Power Saber mit ausfahrbarer Klinge: Ein Lichtschwert für Padawane

Der israelische Erfinder Yair Shilo wollte seit Kindestagen ein Lichtschwert haben, wie es Jedi in Star Wars verwenden – ein Wunsch, den wohl viele Kinder (und Erwachsene) hegen. Disneys Merchandise-Partner Hasbro hat über die Jahre zwar immer wieder Lichtschwerter auf den Markt gebracht, diese konnten aber stets eine Sache nicht: nach dem Ausfahren wieder automatisch eingefahren werden. Das Ausfahren der Klinge war nicht das Problem – das Einfahren hingegen schon.
Shilos Power Saber löst das Problem: Schieben wir einen Schalter nach vorne, fährt eine circa 60 cm lange Kunststoffklinge, wahlweise Grün oder Rot, aus dem 29,5 cm langen Griff aus. Schieben wir den Schalter nach hinten, fährt die Klinge wieder ein – ohne, dass wir sie mit der Hand in den Griff zurückschieben müssen. Das haben weder Hasbro noch andere Spielzeughersteller in dieser Form bisher hinbekommen. Perfekt ist der Power Saber aber nicht.
Yair Shilo entwickelte einen Lightsaber, der nicht so heißen darf
Yair Shilos Lichtschwert darf offiziell nicht Lichtschwert oder Light Saber heißen. Obwohl es auf den ersten Blick durchaus an die Jedi-Waffen aus George Lucas' Star-Wars-Filmen erinnert, können wir das Design des Power Sabers keinem Jedi oder Sith Lord zuordnen. Auch fehlen dem Schwert die originalen Star-Wars-Sounds: Die vorhandenen erinnern zwar irgendwie daran, wie Lichtschwerter in den Filmen und Serien klingen, aber hundertprozentig richtig ist das Zischen und Brummen nicht.

Grund dafür ist, dass Shilo zwar ein Jedi-Lichtschwert entworfen hat, es aber letztlich ohne Disneys offiziellen Merchandise-Partner Hasbro auf den Markt bringen musste. Daher heißt das Produkt auch "Power Saber" statt "Light Saber" und hat ein generisches Design. Warum Hasbro nach anfänglicher Begeisterung abgesprungen ist, verraten weder Shilo noch sein aktueller Produktionspartner Goliath oder Hasbro.







Aber der Reihe nach – schauen wir uns zunächst den Power Saber genauer an. Das Gerät wiegt 475 Gramm und ist damit ein gutes Stück leichter als Hasbros ANH Black Series FX Lightsaber(öffnet im neuen Fenster) aus dem Jahr 2015, mit dem wir den Power Saber später noch vergleichen werden (was etwas unfair ist, da der Hasbro-Lightsaber teurer ist). Der Griff des Power Saber ist aus marmoriertem Kunststoff und wirkt stabil – verglichen mit dem Metallgriff unseres Hasbro-Lichtschwerts aber weniger hochwertig.
Über einen Einschalter aktivieren wir den Power Saber – woraufhin zunächst nichts passiert. Über einen goldenen Schiebeschalter können wir dann aber die Klinge ausfahren. Unter lautem Getöse fährt unsere grüne Kunststoffklinge in etwa anderthalb Sekunden aus – das ist etwas länger als unser Hasbro-Lightsaber für die Lichtanimation in der festen, LED-bestückten Klinge benötigt. Das "laute Getöse" wird vornehmlich nicht durch den abgespielten Soundeffekt verursacht, sondern durch den sehr lauten Motor.
Ein cleverer und ungefährlicher Mechanismus
Der Mechanismus des Power Saber ist interessant und innovativ: Eine Schraube dreht die Klinge nach oben, die aus fünf ineinander gesteckten Segmenten besteht. Allerdings fährt die Schraube nicht mit aus, sondern bleibt unten im Griff. Sie schiebt jedes einzelne Element nach oben, die Elemente haben am unteren Ende ein Gewinde. Ist ein Element ausgefahren, wird es durch Friktion gehalten. Die Schraube im Griff schiebt die Elemente nacheinander nach oben und die Klinge des Power Saber fährt aus.
Dieser Mechanismus lässt sich auch umkehren, weshalb die Klinge auch auf Knopfdruck wieder eingefahren wird. Dabei dreht die Schraube in die andere Richtung und zieht zunächst das unterste Klingenelement in den Griff zurück. Dieses zieht das nächste Element mit sich, bis auch dessen Gewinde von der Schraube erfasst wird – und so weiter. Aufgrund des Mechanismus ist die Klinge konisch geformt und nicht gerade. Frühere Hasbro-Lichtschwerter für Kinder ließen sich zwar durch eine Schüttelbewegung oder eine Feder ausfahren, aber nicht wieder automatisch einfahren.
Kinder können ungefährdet mit dem Power Saber spielen
Der große Vorteil von Shilos Mechanismus ist, dass die Klinge zwar automatisch aus dem Griff befördert wird, aber nicht starr ist und die im Gehäuse verbleibende Schraube nicht zu einer Verletzungsgefahr werden kann. Daher können wir die ausgefahrene Klinge gegen Objekte (etwa einen Kollegen) drücken, ohne dass etwas passiert – die Klinge gibt einfach nach und wird zusammengeschoben. Der Power Saber ist zuallererst ein Spielzeug für Kinder, weshalb dieser Sicherheitsmechanismus viel wert ist. Von der Augenpartie sollten Nutzer das Lichtschwert aber natürlich trotzdem fernhalten.







