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Postskandal im UK: Fujitsu bedauert Bug, der Menschen ins Gefängnis brachte

Fehler in einer Abrechnungssoftware führten zu Ermittlungen und Verurteilungen gegen Postangestellte im Vereinigten Königreich. Fujitsu entschuldigt sich.

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Eine Postfiliale in London (Bild: Dan Kitwood/Getty Images)

Fujitsu hat für seine Rolle im Postskandal im Vereinigten Königreich um Entschuldigung gebeten. Das Unternehmen war mit seiner fehlerhaften Abrechnungssoftware letztlich dafür verantwortlich, dass es strafrechtliche Ermittlungen gegen mehr als 900 Mitarbeiter der britischen Post gab.

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Der Justizskandal, der als einer größten des Landes gilt, ist durch eine TV-Adaption des Stoffs wieder in die britische Öffentlichkeit gelangt und setzt die aktuelle Regierung von Rishi Sunak unter Druck. Bei einer Anhörung im Handelsausschuss des Parlaments musste sich nun auch der Co-CEO von Fujitsu Europa, Paul Patterson, dazu äußern.

Patterson sagte: "Fujitsu möchte sich für seine Beteiligung an diesem entsetzlichen Justizirrtum entschuldigen." Und weiter: "Wir hatten Bugs und Fehler im System, und wir haben der Post bei der Verfolgung der Angestellten geholfen. Das tut uns aufrichtig leid." Auch der Konzern-CEO Takahito Tokita äußerte sich erstmals auf die Frage der BBC, ob er sich entschuldigen wolle, und sagte: "Ja, natürlich. Fujitsu hat sich für die Auswirkungen auf das Leben der Postmeister und ihrer Familien entschuldigt."

Patterson, der erst seit 2010 in dem Unternehmen ist und zuvor andere Positionen inne hatte, zeigt sich besonders erschüttert über die Zuarbeit von Fujitsu zu dem Justizskandal: "Ich bin persönlich entsetzt über die Beweise, die ich gesehen habe." Auf die Frage der BBC, warum Fujitsu nicht schon eher auf die Probleme mit der Software reagiert habe, obwohl dem Unternehmen diese bekannt waren, sagte Patterson nur: "Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht."

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Post Office forderte Unschuldsbeweis

Die aus der früheren Royal Mail hervorgegangene Post Office Ltd. hatte die Software Horizon von der Computerfirma ICL (International Computers Limited) entwickeln lassen und im Jahr 2000 eingeführt. Bei der Übernahme von ICL durch Fujitsu im Jahr 2002 wurde das System übernommen und fortgeführt. Es diente dazu, mehr als 10.000 Zweigstellen mit der Zentrale zu verbinden und die Umsätze elektronisch abzurechnen.

Die Leiter der einzelnen Postagenturen waren verantwortlich dafür, wenn es zu Differenzen zwischen dem Abrechnungssystem und dem tatsächlichen Kassenbestand kam. In etlichen Fällen konnten sich die Filialleiter nicht erklären, wie es zu den Differenzen kommen konnte. Dennoch weigerte sich Post Office, den Fehler im Abrechnungssystem zu suchen und gab den Mitarbeitern die Schuld. Gerichtsurteilen zufolge forderten die Hausjuristen des Unternehmens von den Mitarbeitern, ihre Unschuld zu beweisen.

Schon 2009 hatte es erste Berichte über mögliche Softwareprobleme mit Horizon gegeben. Dennoch beharrte das Unternehmen 2010 darauf, dass das System "robust" sei und dass Differenzbeträge auf Diebstähle in den Filialen zurückzuführen seien. Eine unabhängige Untersuchung wurde zwar angeregt, aber jahrelang nicht vorgenommen. 2013 wurden dann erste Softwarefehler entdeckt.

Hoffnung auf Entschädigung und Wiedergutmachung

Zwar hatten bereits im Jahr 2019 mehr als 500 der betroffenen Filialleiter vor Gericht einen Sieg errungen und Recht darin bekommen, dass die Software die Fehlbuchungen verursacht hat. 2021 wurden dann erste Urteile offiziell aufgehoben. Bisher sind allerdings nur die Urteile von weniger als 100 der initial Verurteilen aufgehoben worden. Und laut BBC warten Tausende Menschen immer noch auf Entschädigungszahlungen. Viele Betroffene hatten die vermeintlichen Fehlbeträge damals selbst bezahlt.

Patterson sagte nun zu der Forderung nach Entschädigungszahlungen: "Ich denke, das Unternehmen ist moralisch verpflichtet, einen Beitrag zu leisten." Was das konkret heißen soll, ist derzeit weiter unklar. Auch Konzern-Chef Tokita reagierte auf die Frage der BBC, ob das Unternehmen das Geld zurückzahle, ausweichend und verwies auf die noch laufende öffentliche Untersuchung.

Auch staatlicherseits sind die Entschädigungen für das erlittene Unrecht wohl alles andere als selbstverständlich. Betroffene und deren rechtliche Vertretungen werfen vor allem der Post vor, den Vorgang massiv zu verschleppen. Der Vorsitzende des Handelsausschusses, Liam Byrne, kritisiert in der Anhörung auch den aktuellen Post-Chef.

Byrne sagte: "Sie waren nicht in der Lage, dem Ausschuss Schlüsselereignisse in der Zeitachse zu liefern, z.B. wann die Post zum ersten Mal wusste, dass ein Fernzugriff möglich war. Sie haben uns gesagt, dass Sie keine Beweise darüber aufbewahrt haben, welche Gelder Ihnen zu Unrecht gezahlt wurden und deshalb zurückverlangt werden, und Sie können den Umfang der Entschädigung nicht abschätzen."