steht. So erreichen die Anlagen bei guter Ausrichtung der Solarmodule und bei guten Wetterbedingungen die maximal erlaubten 600 W Einspeiseleistung.
Wird diese Leistung aber zu diesem Zeitpunkt nicht vom eigenen Haushalt genutzt, wird die überschüssige Energie unentgeltlich in das Stromnetz abgegeben. Somit ist der tatsächliche Nutzen und damit die Effizienz einer solchen Lösung stark davon abhängig, wann und wie viel Strom über den Tag verteilt verbraucht wird. Vor allem bei Menschen, die tagsüber nicht zu Hause sind, bleibt so viel Energie ungenutzt.
Strom für später aufheben
Gut wäre es, wenn man die erzeugte Energie tagsüber speichern könnte, um sie gezielt dann zu verbrauchen, wenn man sie auch tatsächlich benötigt. Genau diesen Ansatz unterstützt der Powerstream-Wechselrichter der Firma Ecoflow, die bisher vorwiegend durch ihre Powerstationen und einige smarte Geräte wie eine Kühlbox, ein Klimagerät und einen Rasenmähroboter bekannt geworden sind.
Der Wechselrichter verfügt über zwei Solaranschlüsse, die eine maximale Eingangsspannung von 55V DC haben und Module bis 500 W nutzen können.
Der Wechselrichter wird, wie andere Geräte dieser Art auch, über einen Schuko-Stecker an eine Steckdose angeschlossen und kann so den erzeugten Solarstrom ins Netz einspeisen. Zusätzlich gibt es einen Anschluss, über den die Powerstationen des Herstellers als Stromspeicher genutzt werden können.
Gesteuert wird das Verhalten über eine App, die auch für die Steuerung der Powerstationen und anderer Geräte genutzt wird. Darüber legt man fest, wie viel Energie in den Speicher und wie viel ins Stromnetz gehen soll. Somit kann die eigene Grundlast tagsüber gedeckt und die überschüssige Energie gespeichert werden.
Smartplugs für eine effiziente Nutzung
Der Stromverbrauch in einem Haushalt ist nicht immer konstant, denn viele Geräte rufen kurzfristig mehr Leistung ab, womit der Stromverbrauch für eine kurze Zeit ansteigt. Kühlschränke kühlen zum Beispiel nur aktiv, wenn die Regeltemperatur überschritten wird und laufen dann für eine kurze Zeit und schalten dann den Kompressor wieder ab.
Ein Wasserkocher oder eine Kaffeemaschine haben eine recht hohe Leistungsaufnahme, aber nur für eine kurze Zeit. Diese Spitzen können über die Ecoflow-Smartplugs erfasst werden und ermöglichen es, die an das Netz abgegebene Leistung dynamisch an den Verbrauch anzupassen (zumindest im Rahmen der maximal erlaubten 600W Einspeisung).
Das funktioniert aber nur wirklich gut mit Geräten, die eine konstante Leistung über mindestens 30 Sekunden oder länger abrufen. Pulsende Geräte wie etwa Induktionskochplatten haben zu kurze Intervalle für eine sinnvolle Anpassung der Ausgangsleistung – zumal die Kommunikation der Smartplugs mit dem Wechselrichter je nach Konfiguration der Anlage über das MQTT-Protokoll über das Internet erfolgt, was einiges an Latenz zur Folge hat. Grundsätzlich ist der Ansatz aber technisch gesehen nicht verkehrt. Ob sich das Ganze allerdings ökonomisch rechnet, schauen wir uns später noch genauer an.
Ein erster Testaufbau
Unser Powerstream-Kit besteht aus dem Wechselrichter, 4-mal 100 W flexiblen Solarmodulen, zwei Smartplugs und der Ecoflow Delta 2 Max. Letztere ist eine Powerstation mit 2000 Wh Kapazität auf der Basis von LiFePo4-Akkuzellen, die mit 3.000 Ladezyklen bei 80 Prozent Kapazität angegeben sind.
