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''Die Sprache auf dem Börsenparkett ist nichts für Frauenohren''

Aus Berezins Design wurden Rechner für Banken, die Börse und eines der ersten Passagierreservierungssysteme für Fluggesellschaften entwickelt. Damit das funktionierte, mussten allerdings erst mal die Mitarbeiter weitergebildet werden - von der Entwicklungsarbeit an relaisbasierten Maschinen zum transistorbasierten Computer. "Es war überhaupt nicht schwierig und sie waren sehr fähig. Ich hatte Glück", erinnerte sich Berezin.

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Das Reservierungssystem für United Airlines verfügte über Terminals im ganzen Land, die mittels eines speziellen, ausgeklügelten Kommunikationssystems mit einem zentralen Server kommunizieren konnten. Ausgelegt war es darauf, 60 Städte miteinander zu verbinden, der Server stand in Denver. Er musste immer laufen, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, und das über Jahre. Mit Röhren wäre das auf keinen Fall gegangen, Halbleitertechnik war die Voraussetzung für so ein Projekt.

Doch Transistoren alleine genügten nicht. Was entstand, war ein Design, bei dem mehrere Computer auf der gleichen Datenbasis parallel arbeiteten - ein Cluster. Dieser Cluster ermöglichte, dass einzelne Maschinen im Betrieb herausgenommen und wieder eingefügt werden konnten. Mit weniger Computern lief das System zwar langsamer, aber es gingen keine Daten verloren.

Letztlich sollte es der Server auf elf Jahre Betrieb ohne Downtime bringen. Bei den Clients gab es in dieser Zeit dagegen einen Ausfall - aber nur, weil AT&T entgegen der Anforderung in Nevada beide Anschlussleitungen auf denselben Terminal-Link legte, was zu einer kompletten Netzunterbrechung führte.

Nach einigen Jahren hatte Evelyn Berezin das Pendeln von der New Yorker Wohnung nach Connecticut zu Teleregister jedoch satt. Ihr Chef verschaffte ihr ein Vorstellungsgespräch für eine ausgeschriebene Stelle als Leiterin der Kommunikationsabteilung bei der New Yorker Börse.

Der bisherige Leiter stand kurz vor der Rente, sprach mit ihr und fand sie hochqualifiziert. Umgehend kündigte sie ihre alte Stelle. Etwas später wurde ihr jedoch mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat ihre Anstellung abgelehnt habe. Der Job sei für sie als Frau nicht zumutbar, weil sie hin und wieder auf das Parkett müsse und da herrsche eine Sprache, die für Frauenohren nicht geeignet sei.

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Zurück bei den Elecom-Kollegen

Stattdessen kam sie bei Digitronics unter, einer Firma, die ehemalige Elecom-Kollegen gegründet hatten. Bekannt war die Firma, weil sie die besten Papierbandleser herstellte. Dort leitete sie die Abteilung der Logikdesigner, machte aber im Prinzip den gleichen Job wie 15 Jahre zuvor, als sie frisch von der Universität kam.

Die nächste Karrierestufe, als Vizepräsidentin der Firma, kam für sie nicht in Frage, wie die Erfahrung mit der New Yorker Börse gezeigt hatte. "Ich wusste verdammt gut, dass ich als Frau diesen Job niemals bekommen würde. Diese Lektion hatte ich gelernt", erinnerte sie sich mehr als 50 Jahre später.

Und so entschied sich Berezin zur Gründung einer eigenen Firma.

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 Evelyn Berezins erstes Jahresgehalt betrug in etwa 45.000 US-DollarBerezin war eine der ersten Frauen an der Spitze einer Computerfirma 
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Crass Spektakel 13. Mär 2021 / Themenstart

Ich habe nie wirklich dumme Menschen erlebt. Aber sehr wohl kenne ich Menschen denen...

schily 11. Mär 2021 / Themenstart

Das basiert meines Wissens nach auf einem Motorola 6502 und kann daher nicht das erste...

schily 10. Mär 2021 / Themenstart

Siehe meinen Beitrag, ich vermute sogar, daß das Satzsystem auf Basis einer...

Eheran 09. Mär 2021 / Themenstart

Schade, dass du auf nichts eingehst. Da ist viel Potential für eine (Grundsatz-) Diskussion.

FreiGeistler 09. Mär 2021 / Themenstart

Der mit dem "ewiggestrigen"? Es ist einfacher, sich auf ein Geschlecht zu versteifen (ob...

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