Schieben wir die Klinge teilweise in den Griff zurück, können wir sie dank der cleveren Konstruktion trotzdem noch über den Button einfahren lassen. Das unterste Element ist die ganze Zeit über ein Gewinde mit der Schraube verbunden und lässt sich entsprechend etwas schwerer in das Gehäuse schieben. Wir können die Klinge dennoch auch komplett in den Griff zurückschieben, ohne dass der Power Saber Schaden nimmt. Das Gerät ist äußerst widerstandsfähig gebaut.
Der Power Saber hat auch Soundeffekte. Bewegen wir ihn hin und her, wird ein Klang abgespielt, der dem in den Star-Wars-Filmen ähnelt. Schlagen wir die Klinge auf einen Gegenstand, ertönt ein Lasergeräusch, das ebenfalls an Star Wars erinnert. Originalgetreu sind die Soundeffekte aber nicht, was Lizenzgründe haben dürfte.
Anstelle des elektronischen Knisterns, das in den Filmen zu hören ist, wenn ein Lichtschwert aktiv ist, hören wir beim Power Saber eine Art Synthesizer-Dröhnen, das uns bereits nach kurzer Zeit auf die Nerven geht. Wer sich mit Star Wars ein bisschen auskennt, wird vor allem an den Soundeffekten merken, dass es sich beim Power Saber nicht um ein offizielles Lizenzprodukt handelt.
Hasbros Black-Series-Lichtschwert ist näher am Original
Vergleichen wir den um die 60 Euro teuren Power Saber (die rote Version ist mit aktuell fast 100 Euro merklich teurer) mit Hasbros ANH Black Series FX Lightsaber aus dem Jahr 2015, so liegen in puncto Sound, Licht und Handling Welten zwischen den beiden Geräten – aber eben auch preislich. Das Hasbro-Lichtschwert liegt besser in der Hand, die Bewegungen werden genauer erkannt und unterschiedliche Soundeffekte abgespielt – und nicht nur zwei wie beim Power Saber.
Die Klinge leuchtet gleichmäßig (bei uns in Blau, es handelt sich um das von Anakin Skywalker gebaute Lichtschwert) und ist viel heller als die des Power Sabers. Bei diesem ist nur im unteren Bereich eine Lichtquelle eingebaut, die Beleuchtung wird entsprechend zur Spitze hin dunkler. Außerdem sind die Elemente des Power Saber transparent, was die Illusion etwas zerstört. Das Hasbro-Lichtschwert macht das deutlich besser.
Der Hasbro-Lightsaber sieht zudem aus wie das Original aus dem Film und ist aus wesentlich hochwertigeren Materialien gefertigt. Der Griff ist aus Metall, Details wie elektrische Verbindungen und Aufsätze sind an den richtigen Stellen angebracht. Außerdem hat das Lizenzprodukt die richtigen Dimensionen – die Klinge ist länger, der Griff ist kürzer als beim Power Saber.
Hasbro hat noch kein vergleichbares Produkt
Allerdings ist die Klinge bei Hasbros Lightsaber eben auch nicht einfahrbar, sondern starr – wir können sie nicht einmal abschrauben. Als Requisite zu einem Kostüm funktioniert das Hasbro-Lichtschwert entsprechend eher nur, wenn es eingeschaltet ist. Außerdem darf der Preisunterschied nicht vergessen werden: Die Black-Series-Lichtschwerter kosten mit zwischen 200 und 225 Euro deutlich mehr als der Power Saber. Außerdem ist der Power Saber eher für Kinder gedacht, was die kürzere Klinge erklärt.