Sie verfügt über zwei proprietäre XT-150-Anschlüsse, über die jeweils eine Zusatzbatterie mit 2 kWh angeschlossen und somit die Kapazität auf 6 kWh erhöht werden kann. Einer dieser Anschlüsse wird aber auch genutzt, um den Powerstream-Wechselrichter anzuschließen. Somit kann das System in Verbindung mit dem Powerstream auf maximal 4 kWh mit einem Zusatzakku erweitert werden.
Die flexiblen Solarmodule sind sehr leicht und können über die Ösen am Rand recht einfach etwa an einem Balkongeländer befestigt werden. In Ermangelung eines Balkons muss bei mir aber erst mal eine schnell zusammengebaute Holzkonstruktion herhalten.
Um die vier Solarmodule an die zwei getrennten Eingänge des Wechselrichters anzuschließen, werden jeweils zwei Module in Reihe geschaltet und dann an einen der beiden Solareingänge des Wechselrichters angeschlossen. Ecoflow liefert auch einen Kabelsatz mit sehr flachen Solarkabeln mit, der als Fensterdurchführung genutzt werden kann.
Der Wechselrichter selbst wird mit einem leider recht kurzen Kabel an einen der XT-150-Erweiterungsanschlüsse der Powerstation angeschlossen und der 230-V-Anschluss über einen Schukostecker mit dem Hausnetz verbunden.
Nach kurzer Zeit hört man ein kurzes Klicken, wenn der Wechselrichter intern über ein Relais die elektrische Verbindung zum Stromnetz herstellt. Diese galvanische Trennung ist für den sicheren Betrieb als Anlagen- und auch Personenschutz nach der VDE-Norm VDE-AR-N 4105 vorgeschrieben. Hier gab es in der Vergangenheit Probleme bei einigen Herstellern . Nachdem alle Verbindungen hergestellt sind, geht es an die Konfiguration über die Ecoflow-App.
Für die Nutzung der App ist zwingend ein Account notwendig, der über die für Android und iOS verfügbaren App erstellt werden kann. Über diesen Account werden dann alle Ecoflow-Geräte, die man besitzt, erfasst und gegebenenfalls auch miteinander verknüpft.
Gekoppelt werden Geräte zunächst per Bluetooth, indem man in der App nach neuen Geräten sucht, während man sich in deren Nähe befindet. Ist ein lokales WLAN vorhanden, kann man bei der Einrichtung das entsprechende Passwort eingeben. Die Geräte nutzen dann den Internetzugang für Updates und die Kommunikation über den zentralen Ecoflow-MQTT-Service.
Leider scheint es keine direkte Kommunikation zwischen der App und den Geräten im gleichen WLAN zu geben, denn ist die Internetverbindung unterbrochen, werden die Geräte als offline angezeigt. Ist das WLAN nicht verfügbar, nutzen die Geräte die lokale Bluetooth-Kommunikation als Fallback. Somit ist ein eingeschränkter Inselbetrieb möglich, aber recht umständlich.
Erste Erfahrungen
Nachdem wir den Powerstream und die Delta-2-Max-Powerstation mit unserem Account verknüpft haben, können wir in der App darauf zugreifen. In den Einstellungen können wir nun die Leistung für den Haushaltsstrombedarf in Watt (zwischen 0 W und 600 W in 10-W-Schritten) einstellen. Weiterhin können die Lade- und Entladegrenze für die Powerstation in Prozent angegeben werden.
Der Wechselrichter kennt zwei Betriebsmodi. Zum einen das Priorisieren der Stromversorgung und zum anderen das Priorisieren des Stromspeichers.
Im Modus Stromversorgung priorisieren wird die erzeugte Energie bis zur eingestellten Leistung in das Stromnetz eingespeist und ein vorhandener Überschuss wird zum Laden der Powerstation genutzt. Im Modus Stromspeicher priorisieren wird nur die Powerstation geladen, bis die Ladegrenze erreicht ist, und erst dann wird der Überschuss ins Netz eingespeist.
Dabei gab es im Laufe unseres Tests einige Änderungen am Verhalten, die für Verwirrung bei vielen Nutzern gesorgt haben, auf die wir später noch genauer eingehen werden.
