Post & DHL: Briefmarke per App - kannste abschreiben

DHL lässt ohne Aufschlag handschriftliches Frankieren zu und verkauft das als Innovation. Warum auch richtig digital werden, wenn man die Fehlerquelle Mensch einbauen kann?

Ein IMHO von Mike Wobker veröffentlicht am
Statt mit dem Kugelschreiber zu frankieren, sollte lieber etwas ganz Neues her.
Statt mit dem Kugelschreiber zu frankieren, sollte lieber etwas ganz Neues her. (Bild: Deutsche Post)

Mit der fortschreitenden Digitalisierung ist der einfache Brief immer unwichtiger geworden. Spätestens seit der flächendeckenden Verbreitung von E-Mails sind nach und nach auch die kleinen Vorräte an Briefmarken und Umschlägen aus den privaten Schreibtischschubladen verschwunden. Wenn man heute dann doch mal ein unterschriebenes Dokument per Post verschicken muss, hat man ein Problem. Die Post hat dafür jetzt eine Lösung, es wird einfach per Kugelschreiber frankiert. Das klingt neu und innovativ, ist es aber eigentlich nicht - und obendrein wird damit die Gelegenheit verpasst, das bestehende System grundsätzlich zu reformieren.

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Denn dass sich Briefe mit der DHL-App über einen Zahlencode von Hand beschriften lassen, ist schon seit dem Handyporto möglich. Neu ist, dass der damit verbundene Aufpreis jetzt wegfällt. Insgesamt ist die Idee, Briefe mit dem Kugelschreiber per Hand zu frankieren, natürlich gar nicht abwegig. Aus technischer Sicht fühlt sie sich dennoch wie ein Rückschritt an. Irgendwann dachte man ja mal, durch Computer ganz vom Papier wegzukommen - und jetzt soll auch noch wieder mehr mit der eigenen Handschrift gearbeitet werden? Das ist zumindest ungewohnt.

Schließlich hat die Deutsche Post zum Beispiel mit der Internetmarke als QR-Code einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Darauf werden alle relevanten Informationen maschinenlesbar gespeichert. Das heißt: Wir haben Methoden entwickelt, mit denen für Menschen gedachte Aufschriften wie die Adresse oder die Höhe des Portos in digitale Information umgewandelt und somit von Computern verstanden werden können.

Der Scanner am Postschalter oder im Verteilungszentrum muss auf diese Weise nicht die Handschrift des Versenders lesen können, um alle relevanten Daten zu erhalten. Durch das "Kugelschreiberporto" kehrt sich dieser Prozess wieder um, da die für den Computer gedachte Information nun wieder in ein für den Menschen per Handschrift übertragbares Format gebracht werden muss.

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Statt zur Handarbeit zurückzukehren, hätte die Post direkt das ganze System reformieren können. Warum nicht einfach bereits frankierte Briefumschläge mit einheitlichem Porto (unabhängig vom Gewicht) anbieten, als Ersatz für die Standardbriefe mit ihren verschiedenen Gewichtsklassen und Größen? Schließlich passt ohnehin nicht unendlich viel Papier in einen Standardbriefumschlag - und den Sortiermaschinen und den Zustellern dürfte es egal sein, ob ein Brief 30 Gramm mehr oder weniger wiegt.

Überhaupt das Gewicht: Im Moment ist es so, dass ein Standardbrief nicht mehr als 20 Gramm wiegen darf. Bis 50 Gramm ist es ein Kompaktbrief, alles darüber bis 500 Gramm ist ein Großbrief, gefolgt vom Maxibrief bis zu einem Kilogramm. Dazu immer die Frage, ob das alles auch für unterschiedlich große Briefumschläge gleichermaßen gilt.

Warum nicht einfach eine Klasse bis 100 Gramm einführen? Alles darüber enthält ohnehin mehr als ein paar Blatt Papier und wird bis zu einem Kilo einfach zur Versandtasche erklärt. Danach sind wir schon beim Päckchen angekommen, womit die Sache erledigt wäre. Entsprechendes Material wird vorfrankiert verkauft und es gibt keinen Ärger mehr.

Briefmarken am besten ganz abschaffen

Größere Versandtaschen oder A5-Umschläge könnten also gerne mit einem höheren Betrag versehen sein; auch gegen unfrankierte Exemplare für den privaten Einsatz ist nichts einzuwenden. Aber das ewige Gefrickel mit Briefmarken oder nun eben einem Zahlencode, der per Hand auf den Umschlag geschrieben und anschließend natürlich von jedem Lesegerät problemlos erkannt werden muss, dürfte ruhig ein Ende finden.

Denn aus technischer Sicht ist der Mensch nahezu immer die größte Fehlerquelle. Zwar ist die automatisierte Handschriftenerkennung lernfähig, aber was passiert bei Zahlendrehern oder verschmierten Ziffernfolgen? Mit QR- und Barcodes wurden bereits Möglichkeiten geschaffen, um diese Störquellen zu vermeiden.

So praktisch die Kugelschreibermethode auf den ersten Blick auch sein mag, ein Schritt nach vorne ist sie nicht. Es ist nur eine umständlichere Art von Briefmarke, die am besten ganz abgeschafft werden sollte.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach).

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Gaius Baltar 12. Dez 2020

Dann hast du Glück gehabt, dass es angekommen ist (und der Empfänger nicht nachlösen...

genzo 11. Dez 2020

Ich verstehe den ganzen Hype nicht. Schon vor über 10 Jahren, als die Deutsche Post ihr E...

nohoschi 11. Dez 2020

Bin auch alle zwei Tage beim Einkaufen. Keine Ahnung warum es Briefmarken nicht beim...

Dino13 11. Dez 2020

Briefe zwar selten aber immer noch recht oft versenden wir Grußkarten weil es einfach...

Sukram71 11. Dez 2020

Ach, Briefmarken haben keinen so großen Wert, die könnte man auch im DIN A4 oder A5...



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