xHamster: Keine Pornografie ist auch keine Lösung

Jugendschützer wollten xHamster blockieren und scheiterten. Aber Netzsperren lösen kein einziges der Probleme mit Pornos im Internet.

Eine Analyse von Daniel Ziegener veröffentlicht am
Pornos gehen nicht weg, wenn man sie wegsperrt.
Pornos gehen nicht weg, wenn man sie wegsperrt. (Bild: Charles Deluvio/Unsplash)

Anfang März feuerte die Landesmedienanstalt NRW einen Warnschuss in Richtung der Pornoindustrie ab. Der Zugang zur Plattform xHamster sollte von deutschen Internetprovidern gesperrt werden, weil xHamster die deutschen Jugendschutzbestimmungen nicht erfüllt. Der Warnschuss entpuppte sich als Blindgänger.

Inhalt:
  1. xHamster: Keine Pornografie ist auch keine Lösung
  2. Pornos sind nicht illegal

Wie nutzlos solche Sperren als Werkzeug sind, wurde an dem Beispiel xHamster schnell deutlich. Mit einfachen Domain-Umleitungen tänzelte der Anbieter um die bei 1&1 und Telefónica bewirkten DNS-Sperren herum und führte die Landesmedienanstalt so öffentlich vor.

Die hatten nur die deutschsprachige Subdomain de.xhamster.com blockieren lassen, nicht aber schnell eingerichtete Weiterleitungen wie deu.xhamster.com oder xhamster2.com. Eine Sprecherin der zuständigen Landesmedienanstalt sagte gegenüber Netzpolitik.org, diese Entwicklung sei "in Anbetracht des bisherigen Verhaltens der Anbieterin wenig überraschend."

Wie lange das neue Verfahren dauern würde, teilte sie nicht mit. Ob es die schon jetzt funktionierenden Subdomains mitdenkt, lässt sich nur erahnen. Es ist eine Blamage, die zeigt, wie in Deutschland an den Problemen mit Internetpornografie vorbei Politik gemacht wird. Denn Probleme gibt es. Nur können Netzsperren sie nicht lösen.

Jugendschützer wollen Altersverifikation

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Zwischen der Aufregung über staatliche Inhaltskontrollen im Netz und Schadenfreude über das krachende Scheitern der Landesmedienanstalt gerät das eigentliche Ziel der Jugendschützer schnell in Vergessenheit. Denn die wollen an sich gar nicht alle Pornos verbieten, sondern nur den Zugang für Minderjährige verhindern.

Pornografie ist in Deutschland an sich nicht illegal. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JSMtV) verlangt von Anbietern aber, den Zugang "geschlossenen Benutzergruppen" des entsprechenden Alters vorzubehalten. Damit sind nicht nutzlose Popups gemeint, die mit einem Klick die Volljährigkeit bestätigen. Zu den von der KJM anerkannten Altersverifikationssystemen gehören Videoident-Verfahren wie Postident. Dabei sind diese Systeme sogar der Finanzaufsicht Bafin nicht sicher genug.

Dass sich die Industrie gegen eine allzu persönliche Verifikation ihrer Kunden sträubt, ist wenig verwunderlich. Sexuelle Vorlieben sind nicht nur eine intime Angelegenheit, sondern auch in Deutschland immer noch Anlass für Diskriminierung und Gewalt. Solche sensiblen Daten möchte man niemandem anvertrauen, weder dem Staat per elektronischem Personalausweis noch einem internationalen Unternehmen per Kreditkarte. Zumal Unternehmen, die teils ohnehin schon mehr Daten erfassen, als sie sollten.

Verbote haben nur symbolische Wirkung

Die Debatte um den Zugang zu Pornografie ist keine rein deutsche. Am 9. Juli 2020 beschloss die französische Nationalversammlung einen Gesetzentwurf, nach dem die Regulierungsbehörde CSA Webseitenbetreiber zur Einrichtung einer Altersverifikation für pornografische Inhalte verpflichten kann. Schon 2017 wollte die britische Regierung eine verpflichtende Altersverifikation beschließen, hat die Pläne 2019 dann aber doch erstmal wieder ausgesetzt.

Laut einer Umfrage unter britischen Jugendlichen wüsste ohnehin die Hälfte von ihnen, wie sie VPN-Dienste nutzen können. Nahezu vier Fünftel der 16- und 17-Jährigen seien schon auf pornografische Seiten gestoßen. Stellt man beide Antworten in Kontext zueinander, ergibt sich ein Bild der Wirksamkeit regionaler Sperren.

Weigern sich die im Ausland sitzenden Anbieter, ein Altersverifikationssystem einzuführen, ist das Androhen von Sperrungen aber die letzte Konsequenz, die bleibt. Den Effekt der gewünschten Altersverifikation ersetzen technisch plumpe Netzsperren jedoch nicht. Selbst ohne die Hilfe von xHamster wäre es wohl gerade für technisch affine Jugendliche ein Leichtes gewesen, sie zu umgehen - oder einfach eines von tausenden anderen Angeboten anzusurfen.

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Pornos sind nicht illegal 
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/mecki78 17. Mär 2022

Hormone hat jeder, aber nicht jeder hat als Teenager Sex und selbst wenn, dann nicht...

LordSiesta 17. Mär 2022

Ich finde das ganze Argument »Pornofilter schaden der Informationsfreiheit« recht...

mussichmalloswe... 16. Mär 2022

Ich sage ja nicht das wir hier zensiert sind wie in Russland, Iran oder China. Ich sage...

Dwalinn 16. Mär 2022

Die das dann bis zur Pension/Rente machen...



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