Obwohl wir 400 W Solarleistung angeschlossen haben, die Module nicht verschattet und auch einigermaßen zur Sonne ausgerichtet sind, kommen wir nicht über 250 W Solarleistung hinaus. Das kann verschiedene Gründe haben, zeigt aber auch, dass man nicht einfach nur mit den angegebenen Maximalwerten rechnen kann, wenn es um die Wirtschaftlichkeit solcher Systeme geht.
Für einen ersten Test reicht das aber schon aus. Der Wechselrichter speist Strom ins Hausnetz ein und reduziert unsere Grundlast. Stellen wir sie auf 100 W, wird der Überschuss in die Delta 2 Max eingespeist. Stellen wir den Modus auf Stromspeicher priorisieren, wird nichts mehr eingespeist und nur noch die Delta 2 Max geladen.
Die Powerstation verfügt auch über zwei eigene Solareingänge. So liegt es nahe, auch hier noch Solarmodule anzuschließen, um mit mehr Leistung zu laden. Hier müssen wir aber enttäuscht feststellen, dass dies im Moment (Stand April 2023) noch nicht funktioniert. Sobald die Powerstation parallel zum Powerstream geladen wird, schaltet dieser komplett ab. Die Funktion des parallelen Ladens per Solar an der Delta 2 Max und dem PowerStream-Wechselrichter wurde später per Firmwareupdate schrittweise für verschiedene Powerstationen ergänzt.
Testaufbau Nr. 2
Der fliegende Aufbau im Garten für den ersten Test hat gezeigt, dass die Anlage grundlegend funktioniert. Aber für einen langfristigen Test ist er ungeeignet. Im Haushalt ist allerdings bereits ein Balkonkraftwerk mit zwei 410-W-Modulen und einem 600-W-Wechselrichter vorhanden.
Also liegt es nahe, diesen einfach durch den Powerstream zu ersetzen. Zusätzlich ersetzen wir die Delta 2 Max mit 2 kWh Kapazität durch eine im Haushalt bereits vorhandene Ecoflow Delta Pro mit Zusatzakku und somit mit einer Kapazität von knapp 7 kWh.
Die Solarmodule sind fest auf dem Dach eines Gartenhauses verbaut und die Powerstation nebst Wechselrichter ziehen in das Gartenhaus ein. Der Mai 2023 ist ein sehr ertragreicher Monat und so erzielen wir bis zu 4,8 kWh pro Tag.
Dabei fällt auf, dass die Leistungsgrenze von 600 W auch beim Laden der Powerstation greift, denn diese wird nie mit mehr als 600 W geladen, auch wenn die Solarmodule vermutlich mehr liefern könnten.
Hier muss sich zeigen, ob bei einer Anhebung der Leistungsgrenze auf 800 W, was beim Powerstream per Firmware erfolgen kann, auch die maximale Ladeleistung der Powerstation erhöht wird. Die volle Modulleistung wird allerdings nur selten und dann auch nur mittags erreicht, somit ist die zusätzliche Energieausbeute vermutlich eher gering.
Um die tatsächlich ins Hausnetz eingespeiste Energie messen zu können, wurde der Wechselrichter über eine ShellyPlug-Steckdose an das Hausnetz angeschlossen. Somit messen wir die nutzbare Energiemenge nach den Wandlungsverlusten beim Laden und Entladen der Powerstation beziehungsweise dem Wandeln auf 230-V-Wechselspannung durch den Wechselrichter.
Die Grundlast für das Einspeisen haben wir auf 120 W eingestellt. Damit wurde tagsüber genug Energie in der Delta Pro gespeichert, um nachts weiterhin den Grundbedarf des Hauses decken zu können. Ab August mussten wir dann schrittweise die Einspeiseleistung senken, da der tägliche Ertrag nicht mehr zum Nachladen der Powerstation ausreicht.
Mit unserem Testaufbau erreichen wir für die Monate Mai bis Oktober durchschnittlich 3,5 kWh, 3,68 kWh, 3,31 kWh, 2,46 kWh, 2,51 kWh und 0,98 kWh Ertrag pro Tag. Insgesamt erzeugen wir über die Zeit 503 kWh Energie. Bei einem Strompreis von 42 Cent pro kWh in unserem Fall sind das rund 211 Euro eingesparte Stromkosten.