Warum Hasbro den Power Saber am Ende nicht produziert hat, will Yair Shilo nicht verraten. Wie er in einem Video des Herstellers Goliath(öffnet im neuen Fenster) und gegenüber The Verge(öffnet im neuen Fenster) erklärt, bekam er 2022 die Mitteilung, dass Hasbro aus dem Projekt aussteige. Es gebe interne Probleme, weshalb Hasbro das Produkt nicht auf den Markt bringen wolle. Shilo erhielt seine Patentrechte zurück und war auf sich gestellt.
Über Kontakte kam er zum Hersteller Nextoy und schließlich zu Goliath, mit denen er den Power Saber auf den Markt gebracht hat. Einen von Shilos ersten funktionsfähigen Prototypen hatte Hasbro 2020 noch begeistert aufgenommen und ihm seiner Aussage nach gesagt, dass er "endlich hinter das Geheimnis gekommen" sei und es sich bei seinem Lichtschwert um das "größte Spielzeug aller Zeiten" handele.
Fazit
Ein realistisch aussehendes Lichtschwert mit ausfahrbarer Klinge ist seit jeher der Traum eines jeden Star-Wars-Fans. Als Disney sein mittlerweile wieder eingestelltes Hotel- und Erlebnisprojekt Galactic Cruiser, eine Raumkreuzfahrt-Simulation in Florida, vorgestellt hatte, präsentierte das Unternehmen auch einen sehr realistisch aussehenden, ausfahrbaren Lightsaber. Wie sich allerdings herausstellte, war dieser nie für den Verkauf gedacht, sondern wurde nur für wenige Sekunden von einer der Schauspielerinnen der Galactic-Cruiser-Show verwendet.
Das Schwert wurde nur kurz verwendet und ausgefahren – danach wurde es gegen ein robustes Lichtschwert getauscht, mit dem ein Showkampf durchgeführt werden konnte. Das ist unter anderem im sehenswerten Erfahrungsbericht von Jenny Nicholson(öffnet im neuen Fenster) zu erkennen. Das Disney-Schwert mit ausfahrbarer Klinge war offenbar sehr empfindlich.
Shilo und seine Partner wollen offenbar ein gutes Verhältnis zu Hasbro bewahren und sagen nichts Schlechtes über den Hersteller – was auch daran liegen könnte, dass der Erfinder weitere Lichtschwerter plant. Er will den Mechanismus verkleinern und auch Doppelschwerter anbieten. Und so gut der aktuelle Mechanismus auch funktioniert: Er ist laut und langsam, zudem ist die Beleuchtung nicht optimal.
Vielleicht findet Hasbro an Shilos Projekt ja doch noch Interesse – für Kinder ist der aktuelle Power Saber aber sicherlich eine tolle Sache. Als Sammelobjekte würden wir uns allerdings weiterhin eher Lizenzobjekte wie den ANH-Lightsaber an die Wand hängen. Bei Preisen zwischen 60 und 95 Euro bei Amazon sind die Power Saber zudem zwar günstiger als aktuelle, lizenzierte Black-Series-Lichtschwerter von Hasbro, aber nicht wirklich günstig.