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Ein Youtuber wettet gegen sich selbst

So berichtete die Analyse-Plattform Arkham im Oktober 2025(öffnet im neuen Fenster) von einem besonders dreisten Fall von Insider Trading: Ein Youtuber wollte 40 Tage lang in der Wüste fasten. Auf Polymarket wurde dafür eine Wette eingerichtet. Er wettete gegen sich selbst, scheiterte mit seiner Challenge, bereicherte sich jedoch um 60.000 US-Dollar. Dumm war nur, dass er im Rahmen eines Spendenaufrufs ein Jahr zuvor ein Krypto-Wallet auf X geteilt hatte, was zu seinem Konto auf Polymarket zurückverfolgt werden konnte.

Kritiker führen das Problem des Insider Tradings als eines der Hauptargumente gegen diese Art von Wetten an. Abgesehen vom finanziellen Betrug, ist der Fall des Youtubers harmlos. Schlimmer wäre es, wenn Politiker ihre Entscheidungen an Prognosemärkte koppeln oder sich davon beeinflussen lassen würden.

"Es ist verrückt, dass das legal ist," schrieb der demokratische Senator Chris Murphy auf X(öffnet im neuen Fenster) . "Die Menschen um Trump herum profitieren von Krieg und Tod." Noch schwerer wiegt diese Kritik, wenn man von der Wette liest, die anscheinend selbst Polymarket zu makaber war und deswegen gelöscht wurde : ''Nuclear weapon detonation by...?''(öffnet im neuen Fenster)

"Das Genaueste, bis jemand eine Superkristallkugel erfindet"

Doch es gibt auch Befürworter, die in Prediction Markets eine akkuratere Prognose der Zukunft sehen als sie Meinungsumfragen je geben könnten – wahrscheinlich auch, weil jeder, der Geld setzt und etwas zu verlieren hat, dies entweder aus fester Überzeugung oder aus einem Wissensvorsprung heraus tut. "Es ist das Genaueste, was wir als Menschheit derzeit haben, bis jemand anderes eine Art Superkristallkugel erfindet," sagte Shayne Coplan, CEO von Polymarket, im November in der US-Sendung 60 Minutes(öffnet im neuen Fenster) .

Übrigens: Coplan ist ein 28-jähriger Kryptoenthusiast und College-Drop-out aus New York, der sein Unternehmen während der Pandemie 2020 allein aus seiner Wohnung heraus gründete.

Heute wird die Plattform auch von Kryptofans mit direkten Verbindungen zur US-Spitze unterstützt: Donald Trump Jr. ist strategischer Berater für Polymarket. Er und sein Bruder Eric sind als Partner bei der 1789-Capital-Risikokapitalgesellschaft involviert, die im Sommer 2025 in "Unternehmen, die ihrer Meinung nach die Politik und Agenda von US-Präsident Donald Trump widerspiegeln" investierte, unter anderem Polymarket, wie Reuters berichtete(öffnet im neuen Fenster) .

Vom Prediction Market zum Newsticker

Medienunternehmen wie CNN und das Wall Street Journal betten mittlerweile die Daten von Prognosemärkten ein. Und auch Polymarket selbst gibt sich, zumindest auf X, als News-Plattform und teilt mit dem Wort "Breaking" in Großbuchstaben vor Meldungen Updates zu militärischen, politischen und sozialen Ergebnissen. Zwischendrin werden in Posts natürlich neue Wettmöglichkeiten verkündet.

Doch wie viele Nutzer profitieren wirklich von den Wettmöglichkeiten? Von mehr als 1,7 Millionen Adressen, die jemals gehandelt haben, verloren etwa 70 Prozent der Händler Geld, fand ein Blockchain-Forscher, der unter dem Pseudonym defioasis.eth bekannt ist,(öffnet im neuen Fenster) durch die Auswertung von On-Chain-Daten(öffnet im neuen Fenster) heraus. Weniger als 0,04 Prozent der Adressen machten mehr als 70 Prozent der Gesamtgewinne der Plattform aus.


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