Da unser Test über die ertragreichsten Monate des Jahres lief, kann man die erzeugte Energiemenge natürlich nicht 1:1 auf das ganze Jahr hochrechnen. Gibt man die Werte unserer Anlage in den PV-GIS-Rechner(öffnet im neuen Fenster) der EU ein, kommt man auf einen durchschnittlichen PV-Ertrag von etwas über 600 kWh pro Jahr für unsere Region südwestlich von Berlin, was sich recht gut mit unseren Daten deckt.
Verwirrung durch Updates und die App
Schon ziemlich früh nach der Einführung des Powerstream-Systems bekam die Steuerung in der App eine Automatisierungsfunktion.
Hier kann man festlegen, zu welchen Zeiten der Powerstream automatisch zwischen Stromversorgung und Speicherpriorisierung umschalten soll. Leider kann man hier aber nicht die abgegebene Leistung anpassen. Eine Funktion, die sich viele Nutzer gewünscht haben, ebenso wie das parallele Laden per Wechselrichter und Solareingang der Powerstation.
Zusätzlich zu der Anzeige eines einzelnen Gerätes (PowerStream, Powerstation) gibt es seit einiger Zeit noch eine Gesamtansicht und einen eigenen Automatisierungs-Tab.
Das führt dazu, das einige Einstellungen an unterschiedlichen Stellen in der App getätigt werden können und dass nicht immer klar ist, auf welche Geräte sich diese Einstellung bezieht. So sind aktuell die Automatisierungen direkt in den Einstellungen des Wechselrichters ganz andere als die, die direkt über allgemeine Automatisierungsansicht erstellt werden können.
So können in der neuen Automatisierungsfunktion zum Beispiel Bedingungen wie Wetter (Sturm, Temperatur), Gerätestatus, Zeit oder manuelle Auslöser genutzt werden, um Aktionen zu triggern. Auch das Anpassen der Ausgangsleistung zusätzlich zum Arbeitsmodus kann in der neue Automatisierungsumgebung gesetzt werden.
Das funktionierte aber in unseren Tests weder zuverlässig noch mit allen an der App angemeldeten Geräten. So konnten wir die in der App verfügbare Delta-Pro-Powerstation nicht als Gerät für die Bedingung Akkustand für die Steuerung der Ausgangsleistung des Powerstreams auswählen.
Somit ist die neue Automatisierung zwar eine gute Idee und bietet langfristig eine flexible Möglichkeit der Steuerung, ist im Moment aber eher auf einem Alpha- oder maximal Beta Stadium der Entwicklung einzusortieren. Vermutlich löst die neue Funktion die alte Funktion im Laufe der kommenden Updates ab, aber das ist nur eine Vermutung, denn eine klare Roadmap gibt es leider nicht – und auch die Informationen zu einem Update sind in der Regel leider recht dürftig.
Letzteres führt umso mehr zu Verwirrung und Frust bei den Nutzern, wenn plötzlich durch ein Update das Grundverhalten des Wechselrichters ohne Hinweis geändert wird. So wurde zum Beispiel im Speicher-Prio-Modus anfänglich nur die eingestellte Grundlast ins Netz eingespeist, wenn der Akku vollständig geladen war.
Mit einem Update wurde plötzlich der maximale Solarertrag eingespeist, auch wenn eine viel geringere Grundlast eingestellt wurde. Für Nutzer, die eine Nulleinspeisung umgesetzt hatten, war dieses Update ziemlich problematisch – vor allem, da vor dem Update nicht erkennbar war, dass sich eine grundlegende Eigenschaft ändert.
Ein für spätere Updates versprochene Einstellmöglichkeit für dieses Verhalten gibt es leider bisher nicht. Viele Updates sowohl in der App als auch in der Firmware der Wechselrichter und Powerstationen haben immer wieder für Verärgerung der Nutzer gesorgt, weil zwar Bugs auf der einen Seite behoben wurden, aber plötzlich andere Dinge nicht mehr wie erwartet funktionierten.
