Pornoplattform: Inside Xhamster

rC3

Journalisten ist es gelungen in das Löschteam der Pornowebseite Xhamster aufgenommen zu werden. Auf dem rC3 berichten sie über den laxen Umgang mit rechtswidrigen Inhalten.

Ein Bericht von veröffentlicht am
Zwei Journalisten haben im Löschteam von Xhamster recherchiert.
Zwei Journalisten haben im Löschteam von Xhamster recherchiert. (Bild: Zdeněk Chalupský/Pixabay)

Eigentlich wollten die beiden Journalisten Sebastian Meineck und Yannah Alfering nur in Erfahrung bringen, ob hinter den sich häufenden Einzelfällen von non-consensual Porn - also Aufnahmen, die ohne die Zustimmung der Betroffenen erstellt oder veröffentlicht werden - auf der Plattform Xhamster ein System steckt. Doch Xhamster wollte ihre Fragen nicht beantworten. Also schleusten sie sich ins Löschteam der Pornoplattform ein. Von ihren Erfahrungen berichten die beiden Journalisten auf dem Online-Hackertreffen rC3.

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Xhamster ist die beliebteste Pornowebseite in Deutschland. Neben einem bezahlten Supportteam gibt es dort ein freiwilliges Löschteam, den Reviewers Club. Diesem wollten die beiden Journalisten mit einem Fake-Profil, dem sie den Namen Holger gegeben hatten, beitreten. Dann hieß es allerdings erstmal warten (200 Tage) und eigenen Content erstellen. Denn das sind die Voraussetzungen, um Teil des Reviewer Clubs zu werden. Die Identität der Person wird dabei nicht überprüft.

Per Social Engineering in den Reviewers Club

Nach einigem Hin und Her - immer wieder wurde mehr Content gefordert oder den Journalisten nicht geantwortet - wurden sie tatsächlich in den Reviewers Club aufgenommen und erhielten Einblick in die Content-Moderation der Plattform. Die Aufgabe der weniger als 130 Freiwilligen, und damit auch von Holger, war es, Bilder in Augenschein zu nehmen und über verschiedene Buttons zu bewerten.

Die Inhalte können über die Buttons "Minderjährig", "Fäkalien" oder "Zoo", für Inhalte mit Tieren, abgelehnt werden. Daneben gibt es nur allgemeine Auffangkategorien für die Ablehnung. Zudem gibt es die Möglichkeit, den Inhalt zu überspringen, freizuschalten oder in eine bestimmte Kategorie wie beispielsweise "Männer" zu verschieben.

Laxe Regeln für die Moderation

Doch wie entscheidet eine moderierende Person, welche Inhalte okay sind und welche nicht? Dafür stellt die Plattform einen kurzen, 2.800 Zeichen langen Leitfaden mit Beispielbildern zur Verfügung - zum Vergleich: Dieser Artikel ist ungefähr doppelt so lang.

Der Leitfaden erkläre recht ausführlich, unter welchen Bedingungen Bilder in die Kategorie Männer verschoben werden solle, während er den Bereich der Minderjährigen recht kurz abhandle, sagte Alfering. Wenn eine Person mit hoher Wahrscheinlichkeit minderjährig sei, solle der Inhalt gelöscht werden, heiße es dort. Viel mehr Tipps, als auf Piercings, Tattoos und Dehnungsstreifen zu achten, würden nicht gegeben.

Doch pornografische Inhalte von Minderjährigen sind schlicht illegal. Mit ihrem Fake-Profil Holger fragten die beiden Journalisten daher nach, was sie machen sollen, wenn sie sich unsicher sind. Der Admin riet, die Bilder einfach zu überspringen, dann "wird es jemand anderes reviewen". Aber die anderen könnten das genauso schlecht wie Holger beurteilen, betont Meineck.

Löschen? Nur mit 100-prozentiger Sicherheit!

Besonders pikant ist die wichtigste Regel des Handbuches: "Lösche keinen Content, wenn du dir nicht 100 Prozent sicher bist." Das bedeutet, dass auch nur beim geringsten Zweifel, dass ein Bild doch gewollt eingestellt wurde, nicht moderiert werden soll. Ohnehin würden die Bilder erst moderiert, wenn sie bereits online sind und dann im Nachgang gelöscht.

Regeln, Hilfestellungen oder einen Button für Aufnahmen, die ohne Zustimmung der Betroffen veröffentlicht oder gar heimlich aufgenommen wurden, gibt es nicht. Im Gegenteil, wenn die moderierenden Personen keinen Beweis haben, dass er ohne Einverständnis veröffentlicht wurde, soll er online bleiben - und wann hat man dafür schon einen Beweis?

Für genau solche voyeuristischen Aufnahmen erfuhren die Pornoplattformen in den letzten Jahren massive Kritik, insbesondere Xhamster. Im Unterschied zu der laxen Überprüfung der Inhalte, werden die Personen, deren Inhalte ohne Zustimmung auf Xhamster veröffentlicht wurden, jedoch deutlich genauer und langwieriger geprüft.

Im Jahr 2020 tut sich endlich was

In den letzten Wochen sei endlich Bewegung in die Branche gekommen, sagen die Journalisten. Die Zahlungsdienstleister Mastercard und Visa haben nach Kritik ihre Geschäftsbeziehungen mit Pornhub eingestellt. Pornhub reagierte und erlaubt nur noch Content von überprüften Accounts. Alle Inhalte, die von anonymen beziehungsweise nicht geprüften Konten stammen, werden gelöscht.

Xhamster reagierte ähnlich, allerdings nur bei den hochgeladenen Bildern, erklären die beiden Journalisten. Auch habe Xhamster die Kategorie "Voyeur" von der Startseite genommen und die Kategorie Teen in: Teen 18+ umbenannt. Das könne teils auf ihre Berichterstattung und teils auf den Gesetzentwurf Sisea (Stop Internet Sexual Exploitation Act) in den USA zurückgeführt werden, der eine Ausweispflicht für Pornodarsteller und -darstellerinnen fordert.

Damit würde zwar das Problem mit den non-consensual Porn auf den Plattformen angegangen und gelöst, allerdings habe das Gesetz auch massive Nachteile für Sexarbeitende, betonen die Journalisten. Beispielsweise, wenn diese ihre Identität schützen müssten. Erst Anfang des Jahres wurde ein massives Datenleck entdeckt, bei dem eine Pornofirma umfangreiche Vertragsdaten inklusive Ausweiskopien der Darsteller ungeschützt im Netz gelassen hatte.

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ptepic 20. Jan 2021

Du hast 50% von Pornhub GEBACKUPED?!?!?!?? :-o

Komischer_Phreak 06. Jan 2021

Wieso sollten die dem noch-Präsidenten dabei helfen, seine Lügen zu verbreiten? Es gab...

Phrogger 05. Jan 2021

Das sind die "Freeze Peach Warriors". Meinungsfreiheit wird verteidigt, wenn einem...

Lanski 04. Jan 2021

Überschriften ohne Inhalt auch. :P

quineloe 02. Jan 2021

Wirecard ist nicht der Dienstleister, der aufgehört hat Pornoseiten Geld zu geben. Das...


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