Power-Management: Infineon feiert den KI-Boom
Infineon glaubt nicht an ein Ende des Booms bei künstlicher Intelligenz (KI). "KI ist eine wirkliche Revolution, die noch Jahre andauern wird. Der Markt und damit der Bedarf an Rechenzentren sind riesig. Da ist noch viel mehr Musik drin, als so mancher glaubt", sagte der Infineon-Vorstandsvorsitzende Jochen Hanebeck der Süddeutschen Zeitung (Paywall)(öffnet im neuen Fenster). Infineon stellt keine KI-Prozessoren her, ist aber einer der weltweit wichtigsten Akteure für die Energieversorgung und das Power Management dieser Systeme.
Der Konzern hatte deswegen seine Prognosen erhöht, der Aktienkurs verdoppelte sich zuletzt. Hanebeck betonte seine Ambitionen: "Unser Ziel ist klar: Infineon will bei Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren auf einen weltweiten Marktanteil von mindestens 30 bis 40 Prozent kommen."
Bei den enormen Stromstärken in KI-Rechenzentren entstehen massive Wärmeverluste. Infineon setzt hier auf Wide-Bandgap-Halbleiter, die viel effizienter schalten als klassisches Silizium (Si). Coolsics sind aus Siliziumkarbid und geeignet für die hohen Spannungen direkt am Netzeingang. Sie vertragen extrem hohe Temperaturen und minimieren die Energieverluste beim ersten Umwandlungsschritt.
Wechsel zu 800-Volt-Gleichstromsystemen
Coolgan-Komponenten aus Galliumnitrid schalten extrem schnell und präzise. Sie werden vor allem auf den Server-Mainboards eingesetzt, um den Strom auf den letzten Zentimetern extrem kompakt und mit minimaler Abwärme herunterzuregeln.
KI-Racks steigen technologisch gerade massiv im Spannungsniveau, um Leitungsverluste zu minimieren. In Kooperation mit Nvidia wird von klassischen Architekturen hin zu 50-Volt- oder sogar 800-Volt-Gleichstromsystemen gewechselt. Infineon liefert hierfür die passenden Power Supply Units (PSUs). Während normale Server mit 3-kW-Netzteilen auskamen, bietet Infineon integrierte Stromversorgungen mit 8 kW, 12 kW und bis zu 30 kW an.
Die neuen 18-kW-Systeme von Infineon besitzen spezielle Pufferkondensatoren, die extreme Stromspitzen abfedern, die auftreten, wenn die GPU plötzlich unter Volllast rechnet, ohne das Stromnetz des Rechenzentrums zu überlasten.
Kunden wollen aus Europa beliefert werden
In der kommenden Woche weiht Infineon in Dresden eine neue Fabrik ein. Das Unternehmen selbst investierte fünf Milliarden Euro, dazu kommen Subventionen in Höhe von einer Milliarde Euro aus Steuergeldern. Hanebeck betonte: "Es ist perfektes Timing." Und fügte an: "Dekarbonisierung und Digitalisierung führen dazu, dass überall unsere Chips gebraucht werden, für dieses Wachstum wollen wir gerüstet sein." Das Portfolio konzentriert sich primär auf Power-Management, Sensorik und IoT-Connectivity für Automotive-Architekturen, Smart-Grid-Infrastrukturen und die industrielle Leistungselektronik.
Zur Frage, warum er gerade in Deutschland investierte, sagte der Infineon-Chef: "Als Unternehmen mit Sitz in Deutschland wollen wir auch zur Resilienz der Bundesrepublik beitragen. Der Standort ist für mich eine Herzensangelegenheit." Zudem wünschten sich mittlerweile viele Kunden, aus Europa beliefert zu werden. Der europäische Chipstandort sei "besser, als viele sagen" und in vielen Bereichen weltweit führend: "Bei vielen Halbleiterprodukten können wir sehr gut mithalten."
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