Diesen Feature-over-Stability-Ansatz sollte Ecoflow noch einmal überdenken. Hilfreich wäre vor allem eine klar kommunizierte Roadmap für zukünftige Versionen der App und der Firmware sowie ein umfangreicheres Changelog bei den Updates. Auch die Anzeige der Solarerträge und eingespeisten Energiemengen an unterschiedlichen Stellen der App ist eher verwirrend als aussagekräftig und ist in den angezeigten Werten auch nicht wirklich konsistent.
Zugriff über externe Tools
Ein Hinweis vorweg: Die hier erwähnten Projekte sind nicht von Ecoflow unterstützt oder gefördert. Die Nutzung geschieht auf eigene Gefahr und es besteht immer die Möglichkeit, dass eventuelle Änderungen seitens Ecoflow die Nutzbarkeit einschränken oder eine Nutzung komplett unmöglich machen. Auch kann seitens Golem.de keine Garantie für eine ungefährliche Nutzung übernommen werden. Dieser Abschnitt dient lediglich dem Aufzeigen möglicher Zugriffsmöglichkeiten durch externe Tools und stellt keine Anleitung dar.
Das Ecoflow-System ist eine geschlossene Umgebung. Einen offiziellen Zugangspunkt für den externen Datenzugriff oder gar eine Steuerung gibt es aktuell nicht. Ebenso wenig eine Dokumentation der genutzten API. Trotzdem gibt es einige Projekte, die es geschafft haben, zumindest einige Funktionen per Reverse Engineering zugänglich zu machen.
Dieses Projekt(öffnet im neuen Fenster) nutzt die offiziellen Ecoflow MQTT Broker für den Datenzugriff und die Einbindung in das Tool Homeassistant. Dafür müssen aber über einen umständlichen Weg die Zugangsdaten für den eigenen Account ermittelt werden. Hierfür hat ein User mittlerweile ein kleines Shellscript geschrieben(öffnet im neuen Fenster) . Es ermittelt über die Zugangsdaten für die App (E-Mail und Passwort) die notwendigen Daten per API-Anfrage.
Dass Ecoflow aber nicht grundsätzlich den Zugriff auf die Geräte durch externe Tools ablehnt, zeigt sich in der Möglichkeit, auf Anfrage beim Support auf den Powerstationen der Delta-Serie eine spezielle Version der WLAN-Firmware installieren zu lassen, die einen direkten Zugriff auf die API des Gerätes im lokalen Netzwerk ermöglicht. Damit kann die Homeassistant Integration dann auch lokal über dieses Projekt(öffnet im neuen Fenster) erfolgen.
Auch für das iobroker-Projekt gibt es mittlerweile Integrationen zu den Ecoflow-Produkten. Sie lassen zumindest den lesenden Zugriff auf die Powerstream-Daten wie aktuelle Solarleistung, Betriebsmodus und so weiter zu. Ein schreibender Zugriff zum Beispiel zum Anpassen der Einspeiseleistung ist aktuell aber nicht möglich.
Rechnet sich das Ganze?
Von den technischen Möglichkeiten und der zwar teilweise noch etwas hakeligen, aber grundsätzlich recht guten technischen Umsetzung abgesehen, stellt sich natürlich auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Dabei ist die Rechnung mehr oder weniger identisch zu einem Balkonkraftwerk ohne zusätzlichen Speicher. Darüber haben wir uns vor einiger Zeit schon Gedanken gemacht .
Ein guter Ansatzpunkt für eine Bewertung der Amortisationszeit einer Anlage bietet dieser Rechner(öffnet im neuen Fenster) . Auch hier werden die PV-GIS-Daten für die Berechnung des durchschnittlichen Solarertrages für einen bestimmten Standort genutzt und zusätzlich die Kosten für einen möglichen Speicher berücksichtigt.
Allerdings geht der Rechner von einem Standard-H0-Lastprofil(öffnet im neuen Fenster) aus, was häufig bei Balkonkraftwerken nicht so gut passt. Die Erfahrung mit unserem Balkonkraftwerk vor dem Test mit dem Ecoflow-Powerstream zeigt, dass wir circa 1 kWh bei sehr sonnenreichen Tagen einspeisen (abgelesen am installierten 2-Wege-Stromzähler), obwohl unser Nutzungsprofil schon recht nahe am H0-Lastprofil liegt.
