Polizei: Mehr als 750 Verhaftungen in Deutschland nach Encrochat-Hack

Das BKA sieht die Auswertung der Encrochat-Daten als großen Erfolg und unterstreicht das mit vielen Ermittlungsverfahren und Haftbefehlen.

Artikel veröffentlicht am ,
Die Daten aus dem Encrochat-Hack führten zu zahlreichen Razzien, an denen auch das BKA beteiligt war.
Die Daten aus dem Encrochat-Hack führten zu zahlreichen Razzien, an denen auch das BKA beteiligt war. (Bild: John Macdougall/AFP via Getty Images)

Das Bundeskriminalamt (BKA) hat eine vorläufige Übersicht und Auswertung zu den Ermittlungsergebnissen veröffentlicht, die in Zusammenhang mit dem Encrochat-Hack stehen. Demnach seien "mehr als 2.250 Ermittlungsverfahren eingeleitet, mehr als 750 Haftbefehle vollstreckt und beachtliche Drogenmengen sichergestellt" worden. Das BKA bezeichnet das entsprechend als "nachhaltigen Schlag gegen die organisierte Rauschgiftkriminalität".

Stellenmarkt
  1. Projektmitarbeiter*in (m/w/d) Digitalisierung der Hochschulverwaltung im Kompetenzzentrum E-Akte.NRW
    Universität Bielefeld, Bielefeld
  2. Management-Trainee IT (w/m/d)
    IT-Systemhaus der Bundesagentur für Arbeit, Nürnberg
Detailsuche

Das BKA übernimmt bei den Ermittlungen vor allem eine Art Koordinierungsaufgabe etwa für die dann zuständigen Landespolizeien, Zoll oder die Bundespolizei. Darüber hinaus hat das BKA federführend die initiale Auswertung der Daten aus dem Encrochat-Hack durchgeführt. Aus "mehreren Hunderttausend Chatverläufen" habe das BKA so "Tausende Nutzer identifiziert". Allein auf Grundlage der Daten aus dem Hack seien die erwähnten 2.250 Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Die Daten hätten zudem "360 bereits bestehende Ermittlungsverfahren wesentlich unterstützt".

Auf Grundlage der Ermittlungen folgten bereits zahlreiche Großrazzien, darunter auch in Berlin und Brandenburg. Dabei seien nicht nur die 750 Haftbefehle vollstreckt worden. Zu den Razzien heißt es weiter: "Fast 3,2 Tonnen Cannabis, etwa 320 Kilogramm synthetische Drogen, über 125.500 Ecstasy-Tabletten, fast 400 Kilogramm Kokain und 10 Kilogramm Heroin wurden sichergestellt. Darüber hinaus konnten rund 310 Schusswaffen und über 12.200 Schuss Munition aus dem Verkehr gezogen werden."

Auswertung der Daten juristisch umstritten

Ob und inwiefern diese Ermittlungen auf Basis der Encrochat-Daten aber überhaupt hätten erlaubt sein dürfen, ist juristisch sehr umstritten. So hat dies das Berliner Landgericht vergangene Woche erstmals verneint. Demnach hätten die abgefangenen Encrochat-Nachrichten nicht verwertet werden dürfen. Zuvor gab auch schon der ehemalige Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar zu bedenken, dass Beweise, die in einem anderen Staat gewonnen wurden, in Deutschland rechtswidrig sein können, wenn diese nicht mit dem hiesigen Recht in Einklang stünden.

Golem Karrierewelt
  1. CEH Certified Ethical Hacker v12: virtueller Fünf-Tage-Workshop
    14.-18.11.2022, Virtuell
  2. Implementing Cisco Enterprise Wireless Networks (ENWLSI): virtueller Fünf-Tage-Workshop
    10.-14.10.2022, virtuell
Weitere IT-Trainings

Das Urteil des Berliner Landgerichts steht im Gegensatz zu allen bisherigen Entscheidungen von unterschiedlichen Oberlandesgerichten. Die Generalstaatsanwaltschaft wolle deshalb eine "Überprüfung durch das Kammergericht herbeiführen". Die Rechtmäßigkeit der Datenauswertung durch die deutsche Polizei ist aber noch nicht endgültig geklärt. Dies dürfte erst durch den Bundesgerichtshof erfolgen. Im Fall einer Verfassungsbeschwerde gar erst durch das Bundesverfassungsgericht. Aufgrund der jeweiligen Verfahrensdauer könnte eine Grundsatzentscheidung demnach noch Jahre auf sich warten lassen.

Hacking & Security: Das umfassende Handbuch. 2. aktualisierte Auflage des IT-Standardwerks (Deutsch) Gebundene Ausgabe

Die Kryptohandys von Encrochat wurden laut Aussagen der Polizei vor allem von Kriminellen genutzt. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich war es im vergangenen Jahr gelungen, mehr als 20 Millionen geheime Nachrichten aus dem Dienst abzuschöpfen. 60.000 Teilnehmer hätten den aufwendig verschlüsselten Chatdienst genutzt. Die Nutzer setzten dabei auf die Versprechungen des Herstellers, dass die Kommunikation besonders sicher sei, weil die Technik angeblich nicht zu knacken sei. Spätestens seit Herbst vergangenen Jahres war dann nach einem Bericht des NDR klar, dass die Daten aus dem Hack auch in Deutschland ausgewertet werden.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Gene Roddenberrys andere Sci-Fi-Stoffe
Neben Star Trek leider fast vergessen

Der Name Gene Roddenberry steht vor allem für Star Trek. Nach dem Ende der klassischen Serie hat er aber noch andere Science-Fiction-Stoffe entwickelt.
Von Peter Osteried

Gene Roddenberrys andere Sci-Fi-Stoffe: Neben Star Trek leider fast vergessen
Artikel
  1. Carsten Spohr: Lufthansa-Chef wird Opfer eigener Sicherheitslücke
    Carsten Spohr
    Lufthansa-Chef wird Opfer eigener Sicherheitslücke

    Unbekannte haben einen QR-Code auf einem Boardingpass von Lufthansa-Chef Carsten Spohr ausgelesen und auf persönliche Daten zugreifen können.

  2. Illegales Streaming: House of Dragons bei Piraten beliebter als Ringe der Macht
    Illegales Streaming
    House of Dragons bei Piraten beliebter als Ringe der Macht

    Das Game-of-Thrones-Prequel hat mehr Zuschauer als die neue Herr-der-Ringe-Serie - zumindest via Bittorrent.

  3. Showcar: Renault 5 Turbo 3E kommt als Driftauto mit Elektromotoren
    Showcar
    Renault 5 Turbo 3E kommt als Driftauto mit Elektromotoren

    Renault hat sich zum 50. Geburtstag des Renault 5 den R5 Turbo 3E einfallen lassen. Das Showcar mit zwei E-Motoren ist wie gemacht zum Driften.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • CyberWeek: Bis -53% auf Gaming-Zubehör und bis -45% auf PC-Audio • Crucial 16-GB-Kit DDR5-4800 69,99€ • Crucial P2 1 TB 67,90€ • MindStar (u. a. Intel Core i5-12600 239€ und Fastro 2-TB-SSD 128€) • Logitech G Pro Gaming Keyboard 77,90€ • Apple iPhone 12 64 GB 659€ [Werbung]
    •  /