Polizeisoftware: Berliner Polizei hält trotz neuem System an Altsoftware fest

Eine veraltete Software soll bei Einsätzen der Berliner Polizei zu Problemen geführt haben. Der Senat dementiert das, schon seit drei Jahren werde ein neues Programm eingesetzt. Das alte System will die Polizei trotzdem nicht abschaffen.

Artikel veröffentlicht am , Anna Biselli
Beim Anschlag auf den Breitscheidplatz 2016 gab es mit der neu eingeführten Software Probleme.
Beim Anschlag auf den Breitscheidplatz 2016 gab es mit der neu eingeführten Software Probleme. (Bild: TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

Seit 13 Jahren benutzt die Berliner Polizei die Einsatzplanungssoftware Füsta Dir X. Im November berichtete Focus Online, die Software falle immer wieder aus. Es sei dabei laut anonymen Quellen zu Problemen bei kritischen Situationen gekommen. Neue Informationen legen nahe: Das ist nicht ganz korrekt. Zwar setzt die Berliner Polizei nach Angaben des Innensenats die veraltete Polizeisoftware weiter ein, für konkrete Einsätze betreibe sie jedoch seit drei Jahren das System EPSWeb.

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Aus der Antwort des Berliner Senats auf eine Anfrage des Abgeordneten Niklas Schrader geht hervor, dass Füsta Dir X nur noch genutzt wird, um die "Kräftelage" darzustellen und die Einsatzstunden der Polizeibeamten zu erfassen - zu Problemen bei konkreten Einsätzen sei es in den vergangenen drei Jahren demnach nicht gekommen. Auch als Rückfallsoftware, sollte EPSWeb einmal ausfallen, werde das Altprogramm noch vorgehalten. Auf Nachfrage von Golem.de sagte die Polizei Berlin, dass dieser Fall aber noch nie eingetreten sei.

Füsta Dir X wurde seit drei Jahren nicht überarbeitet

Es ist geplant, bis Ende des Jahres 2018 zumindest das Software-Layout des Urgesteins zu modernisieren. Offenbar verzögerte sich die Aktualisierung, Focus Online berichtete, die dafür zuständige Beamtin sei mehrere Monate erkrankt. Die letzte Anpassung liegt bereits drei Jahre zurück, antwortete der Innensenat auf Schraders Anfrage.

Zum Grund des Parallelbetriebs sagte die Berliner Polizei auf Nachfrage, das "Kräftemodul" von Füsta Dir X werde noch genutzt, da EPSWeb nicht alle benötigten Features bereitstelle. Eine Zusammenführung der beiden Softwarelösungen, so die Polizei weiter, sei nicht geplant.

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Was der Parallelbetrieb von Füsta Dir X kostet, kann die Polizei nicht genau beziffern. Im Jahr 2005 habe es einmalige Zahlungen an den Entwickler gegeben, der selbst Polizeimitarbeiter war. 270 Euro Prämie im Rahmen des Berliner Ideenmanagements sowie eine Vergütung von etwa 28.000 Euro habe er erhalten. Die Weiterentwicklung sei im regulären Dienst erfolgt und dementsprechend gebe es keine gesondert ausgewiesenen Zahlungen.

Die Polizei setzt seit 2016 auch EPSWeb ein

Die Lizenz für die neue Software EPSWeb hat 19.000 Euro gekostet, dazu kamen 5.000 Euro für Mitarbeiterschulungen und ein jährlicher Wartungsbetrag von etwa 2.200 Euro. Obwohl die Lizenz für das neue Programm schon im Jahr 2011 gekauft wurde, startete der "Probe-Echt-Betrieb" erst im Januar 2016. Er verursachte zunächst Probleme: Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz im Winter 2016 wurde EPSWeb "aufgrund fehlender Beschulung" der Beamten in der Einsatzführung zunächst nicht flächendeckend genutzt. Das geht aus einer öffentlich gewordenen internen Auswertung der Berliner Polizei hervor. Stattdessen hätten Informationen per Telefon abgeglichen und händisch erfasst werden müssen.

In anderen Bundesländern wird die Einsatzprotokollierungssoftware schon länger genutzt. Das von der bayerischen Polizei entwickelte Programm wird dort seit über zehn Jahren sowohl von den Ermittlern als auch von Katastrophenschutz und Feuerwehren eingesetzt. Andere Bundesländer übernahmen das System, in Niedersachsen testeten einzelne Polizeibehörden schon 2007 den Einsatz, Hamburg erwarb 2012 eine Lizenz und setzte es unter anderem beim G20-Gipfel ein.

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