Über die Zeit waren das circa 10 bis 15 Prozent, die nicht selbst genutzt, sondern unentgeltlich ins Stromnetz eingespeist wurden – und das bei fast 100 Prozent Homeoffice und drei Personen, die tagsüber meistens zuhause sind.
Haushalte, bei denen niemand tagsüber zuhause ist, verbrauchen den Großteil des Stroms meist am Morgen und am späten Nachmittag oder Abend. Dort sollte der Anteil, der nicht genutzt wird, sogar noch deutlich höher sein. Allerdings kann man ein eigenes Lastprofil definieren und somit die Berechnung deutlich besser an den eigenen Verbrauch anpassen.
Nach einem kürzlich erfolgten Update des Rechners liefert dieser nun auch deutlich realistischere Werte für kleine Anlagen als vorher. Wie komplex das bei solchen Anlagen ist, erklärt der Betreiber in einem Youtube-Video(öffnet im neuen Fenster) .
Ein Balkonkraftwerk mit einem Speicher kann durchaus die Effizienz bei der Nutzung der erzeugten Energie erhöhen. Ob das aber die zusätzlichen und nicht geringen Kosten für den Speicher rechtfertigen, haben wir versucht auszurechnen.
Dabei haben wir verschiedene Kombination aus Ecoflow-Geräten betrachtet. Diese Rechnung sind natürlich nur Näherungswerte, denn viele Faktoren wie Strompreis, Gerätedefekte und tatsächlichen Solarertrag kann eine so einfache Rechnung nicht berücksichtigen.
Laut PV-GIS-Rechner liegt der Jahresertrag einer 600-W-Anlage in Deutschland um die 600 kWh. Also können wir vereinfacht annehmen, dass pro installierten 100 W Solarleistung 100 kWh pro Jahr erzeugt werden. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen.
Weiterhin nehmen wir an, dass ohne Speicher nur 50 bis 75 Prozent der erzeugten Energie selbst verbraucht werden. Das führt uns rechnerisch zu den folgenden Ergebnissen.
Powerstream, 2 x 400 W Solar (650 Euro), 600 kWh, 0,36 Cent/, 50 Prozent Eigenverbrauch → 6 Jahre, 75 Prozent Eigenverbrauch → 4 Jahre
Delta 2 (1 kWh), Powerstream, 2 x 400 W Solar (1.500 Euro), 600 kWh, 0,36 Cent/kWh, 75 Prozent Eigenverbrauch → 9 Jahre, 100 Prozent Eigenverbrauch → 7 Jahre
Delta 2 Max (2 kWh), Powerstream, 2 x 400 W Solar (2.350 Euro), 600 kWh, 0,36 Cent/kWh, 100 Prozent Eigenverbrauch → 11 Jahre
Wir haben das in einen sehr einfachen Rechner gepackt, der als Eingabe die installierte Solarleistung oder den aus genaueren Tools stammenden Jahresertrag, die Gesamtkosten der Anlage, den Strompreis pro kWh und den geschätzten Anteil der Eigennutzung der erzeugten Energie übernimmt und die jährliche Einsparung und die ungefähre Amortisationszeit berechnet.
Wie zu erwarten, sind die Amortisationszeiten auch bei hohem Eigenverbrauch extrem lang und die Wahrscheinlichkeit, dass verschiedene Faktoren verhindern, dass sich die Anlage überhaupt rechnet, sind sehr hoch.
Allerdings gibt es zwei Szenarien, die eine Nutzung mit Speicher trotzdem attraktiv machen. Das eine ist, wenn die Strombox auch unabhängig vom Balkonkraftwerk genutzt wird, zum Beispiel beim Campen oder im Wohnmobil, als Back-up für medizinische Geräte (CPAP), im Garten ohne Stromanschluss – und somit im Haushalt eh vorhanden ist oder angeschafft würde.
Das zweite Szenario bezieht sich auf das Laden der Powerstation über den Powerstream-Wechselrichter und parallel dazu an den Solareingängen der Strombox. Wer den Platz und die Möglichkeiten hat, das Laden so zu optimieren, der kann mit bis zu 2000 W installierter Solarleistung (abhängig von der eingesetzten Strombox) rechnen.
Theoretisch sind sogar mehr als 2000 W möglich, allerdings werden diese Werte in der Praxis selten erreicht werden und zusätzlich sollen Balkonkraftwerke bei den geplanten Änderungen am EEG in 2024 auf maximal 2000 Wp installierter Leistung begrenzt werden.
In diesem Szenario sehen die Zahlen schon deutlich besser aus. Zumal wir hier von gut 100 Prozent Eigennutzung der erzeugten Energie ausgehen können.
Delta 2 Max (2 kWh), Powerstream, 4 x 400 W Solar (2700 Euro) → circa 4 bis 5 Jahre
Delta Pro (3,6 kWh), Powerstream, 5 x 400 W Solar (3300 Euro) → circa 4 bis 5 Jahre
Damit bewegen sich diese Anlagen tatsächlich schon wieder in einem Zeitrahmen, den auch ein Balkonkraftwerk ohne Speicher in der Regel als Amortisationszeit hat. Die Investition ist dabei um den Faktor 5 bis 6 größer und auch das Verlustrisiko durch Gerätedefekte nach der Garantie ist deutlich größer – das darf man nicht außer Acht lassen. Allerdings sind nach der Amortisationsphase die Einsparungen durch eine Anlage mit Speicher auch deutlich größer.
Fazit nach 6 Monaten Nutzung
Die Solaranlage aus Powerstream-Wechselrichter, Delta-Pro-Powerstation und zwei 410-W-Solarmodulen ist nun seit mehr als sechs Monaten in Betrieb und hat in der gesamten Zeit auch wie erwartet funktioniert.
Der Ertrag entspricht den Werten, die wir auch schon von unserem alten 600-W-Wechselrichter kennen. Allerdings haben wir im Testzeitraum keinen Strom mehr in das öffentliche Netz eingespeist, sondern tatsächlich 100 Prozent Eigennutzung erreicht.
Gerade in den ertragreichen Monaten Mai und Juni hat hier die große Kapazität der Delta Pro mit Zusatzakku geholfen. Sobald die Automatisierung der Einspeiseleistung über die App stabil funktioniert, reicht aber sicher auch ein kleinerer Speicher.
Bei kleineren Speichern haben die Smartplugs auch einen größeren Einfluss auf die effiziente Nutzung. Wäre die Powerstation nicht bereits vorhanden gewesen, dann würde die Anschaffung nicht lohnen, denn bei unserem Nutzungsprofil haben wir circa 100 kWh im Jahr, die wir mittels Speicher zusätzlich selbst nutzen, was selbst bei unserem recht hohen Strompreis von 42 Cent/kWh noch deutlich unter 50 Euro Ersparnis pro Jahr liegt.
Positive Erfahrungen haben wir mit dem Ecoflow-Support und der gut aufgestellten Community (hier primär die offizielle deutsche Ecoflow-Facebook-Gruppe) gemacht. Die Hilfe der Nutzer untereinander und der Kontakt zu den Ecoflow-Ansprechpartner funktionieren sehr gut.
Der Hersteller arbeitet aktiv an der Verbesserung seiner Produkte, allerdings teilweise in einer recht chaotisch anmutenden Art. Hier wären ein wenig mehr Struktur und Information für die Nutzer der Produkte wünschenswert.
Rein ökonomisch betrachtet ist ein reines Balkonkraftwerk mit Speicher sehr wahrscheinlich für die wenigsten Nutzer interessant. Nimmt man zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten hinzu oder nutzt die zusätzliche Solarladung über die Strombox, dann erweitert sich die Menge der Nutzer schon beträchtlich.
Das bestätigt auch das Feedback aus der Ecoflow-Community. Viele Nutzer haben ihre bereits vorhandene Powerstation um den Powerstream-Wechselrichter erweitert, um so den bereits vorhandenen Speicher besser zu nutzen.
Wer sich also mit dem Gedanken trägt, ein Balkonkraftwerk für den Haushalt anzuschaffen, der sollte gegebenenfalls die mögliche Erweiterung durch einen Speicher bei der Auswahl der Geräte mit berücksichtigen.
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